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Akademikerfanclub 1899 Hoffenheim Rhein-Neckar Heidelberg 2007 e. V.

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1899 Hoffenheim vs. FC Schalke 04

Glück auf – unserer Seite

Über Geiger, Modernität und ein geiles Spiel eines geilen Teams

Geht’s geiler?

Als Geiger Mitte der 2. Halbzeit in der Partie gegen den 1. FSV Mainz 05 auf den Platz kam, kam die Struktur zurück ins Spiel. Als bekannt wurde, dass uns Rudy ablösefrei gen Bayern verlässt, war jedem Experten klar, dass die TSG die 20 Millionen für Süle darauf verwenden nicht nur würden, sondern müssten, für unsere 6 einen adäquaten Ersatz zu finden, zumal wir ja diese Saison #DasErsteMal auf europäischer Bühne ranmussten, -durften. Schnell fiel da dann auch der Begriff, über den jede/r Alleinerziehende nur müde lächeln kann: Doppelbelastung.

Nachvollziehbar, schließlich kackten viele Mannschaften, die keine Best-Of-Zusammenstellungen diverser Nationalmannschaften Kader nennen, in der Vergangenheit im nationalen Brot-und-Butter-Geschäft ab, wenn sie international meist nur um die bestenfalls vergoldete Ananas spielten.

Ist doch so. Auch wenn die „Europa League“ fälschlicher- und irreführenderweise „EuroLeague“ genannt wird, geht es in dem Wettbewerb um vieles, aber nicht um viele Euro. Die gibt es nur in der Champions League zu gewinnen, für deren Play-Offs wir uns mit Rudy und Süle qualifiziert haben, es aber ohne sie zu Hause noch ganz bis ziemlich sehr gut gemacht, es aber an der Anfield Road 30 Minuten lang ziemlich völlig verkackt haben.

Auch da spielte Geiger schon mit – mit 19! – und machte seine Sache überaus ordentlich. Trotzdem: Das Transferfenster war noch offen, das Geld noch da, aber die TSG warf es nicht hinaus, sondern einen noch genaueren Blick auf das Juwel aus den eigenen Reihen und Gefilden.

Seit der D-Jugend ist er bei uns und nun schoss er uns um 15:43 Uhr mit seinem 1. Tor zum bereits 2. Mal in dieser Saison temporär an die Tabellenspitze. Da standen wir schon einmal, nachdem Wagner gegen Hertha dafür gesorgt hatte, dass die TSG zweimal an der Spitze steht in der Kategorie „Frühestes Bundesligator aller Zeiten“ – zum einen in Sachen Spieldauer (2015/16 benötigte Volland im Spiel gegen Bayern München dafür weniger als neun Sekunden), zum anderen in Sachen Uhrzeit (Wagners 1:0 beim Heimspiel letzte Woche fiel um 13:36 Uhr).

Den Platz an der Sonne hatten wir am vergangenen Sonntag eine Stunde zehn inne, nach Geigers Kopie des Führungstreffers der Mainzer vom letzten Mittwoch, den sie erzielten, als er noch auf der Bank saß, hielt es schon mehr als doppelt solange: genauer 167 Minuten, was vor allem der Tatsache geschuldet war, dass wir diesmal weniger doof waren als letztes Wochenende und nicht nur das, sondern wie bereits in Mainz auch sehr viel Glück hatten, das Spiel zu gewinnen, wenngleich es diesmal nicht am Treffer in der Nachspielzeit lag, auch wenn wir auch diesmal einen solchen erzielten. Der Verlust der Tabellenführung war also nicht dem eigenen Tun bzw. Tadel, sondern schlicht dem Anpfiff des Abendspiels geschuldet. Und so stehen wir nun am Ende der „Englischen Woche“, die wir auf Platz 5 begannen, auf Platz 2, wobei es nicht einmal der Deutsche Rekordmeister ist, der vor uns steht – also ganz und gar nicht da, wo uns all die Experten eben wegen der Ausfälle und der Doppel- und Dreifachbelastung ebenso wenig erwartet haben, wie dass wir einen Nachfolger von der Qualität Rudys ohne Zukauf, sondern schlicht mit Zu- und Vertrauen in die eigene Stärken und Qualitäten unserer eigenen Leute hervorbringen, was einiges aussagt – über uns, unsere Nachwuchsarbeit in die offensichtlich dazu in reziproker Relation stehende Kompetenz der … räusper … Experten.

