Borussia Mönchengladbach vs. 1899 Hoffenheim
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Weitere InformationenKein Leckerbissen ohne Burger
Viel Physis und etwas Physik
Es liegt einiges im Argen bei der TSG. Und einige im Lazarett: Wimmer, Hajdari, De Cat. Zuletzt lag die Mannschaft auch immer wieder in Rückstand, und wenn nicht, am Ende dennoch am Boden, aber heute? Heute liegen wir uns in den Armen.
Endlich mal wieder ein Sieg. 2:1 siegten wir bei der Mannschaft, der wir ihren letzten Bundesligasieg ermöglichten.
Zum Finale der letzten Saison gab es dort eine herbe und derbe 0:4-Klatsche. Diese störte damals nicht, weil wir sicher für die UEFA Europa League qualifiziert waren.
Heute hätte das andere Emotionen ausgelöst, denn wir lagen vor der Partie mit nur einem Sieg auf Platz 17. Und die Gastgeber sogar mit null Zählern ganz am Tabellenende.
Das gab uns Fans keine Sicherheit, denn wie so oft schon in der Vergangenheit und bereits auch in dieser Saison stellte sich die TSG immer wieder als prima Aufbaugegner dar: Paderborn hat bisher einen Sieg (gegen uns) und der HSV schoss seine ersten Tore in der Ferne bei uns und die reichten für deren bisher einzigen Auswärtssieg.
Umso größer war die Nervosität und die letztlich die Angst vor einem weiteren Nackenschlag, da wir ja weniger als 72 Stunden zuvor in der besagten UEFA Europa League eine Lehrstunde in puncto Konterfußball gegen Besiktas Istanbul erhielten und bereits zum vierten Male in der Saison mit 3:2 verloren.
Das geht natürlich physisch an die Substanz, aber natürlich auch psychisch. Und eine Sache ist es ja, wenn bei den Forenfans die Nerven blank liegen, bei der Mannschaft sollte dies nicht der Fall sein.
Da heißt es immer wieder, die Nerven zu bewahren und einfach cool zu bleiben. Vielleicht der entscheidende Grund für die größte Überraschung in der Startelfaufstellung: Burger war nicht dabei.
Ilzer brachte aber nicht nur einen Neuen. Nein, er wechselte die halbe Mannschaft aus, denn er nahm noch vier weitere Veränderungen zum letzten Spiel vor: Kramaric war wieder erstmal draußen wie auch Kabak, ebenfalls wohl latent lädiert, sowie Daghim. Bernardo musste er draußen lassen, weil gesperrt. Statt ihrer begannen Hranac, Rots, Conté, Lemperle und Prass die letzte Partie nicht nur des Spieltags, sondern auch vor der ersten Eruption der Negativemotionen.
Schon jetzt gab es ja die ersten Forenfans, die sich an der Formulierung der Trainerfrage versuchten, was ja aber wie so oft nicht der Lösung des Problems dienen sollte, sondern der Befriedigung des Narzissmus.
Letzteres ist aber nicht nur ein Phänomen, das man bei Forenfans beobachten kann. Es gibt auch viele andere Menschen, ja, auch Trainer, die sich selbst wichtiger nehmen als den Erfolg ihres Teams. Doch unser Trainer heißt Christian Ilzer, dem es ja gewiss nicht an Selbstvertrauen und -überzeugung mangelt, aber eben nicht z. B. José Mourinho.
Ihm ist es mit Sicherheit absolut wichtig, dass er sich selbst einen Namen in der Bundesliga macht, der ihn für seine Zeit nach Hoffenheim zu einem heißen Kandidaten bei einem anderen, geben wir’s zu: größeren Verein qualifiziert. Und wenn es ihm bei seiner Arbeit bzw. in der Darstellung derselben nur bedingt gelingt, die Aura von Herzblut und maximaler Identifikation zu vermitteln, vermittelt er immer(hin) absolut glaubwürdig den Eindruck, dass er dasselbe will wie alle: gewinnen – und so blieb uns letztlich auch nichts anderes übrig, als darauf zu setzen, dass er mehr Einblicke hat, mehr Informationen, dass er also mehr weiß als wir und diese Veränderungen ihre Richtigkeit haben werden. Sie hatten es.
Gerade die Herausnahme von Burger schien der TSG gut getan zu haben. Nicht der Ansehnlichkeit, nicht der Dynamik, nicht der Intensität, aber unserem Spiel. Es war deutlich bedächtiger. Es war deutlich mehr Hinnerumgespiele. Es war deutlich langsamer. Oder positiv betrachtet: Es war deutlich kontrollierter.
Seine Körperlichkeit übernahm nach acht Sekunden in der ersten Szene des Spiels Machida, der seinen Gegenspieler mit Blick auf den Ball im ersten Kopfballduell des Spiels unabsichtlich mit dem Ellenbogen am Auge traf, so dass dieser eine kleine Platzwunde an der Braue davontrug. Der Schiedsrichter bewertete diese Aktion nicht und auch der VAR sah keinen Grund einzugreifen, was er ja nur dann hätte tun können, wenn er der Meinung gewesen wäre, dass ein Platzverweis erwägenswert wäre. Immerhin rann da etwas Blut. Aber das war auch das einzig Rote an dieser Aktion.
Und wie gut, dass Machida weiterspielen durfte, denn kurze Zeit darauf blockte er einen Schuss der Hausherren in der allerletzten Sekunde.
Nach diesen turbulenten Anfangsminuten wurde es aber insgesamt ruhiger. Es blieb zerfahren, was aber natürlich der jeweiligen Tabellensituation beider Teams zuzurechnen war, zum einen, zum anderen vieler kleiner technischer Fehler der Spieler, insbesondere der unseren, bei Ballannahmen und Zuspielen. Aber einmal klappte es. Und dieses direkte Spiel reichte für die über mehrere Stationen wunderschön herausgespielte 1:0-Führung durch Conté nach Zuspiel von Prass.
2 der 5 Neuen der Start-11. Alles richtig gemacht, der Ilzer.
In diesen Momenten zeigte sich das Fehlen von Burger besonders. Unser Spiel blieb langsam. Statt der offensiven Brechstange wählte man meist den kontrollierten Rückpass. Dabei geriet man zwar immer wieder in kleinere, unnötige Schwulitäten, aber diese ließen sich alle beheben – und sei es durch Wegdreschen der Kugel gewesen.
Ja, schön ist was anderes, aber so ein 1:0 auf der Anzeigetafel ist ja auch nicht hässlich. Ein 2:0 hätte mehr beruhigt. Die Chancen dazu waren da, genutzt wurden sie nicht – auch nicht nur Asllani, dessen Freistoß aus 17 Metern kurz vor der Halbzeit nur die Latte traf.
Hach, wäre Prass doch nur einen Meter später oder drei, vier Meter früher gelegt worden. Beides hätte unsere Chance auf ein Tor deutlich erhöht. Bei einem Elfmeter ist die Situation klar. Bei einem Freistoß aus 17 Metern ist das Problem, dass der Ball nach dem Überfliegen der Mauer deutlich weniger Flugzeit und Strecke, um durch Schwerkraft und Magnus-Effekt wieder nach unten zu kommen. Oder anders gesagt:

