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Akademikerfanclub 1899 Hoffenheim Rhein-Neckar Heidelberg 2007 e. V.

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1. FC Köln vs. 1899 Hoffenheim

Blaue Wunder

Ein Spiel mit einigen Leckerbissen und Superlativen
(sowie einem einem Superar……)

Mit einem Sieg in die Länderspielpause ging die TSG schon lange nicht mehr. Wie kommt sie raus? Das beantwortete sich vermeintlich schnell, denn ins Spiel kam sie super rein: Erste Minute, erste Hereingabe, 1:0 durch Kramaric.

100%ige Chancenverwertung – passend zu den Feierlichkeiten „100 Jahre Müngersdorfer Stadion“, die die Kölner Fans in der Südkurve mit einer großen Show zelebrierten.

Auch der Sky-Kommentator des Spiels war diesbezüglich in Feierstimmung. Das Spiel begann, aber er war noch nicht fertig mit dem Vorlesen seiner Notizen, die er sich zu dem Anlass zusammengeklaut hatte. Aber nach rund einer halben Minute endete sein Monolog zu diesem Thema mit dem Verweis auf den Mann, der das Stadion ehedem einweihte. Abschließend sagte er noch: „Der Übergang von Konrad Adenauer zu Pavel Kaderabek fällt jetzt schwer.“

Das Akademikersofa fand das nicht. „Kommen beide über rechts,“ scherzten wir noch, aber die Pointe setzte Kramaric – mit dem bisher schnellsten Tor der Saison.

So schnell, dass ein Gutteil der rot-weißen Choreo dieses blaue Wunder gar nicht sah. Die TSG ging erstmals in der Saison in einem Pflichtspiel in Führung.

Ein schönes Gefühl, aber noch waren offiziell 89 Minuten zu spielen, was natürlich nervös machte. In der Vergangenheit ging die Mannschaft ja nicht immer so gut mit einer Führung um, und auch diesmal kam der Gegner fast im Gegenzug zum Ausgleich, doch Baumann hielt.

Freude und Furcht. Wer wird hier welches „blaue Wunder“ erleben?

Diese Gegensätzlichkeit zeigt sich auch im Farbreiz selbst, der wahrgenommen wird, wenn Licht mit einer spektralen Verteilung ins Auge fällt, bei der Wellenlängen im Intervall zwischen 460 und 490 nm dominieren, kurz: Blau (vom althochdeutschen blao für schimmernd, glänzend).

Vom melancholischen, traurigen Blau bis zum entspannten, sammelnden Blau gehen die Bedeutungen auseinander. Blau wirkt oft kühl und wird mit dem Himmel und dem Meer verbunden, mit großen Naturerlebnissen. Ein Stück weit wird Blau zu der Farbe des Unwirklichen, des Schemenhaften. Daher wird „blau“ auch oft mit Täuschung in Verbindung gebracht, weshalb die Farbe gerade zu Zeiten des Mittelalters als Farbe der Täuschung und Lüge verachtet wurde. Hierin soll auch der Ursprung der Redewendung „(s)ein blaues Wunder erleben“ liegen, da Zauberer ihre Tricks dadurch verheimlichen, indem sie einen blauen Dunst erzeugen, wodurch sie ihr Publikum ablenkten und ihre „magischen“ Aktionen durchführen konnten.

Das ist eine schöne Erklärung, doch Zauberfußball blieb erst einmal aus. Erst mal wurde Fußball auch weniger gespielt als gearbeitet – und das vor allem von den Hausherren. Sie rannten und rannten an, aber bei uns brannte nichts an.

Und nichts ein, was der Fall ist bei einer weiteren These zur Herkunft jener Redewendung. Sie geht zurück auf den weltgrößten Fundort für Kobalt-Erze im sächsischen Schneeberg, mit denen beispielsweise Kacheln oder Porzellan im Brennvorgang ihre blaue Farbe bekamen. Daher soll Kobalt als „blaues Wunder“ tituliert und dann später im Sprachgebrauch „ironisch“ verwendet worden sein. (Was daran jetzt ironisch ist, erschließt sich uns nicht.)

Definitiv Witzigeres und, um auf These 1 zurückzukommen, Magisches, dankenswerterweise ganz ohne Pyrodunst, weder blau noch rot-weiß, geschah nach fast einer halben Stunde:

Maxi Beier wollte einen Fehlpass der Gastgeber erlaufen, der Ex-Hoffenheimer Torwart der Hausherren spielte aber mit, klärte den Ball zurück in unsere Hälfte, wo ihn Grillitsch aufnahm und in bester Roberto Carlos-Manier, was den Bogen angeht, aus über 50 Metern in den Winkel des Kölner Tors, ja, man muss sagen: zirkelte. Das mit Abstand weiteste Tor der Saison.

OK, bei dem Brasilianer wäre der Ball direkt vom Fuß in den Maschen gelandet, beim Österreicher sprang er noch mal auf – und dann taten wir’s vom Sofa. Was für ein irres Tor. 2. Chance, 2. Tor. Immer noch passte der Prozentsatz unserer Chancenverwertung zur Jahreszahl des Jubiläums.

Besser ging es nicht – und mit dem Ergebnis auch in die Pause – und dann genau so weiter, denn es blieb bei den 100%.