Dass Fußball einer der, vielleicht sogar schlechthin der reaktionärste Bereich im öffentlichen Leben ist, dürfte jedem bewusst sein, der sich nur halbwegs aufmerksam für den Sport interessiert. Mag man ansonsten dem Fortschritt, der Weiterentwicklung in gesellschaftlichen Fragen wie Integration, Emanzipation und PPP (public private partnerships) aufgeschlossen sein bzw. jenes sogar vehement einfordern, wird all das im Fußball seit jeher mindestens so vehement abgelehnt.

Wir erinnern hier nur kurz an die Einführung der Trikotwerbung, dem Verkauf der Senderechte an private Anbieter, Frauen in führenden Positionen in Vereinen und über Fußball berichtende Medien, alles, glaubt man den Traditionalisten: Teufelswerk. Der Untergang des Volkssports.

Fakt ist: Nichts, von all dem, was befürchtet wurde, ist eingetreten. Im Gegenteil: Es hat sehr viel Gutes bewirkt. Es brachte den Vereinen mehr Geld, den Fans besseren Sport in besseren Stadien für die Vereine und den TV-Zuschauern die Gewissheit, auch ihren Verein in einer Zusammenfassung zu sehen. (Bei der Sportschau aus der Huberty-Ära waren es derer selten mehr als drei Partien – und wurden noch alle Spiele Samstag um 15:30 Uhr ausgetragen.)

Dann kamen wir – und wie immer wurde zuerst einmal befürchtet statt betrachtet, berichtet statt bedacht (und gedacht), weil man auf dem Status quo bestanden und nicht verstanden hatte, dass es (und) um den Nachwuchs und genau die Zukunft des Fußballs geht, was ja genau jene massig zu Tage (und mit Worten nach-)tretende hochkonservative Klientel eigentlich will: Identität mit der Stadt bzw. Region schaffen, Chancen für die Jugend eröffnen, gesellschaftliche Verantwortung übernehmen.

Statt dessen übernahm man seitens der Experten ein Horrorbild eines Kapitalismus-/Kommerzfußballs, wie es ihn in zumindest in Ansätzen in anderen Ländern geben mag, und versuchte ihn auf den dafür ungeeignetsten Club überhaupt zu projizieren: die TSG 1899 Hoffenheim, denn schließlich schaffen wir ja genau das Gewünschte:

  • Unser Stadion trägt den Namen unserer Heimat in sich,
  • unser Hauptsponsor ist ein Unternehmen aus der Region,
  • wir haben eine Nachwuchsarbeit, die sich um die Entwicklungen der Jugendlichen nicht nur auf, sondern vor allem auch außerhalb des Platzes nachhaltig kümmert und damit Verantwortung übernimmt, so dass auch die, für die anders als bei beispielsweise Süle und Geiger, Ochs und Amiri etc. mit dem Traum vom Profi-Fußballerleben nicht klappt, in anderen Vereinen oder Bereichen eine Perspektive für ihr weiteres Leben haben – und entsprechend ausgebildet sind, diese Perspektive zu erkennen und für sich optimal zu nutzen.

Ja, das ist jetzt viel gewesen und noch nichts zum Spiel, aber das musste jetzt einfach mal wieder raus, weil am Samstag die Gästefans sich nicht entblödeten, die üblich( öd)en Schmähgesänge gegen Herrn Hopp rauszuhauen, was gerade bei dem Verein besonders dämlich ist, wenn man bedenkt, wie sie ihren Verein finanzieren bzw. wessen lupenrein demokratischen Geldern sie ihr Stadion und überhaupt Existenz zu verdanken haben. Aber da sind sie ja bekanntlich nicht die einzigen, bei denen es keine kognitive Interaktion zwischen Aktion und Reflexion gibt.

Das war bei Zuber und Geiger vor dem Führungstreffer anders. (Ja, jetzt sind wir und bleiben beim Spiel.) Der Schweizer schaute, der Youngster auch und befolgte die Ansagen und Vorgaben seines Trainers, der ihn weiter vorne auf der Zehnerposition einsetzte, damit er dort seine Torgefährlichkeit auch in der Bundesliga unter Beweis stellen kann, denn immerhin erzielte er in der U19 2015/16 bei 22 Partien 21 Scorerpunkte (8 Treffer, 13 Vorlagen), 2016/17 in der U23 in 25 17 (5/12) – und nun also in seiner fünften Bundesligapartie seinen ersten.