Dabei ist:
y = Höhe des Balls
x = horizontale Entfernung
θ = Abflugwinkel
vo = Anfangsgeschwindigkeit
g ≈ 9,81 m/s2
Randbedingungen:
-
- An der Mauer ((x = 91,5m): y (9,15) > hMauer (ca. 1,85-2,00m)
- Am Tor (x = D): 0 <y(D) <2,44 m
Je kleiner ist, desto enger wird der erlaubte Winkelbereich θ . Zudem muss man berücksichtigen, dass der Ball drei Kräften (Schwerkraft, Luftwiderstand und Magnus-Kraft) unterliegt. Bei kürzerer Distanz bleibt hinter der Mauer weniger Strecke und Zeit, in der der Magnus-Effekt und die Schwerkraft den Ball wieder nach unten bringen können. Der zulässige Parameterraum (Winkel + Geschwindigkeit + Spin) wird dadurch deutlich kleiner. Zudem entscheidet schon eine Abweichung von ca. 1°, ob der Ball in der Mauer landet oder über die Latte fliegt. Bei uns ging er an die Latte.
Und damit ging’s verdient mit einer 1:0-Führung in die Pause.
Aus ihr kamen wir unverändert – und auch die Gastgeber: personell zumindest. Physisch legten die Borussen einen Zahn zu – und kamen urplötzlich und mit Ansage zum Ausgleich. Eigentlich war das keine gefährliche Situation, aber die Hausherren nutzten die Räume, die wir ihnen plötzlich boten, zuletzt Avdullahu, der seinen Gegenspieler einfach nicht angriff, sodass der den Ball lang ins Eck schlenzen konnte.
Das fing mal gar nicht gut an, aber wir fingen uns dann doch wieder – und hielten dagegen. Insbesondere Lemperle, der sich vorne kaum in Szene setzen konnte, machte ein grandioses Spiel als Wand- und Zweikampfspieler. Er spitzelte den Angreifern des Gegners so machen ball von hinten weg und auch in der Ballbehauptung stellte er seine Gegenspieler sowie deren Trikots vor so manche Zerreißprobe.
Fünf Minuten, nachdem die Borussen den Ausgleich hergestellte hatten, stellte sich Lemperle wieder einmal zwischen Ball und Gegner, behauptete ersteren gegen zweiteren, auf Conté, der nach innen, wo Hlozek den Ball elegant auf Prass weiterleitete, der dann mit Wucht und Verve einnetzte.
3 der 5 Neuen der Start-11. Alles richtig gemacht, der Ilzer.
Die erneute Führung gab unserem Spiel zusätzliche Ruhe. Keine Souveränität, aber Selbstvertrauen und die Gewissheit, sich auch einmal als Team schnell von so einem Nackenschlag erholen zu können.
Was dem Team nicht gelang, war die Ruhe auch ergebnistechnisch zu manifestieren. Eine 2:1-Führung kannten wir schon aus der Saison, aber meist wurde daraus noch eine 3:2-Niederlage. Doch das 3. Tor wollte uns einfach trotz bester Chancen nicht gelingen. Insbesondere Hlozek scheiterte immer wieder am Keeper der Fohlen.
Doch letzten Endes reichte es. Und wir hatten am Ende Recht mit unserer Vor-Spiel-Vermutung, dass das Spiel kein Kunstwerk würde …

Aber es war mehr als Deko: Jetzt haben wir nach sechs Spielen 6 Punkte und konnten uns um drei Plätze verbessern. Platz 14 ist nun auch kein Lichtblick, aber ein Fortschritt. Und wir sind wieder auf Tuchfühlung mit dem großen vor uns liegenden Rest.

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