1899 Hoffenheim vs. Olympique Lyonnais
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Weitere InformationenNr. 1
Coufal statt Zufall – u.v.a.m.
Da ist er: Sieg Nr. 1 in der diesjährigen UEFA Europa League. Der erste Zu-Null-Sieg seit Ligastart. (Für die Schlauis: Die erste Runde im DFB-Pokal fand vor dem Ligastart statt.) Die erste weiße Weste für Oli Baumann. Und das gegen die aktuelle Nr. 1 in der Ligue 1! (Die steht aktuell wegen ihres um drei Tore besseren Torverhältnisses vor Europas Nr. 1, gegen die sie am Wochenende ranmuss.)
Der Gegner startete mit zwei Siegen in diesen Wettbewerb, wir bekanntlich mit zwei Niederlagen. Es war also vor dem Spiel klar, worum es bei diesem Spiel geht.

Die Frage, die sich so ein Akademiker natürlich in dem Zusammenhang stellt, ist: Um welche Wurst geht es genau?
Und die Frage scheint sehr schwer zu beantworten, denn in Deutschland gibt es über 1.500 verschiedene Wurstsorten, während es in Frankreich schätzungsweise mehrere Hundert traditionelle Charcuterie- und Wurstsorten gibt (je nach Kategorisierung und regionalen Varianten).
Und während die deutsche Wurstkultur sehr stark von Brüh- und Kochwürsten sowie Frischwürsten geprägt ist, stehen in Frankreich luftgetrocknete Rohwürste, Terrinen und Kochschinken im Mittelpunkt der Charcuterie.
In der Tabelle der Beliebtheit in den jeweiligen Ländern gibt es große Unterschiede, aber auch überraschende Gemeinsamkeiten.
Platz 10:
Blutwurst: Traditionelle Kochwurst, regional sehr geschätzt (z. B. als Flönz).
Boudin Noir: Französische Blutwurst, häufig mit gebratenen Apfelscheiben serviert.
Platz 9:
Weißwurst: Der bayerische Frühschoppen-Klassiker mit süßem Senf.
Andouille / Andouillette: Traditionelle Innereienwurst mit sehr charakteristischem Aroma.
Platz 8:
Kochschinken: Ein dauerhafter Favorit an der Wursttheke.
Saucisse de Morteau / Montbéliard: Geräucherte Rohwürste aus der Franche-Comté.
Platz 7:
Leberwurst: Der verbreitetste Streichwurst-Klassiker (grob oder fein).
Rillettes: Im eigenen Fett langsam gegartes, gezupftes Fleisch zum Bestreichen.
Platz 6:
Wiener / Frankfurter Würstchen: Der schnelle Snack für zwischendurch oder zu Kartoffelsalat.
Pâté de Campagne: Traditionelle grobe Landpastete aus Schweinefleisch.
Platz 5:
Jagdwurst: Beliebter Aufschnittklassiker aus Schweinefleisch und Gewürzen.
Chipolata: Die feine französische Grillwurst für den Sommer.
Platz 4:
Fleischkäse / Leberkäse: Vor allem in Süddeutschland warm im Brötchen oder gebraten beliebt.
Merguez: Würzige, leicht scharfe Rind- oder Lammwurst aus dem maghrebinischen Einfluss.
Platz 3:
Bratwurst: Von Thüringer bis Nürnberger – der absolute Favorit vom Grill.
Saucisse de Toulouse: Grobe, frische Bratwurst, unentbehrlich für das traditionelle Cassoulet.
Platz 2:
Salami: Beliebt als Brotbelag, Pizza-Belag und Rohwurst-Snack.
Jambon de Paris: Gekochter Schinken, der Grundbaustein des Croque Monsieur.
Platz 1:
Lyoner: Die Fleischwurst ist der unangefochtene Klassiker auf Wurstbrot und im Wurstsalat.
Saucisson Sec: Die klassische französische luftgetrocknete Dauerwurst.
Es ging also wahrlich um DIE Wurst. 🙂
Die Lyoner ist das für Linguisten neben dem Fleischkäse lustigste Produkt, das man in einer Metzgerei kaufen kann. Während Platz 4 nach Oxymoron klingt (Fleisch & Käse, wobei Käse hier nicht Käse meint, sondern sich vom mittelhochdeutschen Wort für einen kompakten Laib [„Käs“] ableitet), ist eine Lyoner ein Hendiadyoin (Fleisch & Wurst).
In Frankreich heißt sie Cervelas. C’est la vie …
Whatever … zurück zum Spiel.
Beide Teams haben ihre Startaufstellungen für die Partie im Vergleich zur Partie am Wochenende in ihren Ligen gut durchgemischt. Aber während Ilzer nur wenige Zutaten änderte (Kabak, Daghim sowie Kramaric für Machida, Asllani und Hlozek), drehte Fonseca (nicht verwandt oder verschwägert mit der gleichnamigen Beratungsagentur, die durch die Panama-Papers bekannt wurde) sein Team nochmal gut durch den Wolf. Er veränderte sie auf sechs Positionen, was gewiss einerseits dem kommenden Ligaspiel gegen PSG geschuldet war, aber gewiss auch der Hybris, hier eine Pflichtaufgabe vor sich zu haben gegen einen Gegner aus Topf D, der sich vergangenes Wochenende als Tabellen-17. zwar verdient, aber letztlich nur mit Müh und Not gegen den Tabellen-18. durchgesetzt hat.