Die Vor-Stellung Geigers war aber bei weitem nicht die einzige taktische Variante des Spiels, was kaum überraschend war, trafen da doch nicht nur zwei ehemalige TSG-Jugendtrainer, sondern auch die beiden jahrgangsbesten Trainerscheinabsolventen des Jahres 2016 aufeinander, die ihr Können in dem Spiel voll unter Beweis stellten – und auf der Pressekonferenz nach dem Spiel auch erklärten. So erklärte Julian Nagelsmann unter anderem:

Wir hatten eine gute Idee, wie wir gegen das 3-4-3 spielen wollen.

Wir hatten drei sehr gute Situationen, wo wir leider direkt gespielt haben in der roten Zone und nicht mit zwei Kontakten, wo wir dann die Außenstürmer in 1:1 bringen wollten.

In der 2. Halbzeit haben die Schalker die Sechser etwas breiter gezogen, die Halbräume von uns immer doppelt besetzt.

Wir haben die Worte verstanden, aber das Angesprochene so nicht gesehen (weil zu ahnungsfrei), dafür ein rasantes Spiel, bei dem wir dankenswerterweise auf einen Gegner trafen, der gewinnen wollte, sich also nicht hinten reinstellte und nur auf Konter wartete. Statt dessen war es fast von Anfang an ein klasse Spiel mit großem Kampf und großem körperlichen Einsatz. Der wurde insbesondere von den Gästen gesucht, und es spricht für unsere wieder einmal neukonzipierte Mannschaft, die ja ohne Bicakcic und Demirbay verletzungsbedingt hat (und leider auch noch eine Weile wird) auskommen müssen, dass sie ihn nicht nur annahm, sondern letztlich auch durch eine enorme Laufleistung für sich entschied. Gerade dieser Punkt ist besonders hervorzuheben, da dies die erste englische Woche für die Gäste war, für uns (fast) am Stück die vierte! (Ach ja – laut kicker.de war der Spieler mit der zweitgrößten Laufleistung (12,61 km) an diesem Spieltag ein gewisser Dennis Geiger. Platz 9: Andrej Kramaric – mit 12,14 km.)

„Trainingssteuerung“ war das Schlagwort, mit dem Julian Nagelsmann vor der Saison den Wortschatz der Sportjournalisten in Deutschland bereicherte und so langsam wird auch jedem klar, was damit gemeint ist, denn ganz gleich, welche Elf auf dem Platz steht, es ist immer ein TSG-Team, mit einer klaren Idee und einer klaren Ausrichtung mit klarer Zuordnung – und das, obwohl wir zwar auf den verschiedenen Positionen jeweils mehrere Spieler zur Auswahl haben, allerdings nicht auf demselben Niveau.

Das wurde besonders deutlich, nachdem Amiri verletzungsbedingt ausgewechselt werden musste. Für ihn kam Rupp, der wieder einmal zeigte, dass er noch nicht die Klasse hat wie vor seiner Verletzung. Und vielleicht ist er auch nicht der ideale Ergänzungsspieler, da er sich nicht sofort nahtlos in das Spiel integrieren konnte. Aber zum Glück wurde das und er ja immer besser … :-)

Auch bei Gnabry merkte man, dass ihm Spielpraxis fehlte. Mit ihr hätte er vielleicht zumindest eine seiner beiden guten Chancen zu einem Torerfolg nutzen können, aber ansonsten hat er seine Sache in der ersten Halbzeit ganz gut gemacht. In der zweiten ging nicht mehr viel für ihn, weshalb er dann auch recht früh für Wagner ausgewechselt wurde, der wiederum gewiss nicht froh darüber gewesen sein dürfte, dass er nicht in der Startelf war, aber es hat ihm nach dem intensiven Spiel am Mittwoch und der bevorstehenden Europa League-Partie in Rasgrad gewiss auch nicht geschadet.

Und obwohl unser Trainer wirklich sensationell gut rotiert, gibt es Positionen und Personen, die er dauerhaft spielen lässt, wohl auch, weil er muss und bei denen man die letzten Wochen deutlich anmerkt. Noch zwei Partien haben Vogt und Hübner zu überstehen, dann haben auch sie mal Pause. Waren Schludrigkeiten und Fehlpässe im Aufbauspiel bei ihnen in den ersten Begegnungen in dieser Spielzeit eine echte Rarität, sind sie inzwischen fast schon so etwas wie Konstanten, und gegen einen treffsichereren Gegner wie die Schalker könnte das sehr schnell sehr unangenehme Folgen in Form von Gegentoren haben. Dagegen wird Nordtveit zunehmend sicherer – und torgefährlicher. Er hatte die Führung bereits in der 10. Minute auf dem Kopf, aber leider der Gästekeeper noch seine linke Hand dran.