3. Chance, 3. Tor für die TSG – und das 3. Tor von Maxi Beier – und sein bisher schönstes:
Sololauf auf den Gegnerspieler, der sich für einen Escortservice entscheidet, was unser Youngster eben nicht als Einladung zum Verweilen mit persönlichem Kontakt, sprich: Aus- versteht, sondern zum Nachinnenziehen versteht, das auch tut, draufhält und aus Sicht der TSG erneut das Spielgerät perfekt unter die Latte zirkelt.

Die Gastgeber erlebten wahrlich ihr blaues Wunder.

Sie müssen sich vorgekommen sein, wie die Färber, auf die die 3. Ursprungsthese der Redewendung zurückgeht: Diese färbten ihre Stoffe, die jedoch erst durch Oxidation ihre endgültige Färbung erhielten, was oftmals eine (böse) Überraschung war, wenn eben das Ergebnis nicht mit der Erwartung für den Aufwand, den man betrieb, übereinstimmte.

Unsere Gefühlwelt blieb der dem Blau innewohnenden Ambivalenz treu, was ja auch wiederum zu Blau passt, gilt es doch auch als Farbe der Treue, wie man sehr schön an den Klassikern der Kunst sehen kann. So ist die Jungfrau Maria sehr oft mit einer blauen Kopfbedeckung gekennzeichnet. Überhaupt stand im Christentum Blau als Farbe des Himmels schon immer mit dem Göttlichen, dem Überirdischen in Verbindung. Im Gegensatz zum irdischen, präsenten Rot symbolisiert Blau das Irreale. Und wenn das Spiel was war, dann das. 3 Chancen, 3 Tore und gerademal noch 30 Minuten zu spielen.

Der Anschlusstreffer der Gastgeber war mehr als verdient, aber auch maximal unnötig. Den Ball hätte man lange, bevor er durch Ollis Beine zischte, klären können. Diese Abwehrleistung war eigentlich sehr typisch für unser sehr blauäugiges Defensivverhalten.

Doch wir wollen uns hierüber nicht aufregen, denn wir sind blau – also im Sinne der Farbbedeutung: Blau steht für Sanftmut und repräsentiert gleichzeitig auch eine klare Besonnenheit, Objektivität, Neutralität und Klarheit, was dir, geneigte/r Leser/in, Vertrauen einflößen und ein Gefühl von Sicherheit vermitteln soll.

Wären wir das nicht, blau im eben genannten Sinne, eventuell gar im modernen Sprachgebrauchssinne, würden wir diesen Superar…Vollhonk von sky-Reporter … keine Ahnung, aber wo wir es gerade von Redewendungen haben … grün und blau schlagen? Natürlich nicht.

Das „Grün-und-Blau-schlagen“ geht übrigens auch auf die Färber zurück und ist eigentlich nicht ins klassische Arabische übersetzbar, da die alten Ägypter wie auch heute noch einige Naturvölker sprachlich nicht zwischen Blau und Grün unterscheiden.

Wir wissen nicht, welchen Escortservice man ihm hat angedeihen lassen oder welchen Grund er sonst hatte, dieses Spiel derart einseitig zu kommentieren, aber das war bei allem Verständnis für die Notwendigkeit, die Meinung zum Spiel auch etwas zu Gunsten der Mehrheit der Abonnenten auszurichten, ja fast schon eine Frechh … Sanftmut, Besonnenheit … Meisterleistung, den Eindruck zu erwecken, als hätte die TSG gar nicht stattgefunden.

Es wird nicht passieren, aber dem Mann am Mikro sollte sein Arbeitgeber einen blauen Brief zukommen lassen, wenn er einem schon das Blaue vom Himmel „erzählt“.

Ein herrlicher Hinweis, um auf den ältesten Beleg fürs „blaue Wunder“ zu kommen. Es stammt aus dem Jahr 1389: In einer mittelhochdeutschen Übersetzung der alttschechischen Chronik des Dalimil heißt es da:

„Si machtin in zeu einem torn vnd snitin im ab dy orn. Hor noch ein wundir plab‘. Si snitin im ouch dy nasin ab“.

Da wurden also die Feinde zu Toren gemacht und ihnen die Ohren abgeschnitten. Die Aussage, dass ihnen jedoch auch die Nasen abgeschnitten wurden, versieht der Übersetzer mit dem Hinweis an den Leser, es handele sich dabei um ein „Wunder blau“. Gemeint ist damit eine Lügengeschichte.

Die Wahrheit ist:

Ja, sie hat wenig gemacht. Aber wozu sollte sie es tun, war doch mit genau diesem Spiel der Kölner zu rechnen? Wir standen bei Offensivaktionen der Gastgeber gut. Unsere Defensive tat sich schwer mit dem Spielaufbau. Da schien der ein oder andere, zumindest was seine geistige Frische und körperliche Spannung angeht, blau zu machen. Da war viel zu viel Laissez-faire drin, aber dafür gab es letztlich trotz eines Eckenverhältnisses von 12:4 wenig „laissez-zu“ :-). Zumal wir ja noch mal unsererseits durch den eingewechselten Berisha sowie dem in dieser Saison wie ausgewechselt spielenden Kramaric zwei Riesenchancen hatten. So könnte man auch zu dem Schluss kommen, dass der Effzeh mit einem blauen Auge gegen die Teeëssgee davonkam.

Wäre aber auch nicht ganz richtig. Jedenfalls fühlt sich dieser Start nach der Länderspielpause richtig gut an. Darauf einen …

 

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