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Akademikerfanclub 1899 Hoffenheim Rhein-Neckar Heidelberg 2007 e. V.

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Borussia Mönchengladbach vs. 1899 Hoffenheim

Oops !11!!!

Epische Lakonien zu einem unspartanischen Spiel
mit erneut spartanischer Punkteausbeute

Das mit der Festung ist schon lange her, sehr lange. Aber man erinnert sich doch noch daran. Nein, gemeint ist nicht die RheiNeckArena, obwohl das natürlich naheliegend wäre, war es doch der gestrige Gegner, der uns nach über zwanzig Spielen, die wir im eigenen Stadion ungeschlagen blieben, die erste Niederlage beibrachte.

Gemeint ist mit Festung Lakonien. Jenem südlichen Bereich des Peloponnes verdanken wir wie seiner ehedemen Hauptstadt Sparta zwei Adjektive, also Eigenschaftswörter, die selbst ein völliger Ignorant der Antike, griechischer Mythologie und Frühgeschichte kennt und nutzt. Interessant hierbei ist, dass sie für dasselbe stehen, aber in unterschiedlichen Bereichen:

  • Lakonisch beschreibt eine einfache, unprätentiöse, wortkarge Sprache.
  • Spartanisch steht für Dingliches und Charakteristisches: anspruchslos, bescheiden, enthaltsam, genügsam sowie eisern und streng.

Woher diese Unterscheidung kommt, wissen wir nicht, und es deucht seltsam, dass es sie überhaupt gibt, aber wir müssen nur die Türe öffnen, um zu wissen, dass es einen guten Grund dafür gibt, denn was die Menschen hier in der Region nicht sind, dann ist es spartanisch. (Man denke nur an diese Festivitäten hier und die Portionen der gutbürgerlichen Küche, wie sie in hiesigen Wirtshäusern aufgetischt werden. Und auch das Interieur der klassischen Kurpfälzer und Kraichgauer Behausungen zeichnet sich wenig durch Redundanz aus.) Aber, wenn man ihnen zuhört, ist die Lakonie ihrer Sprache unüberhörbar. Zugegeben, sie sind nicht immer mundfaul, aber wenn es ums Wesentliche geht, werden nicht viele Worte gemacht. Hinzu kommt noch die besondere Form des unnachahmlichen Mutterwitzes, der es ja in Mannheim selbst zu einem eigenen Begriff gebracht hat: dem Bloomaul.

Dieser Begriff steht nicht im Zusammenhang mit unserem unspartanischen Umgang insbesondere mit alkoholischen Getränken insbesondere auf den lokalen Festen. Diesen hat bestens der aus der Region stammende Kabarettist Rolf Miller zum Ausdruck gebracht.

„Wir leben hier in einer Gegend, in der man sagt, warum fünf Bier trinken, wenn es auch zehn sein können.“

Es geht auf das mittelhochdeutsche bliuwen zurück (schlagen), was auch schon ein Hinweis darauf ist, dass es weniger um Richtigkeit als Schlagfertigkeit geht, was folgende Anekdote sehr schön beschreibt.

Zwei Damen auf Kur in Bad Oyenhausen unterhalten sich. Eine aus Lübeck, eine aus Mannheim. Die Lübeckerin erzählt etwas, was die Mannheimerin beeindrucken soll. Tut es aber nicht. Mit einem lässigen „Dess habb isch ma glei gedenkt!“ kanzelt sie sie ab, woraufhin die Lübeckerin sie korrigiert: „Das heißt gedacht – und nicht ‚gedenkt’.“
„Jetz horsche mool zu,“ kontert die Quadratestädterin, „Deutschland is dess Land vunn de Dichter unn Denker unn nedd dess Land vunn de Dichter unn Dachter.“

Wenn man das als Außenstehende/r hört, kann man kaum anders, als es zu lieben. Wenn man aber direkt involviert ist, kann man kaum anders, als bisweilen daran zu verzweifeln, denn Widersprüche in der eigenen Logik interessieren uns hier in der Region nicht.

So findet es wohl jeder Fan der TSG gut, dass …

  • … wir seit zehn Jahren in der 1. Fußball-Bundesliga spielen.
  • … wir noch nie abgestiegen sind.
  • … wir mehr Nachwuchsspieler (und immer mehr auch Trainer) entwickeln als jeder andere Verein.
  • … die Jugendmannschaften keines anderen Vereins in den jeweiligen höchsten Ligen so weit oben spielen.
  • … dass wir aus unseren Fehlern gelernt haben und nicht mehr Millionen in große Namen investieren, die außer großer Enttäuschung (auf allen Seiten) nichts bringen. (Wiese, Babel etc.)
  • … wir das Unsummenspiel der Scheichs und Oligarchen, wie es in Spanien, England, aber halt auch Frankreich und Italien sowie teilweise in China, Russland, der Türkei gespielt wird, nicht mitmachen.
  • … Dietmar Hopp, wenn er 20 Millionen Euro über hat, sie lieber in ein Kinderkrebsforschungsinstitut steckt als einen Kicker.

Aber es gibt auch nicht wenige, die es ankotzt, dass …

  • … wir immer wieder Spieler ziehen lassen müssen.
  • … wir nicht um die Deutsche Meisterschaft mitspielen.