Die Führung fiel kurze Zeit darauf, aber diesmal nicht aus heiterem Himmel – und auch nicht nach einer Standardsituation. (Endlich (Mal wieder)) Ein schön herausgespielter Treffer, wie wir überhaupt in diesem Spiel recht viele Szenen sahen, die so einstudiert wirkten, wie man es sonst nur vom Handball oder Basketball kennt.

Doch nicht nur in der Offensive, auch defensiv war das Spiel der TSG überzeugend. In der 1. Halbzeit machten die Schalker zwar schon Druck, aber sie kamen nie gefährlich vors Tor.

In der zweiten war das anders. Mehrere Schüsse gingen mal knapp, mal knapper am Gehäuse von Oliver Baumann vorbei, einer sogar an die Latte, so dass wir uns nach 60, 70 Minuten über den Ausgleichstreffer nicht hätten beschweren können.

Doch andererseits gelang es unserem Team, immer wieder dagegenzuhalten. Die größere Offensive der Gäste eröffnete uns immer wieder Konterchancen, so dass wir gefährlich blieben. Leider aber spielten wir diese Chancen meist inkonsequent zu Ende, oder droschen den Ball, wenn wir mal zum Abschluss kamen, nur neben das Tor (Kaderabek) oder in die Maschen dahinter (Uth). Derselbe Spieler schoss den Ball auch noch an den Pfosten und ins Tor, allerdings hatte er im Moment der Ballabgabe nur einen Gegenspieler vor sich, so dass der Linienmann zu Recht auf Abseits entschied.

Als er zugegebenermaßen zu Unrecht in der Nachspielzeit auf Einwurf Hoffenheim entschied, ging es wieder einmal flott: Uth drosch den ihm zugeworfenen Ball hoch und quer tief in die gegnerische Hälfte. Der Gästekeeper, der in der 1. Halbzeit noch grandios gegen Nordtveit hielt, und just eine Minute zuvor bei der fünften Ecke für sein Team (Ecken Hoffenheim bei dem Spiel: null) einen Ausflug in den Strafraum seines Gegenüber unternahm, verließ erneut seine ihm das Handspiel gestattende Zone, um den Ball zu bekommen, bevor es der heranstürmende TSG-Stürmer tun würde. Doch weder Fährmann noch Rupp, der Ende der zweiten Hälfte der zweiten Hälfte voll auf Betriebstemperatur war und deutlich besser agierte als bis zum Pausenpfiff, trafen den Ball, nur der Gästekeeper unseren Stürmer, der sich allerdings dafür entschied, weiterzulaufen, den Ball unter Kontrolle zu bringen, was ihn doch etwas Mühe kostete, um ihn dann letztlich doch völlig souverän über die Linie zu schieben: 2:0.

Das 21. Bundesliga-Heimspiel der TSG ohne Niederlage.
Der beste Saisonstart aller Zeiten.
Das ist schon geil.
Das ist … unsere TSG.

Für sie geht es schon bald weiter – mit dem Flieger nach Warna, von da nach Rasgrad, wo sie dann am Donnerstag um 21.05 Uhr gegen Ludogrets antreten. (Live auf Sport1). Kurz vor 23 Uhr werden wir wissen, ob wir dann endlich auch #DasErsteMal in Europa gewonnen haben. Dann ist auch schon gleich Freitag und damit der Beginn des 7. Spieltages, bei dem wir zwei Tage später im Breisgau antreten dürfen, wo uns vielleicht nach dem 11. Spieltag in der Saison 2009/10 #DasZweiteMal ein Sieg glückt – und vielleicht auch ein neuer Rekord in Sachen „Frühestes Bundesligator aller Zeiten“, da das Spiel wieder um 13:30 Uhr beginnt …

Bei aller Affinität zur Modernität … Das finden wir nicht gut – weder die Uhrzeit an sich, noch dass wir diesen Termin haben, haben wir doch unterhalb der Woche auch die längste und beschwerlichste Europa-Tour zu managen … Aber so ist es halt. Und jammern ist eh nicht unser Ding. Wir jubeln lieber …

In diesem Sinne …

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