Diese hier inhärenten Widersprüche sind offensichtlich, stören aber keinen – und zum Glück weder den derart (irrational) Denkenden noch sein rationales Pendant und erst recht nicht den (rational) Handelnden, denn auch hierfür gibt es bei uns die herrliche Lakonie:

„Wie de’s machsch, isses falsch. Unn machsch falsch, isses aa nedd rischdisch!“

Insbesondere in dieser Saison hilft dieser Spruch, dass man seine Nerven behält, denn …

  • … trotz namhafter Abgänge sowohl vor als auch inmitten der Saison
  • … trotz der Teilnahme an der Qualifikation zur UEFA Champions League sowie
  • … trotz der Teilnahme an der Europa League

standen wir nie in der unteren Tabellenhälfte. Man könnte sogar so weit gehen, lakonisch faktisch festzustellen, dass wir in unserer Premierensaison mehr Spiele in der Europa League gewonnen haben als Borussia Dortmund. Und auch nach dem Punkt in Gladbach stehen wir besser in der Bundesliga- als in der „Bruchhagen“-Tabelle, der (nach unserem Kenntnisstand) der erste war, der den einfachen Zusammenhang zwischen Platzierung und Etat herstellte.

Auch wenn es einen Verein gibt, der im Marktwertranking unter, aber in ersterem über uns steht (lustigerweise der, dem Bruchhagen lange als Vorstand vorstand), sind wir voll im Soll und holten einen Punkt bei einem Verein, dessen Kader 20% höher bewertet wird, als der unsere:

Bundesliga_Etat_Kader

„AWWA TROTZDEMMM!“, …

hören wir dich, geneigte/r Leser/in, da schreien? Du hast ja sooo Recht. :-)

Denn zumindest in dem Spiel, bei dem Verlauf zumindest, hätte mehr als ein Punkt gegen die Gladbacher rausspringen müssen. Denn dass es unserer Mannschaft allein in der Bundesliga zum elften Mal in der Saison NICHT gelang, ein Spiel, bei dem wir in Führung gingen, NICHT zu gewinnen, ist gastroenterologisch perestaltisch, um nicht „zum Kotzen“ zu sagen. (Lakonisch ließe sich feststellen: „Ligabestwert“, was es aber emotional nicht wirklich besser macht, womit sich zeigt, dass Lakonie auch zynisch sein kann, was aber nichts mit Zypern zu tun hat, sondern auf das lateinische Cynicus zurückgeht und seit der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts die heutige Bedeutung der einer die Moral- und Wertvorstellungen missachtende Gesinnung, Unsauberkeit, Schamlosigkeit, Spottsucht beschreibt. Davor allerdings wurde zynisch auch, aber nur selten als ‘ärmlich essend, ohne Wein’ entlehnt, so dass es irgendwie auch mal was mit spartanisch zu tun hatte.)

A propos „Wein“: Weitaus mehr, als der stete Ausgleich der Hausherren und dabei natürlich vor allem der (dämliche) Gegentreffer in der letzten Minute, war der plötzliche Verlust der Spielkontrolle nach der ersten Führung zum Weinen, denn bis dahin dominierte nur die TSG, bis dahin lief der Ball kontrolliert und souverän in den eigenen Reihen.

Doch nachdem Hübner den Ball nach einem Eckball dergestalt in hoch beeindruckender Weise per Kopf ins Tor gewuchtet hatte, als ob der die gerechtfertigte Lobhudelei über ihn auf 11freunde.de zusätzlich rechtfertigen wollte, warum er für uns so wichtig ist, riss nicht das Netz der Gäste, sondern der Faden in unserem Spiel und nach und nach der der Geduld bei dem der TSG zugewandten Betrachter der Partie.

Dass man als solcher es lieber gesehen hätte, wäre das Ausgleichstor wegen Handspiels durch den Schiedsrichter nach Videobeweis nicht anerkannt worden, hätte man es noch lieber gesehen, wenn der Ball nicht so einfach vor Baumann hätte gespielt werden können bzw. dieser einfach die Bahnschranke macht, denn dann wäre da rein gar nichts passiert.

Und kaum lagen wir nicht mehr vorn, spielten wir wieder dahin. Ein ganz seltsames Spiel.

Natürlich lag das auch an den Hausherren, die uns das Spiel machen lassen wollten, um sich so die Chance zu eröffnen, ihrerseits Konter zu generieren statt in unsere zu laufen, aber offensichtlich schienen wir, wenn nicht damit überfordert, so doch zumindest davon überrascht.

Galdbach wohl auch von unserer Zögerlichkeit, weshalb sie wiederum ihrerseits ihre Taktik in der 2. Halbzeit änderten und auf einmal selbst aktiv wurden – und dies gleich so intensiv, dass uns dies ebenfalls, wenn nicht überforderte, so doch sehr überraschte. Allerdings klappte es dafür mit den Kontern umso besser. Aus dem ersten resultierte der Elfmeter zur zweiten Führung, aus dem zweiten die dritte.

Dummerweise klappte es mit dem dritten Konter nicht so gut, den Schulz fünf Zentimeterchen zu hoch abschloss, so dass der Ball von der Unterkante der Latte wieder ins Spiel zurücksprang. (In der 1. Halbzeit verzog auch Kramaric eine Riesenchance zum möglichen 2:0.)

So lagen die Gladbacher immer nur ein Törchen zurück und konnten noch dümmererweise durch einfache Fehler in unserer Defensive immer wieder ausgleichen, wobei natürlich der letzte Treffer besonders ärgerlich war, bei dem der Ball zuvor gefühlt die komplette Fünferlinie entlang rollte, ohne dass ihn einer wegdreschen konnte.

Am Ende gab es dann noch hüben wie drüben gute Gelegenheiten auch den jeweilig vierten Treffer zu erzielen, aber das wäre wirklich des Guten zu viel gewesen. Das Spiel war schon so unspartanisch genug – und zu spartanisch die Punkteausbeute. Bleibt nur lakonisch festzustellen:

„Jetz is rum!“

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