Je vous en prie.
Ich bitte Sie!
Diese Überheblichkeit, die uns in dieser Saison auch schon auf die Füße fiel, hatten wir wohl antizipiert – oder hatten uns selbst von dem Gedanken emanzipiert, dass es 2026/27 so laufen wird wie 2025/26, jedenfalls gingen wir von Anfang an sehr konzentriert und hochmotiviert zu Werke – und das Glück ist mit den Tüchtigen, denn die erste Riesenchance hatten die Gäste. Doch wir hatten Oli.
Danach entwickelte sich ein munterer Kick, der erstmals in dieser Saison auch viele Elemente von FußballSPIEL enthielt. Das war schon sehr schön anzusehen, aber nicht nur gefällig, sondern auch gefährlich. Ein Tor wollte aber trotzdem nicht fallen.
Und so gut auch unsere Chancen waren, die nächste 100%ige hatten die Gäste. Aber wir hatten immer noch Oli.
8 Minuten Nachspielzeit gab es in der ersten Halbzeit aufgrund einer schweren Verletzung eines Spielers der Gäste, der nach einem Luftkampf sehr unglücklich auf seine Wirbelsäule knallte und sich nach der harten Landung nicht mehr bewegte.
Angeblich ging es ihm aber „den Umständen entsprechend gut“. Wir befürchteten Schlimmeres – und scheinen – Stand jetzt und dankenswerterweise – mit unserer Befürchtung auch in dem Punkt danebenzuliegen.
So wirklich glaubten wir ja nicht, dass wir nach 45 Minuten noch kein Tor kassierten …
Diese Phase war es, die den bis dahin etwas verloren auf dem Platz wirkenden Kramaric zum Matchwinner machte. Sein Kopfballheber ins lange Eck brachte uns die alles andere als unverdiente 1:0-Führung.
Nach dem Seitenwechsel war davon auszugehen, dass der Tabellenführer aus Frankreichs „Surmaison“ die Partie jetzt anders angehen und ernst machen würde. Der Trainer schien viel zu besprechen zu haben, denn die Gäste kamen sehr spät aus der Pause, aber sehr gewillt, das Spiel zu drehen.
Wir aber ebenso gewillt, das nicht zuzulassen.
Vive la chance.
2:0. Daghim schloss den ersten Angriff unseres Teams nach wunderbarer Vorlage von Kramaric auf kleinstem Raum gleich mit einem Tor ab. Das war insgesamt überraschend, aber es zeigte, dass wir elf Väter Courage auf dem Platz hatten.
Wir agierten weiterhin sehr laufstark. Was Coufal, aber auch Prass, Lemperle, Rots, Avdullahu, Conté, Daghim an Kilometern abspulten – und in was für einem Tempo – war à la bonheur. Der Krampf Daghims nach weniger als 60 Minuten war Ausdruck dessen. Nach 61 Minuten wurden er und Coufal ausgewechselt und durch Burger und Gendrey nahtlos ersetzt, kurz darauf machte Conté für Hlozek Platz. Und keine weiteren zehn Minuten später erschöpfte Ilzer sein Wechselkontingent und brachte Machida für Rots sowie Asllani für Lemperle.
Auf dem Platz veränderte sich dadurch wenig. Alle Spieler hielten ihre Positionen, verschoben gemeinsam, pressten gemeinsam und hielten den Gegner größtenteils vom eigenen Strafraum fern, während wir selbst immer wieder vor dem Tor der Gäste auftauchten und so deutlich signalisierten, dass wir diesmal die 2:0-Führung NICHT verspielen würden.
Und die Gefahr bestand, immerhin war die Nr. 1 der Ligue 1 zu Gast, die ihren Platz an der Spitze ja nur ihrem Torverhältnis von 13:5 zu verdanken hatte. Doch während wir stets befürchteten, dass OL irgendwann mal den Turbo zünden würde, gaben wir weiter Vollgas. Unsere Spieler waren sich wohl gewahr, dass der Gegner keine Force de Frappe darstellte – eher eine force d’attrappe – und nutzten das aus.
3:0. Hlozek. Jetzt waren auch die größten Angsthasen beruhigt. 83. Minute. Das wird klappen – und es tat es auch.
Ja, geneigte/r Leser/in, wir kennen den Unterschied zwischen logischer Abfolge („Kausalität“) und zufälligem Zusammenhang („Korrelation“), aber trotzdem ist es doch auffällig, dass wir die Spiele, in denen wir zwei Tore schießen, verlieren, während wir in den Partien, bei denen wir mehr als zwei Tore erzielen, nicht einmal einen Gegentreffer kassieren. Und natürlich ist das nur eine Momentaufnahme, aber sie ist schön – und genau deshalb feiern wir sie.
Und auch wenn wir womöglich Glück hatten, dass Lyon am Wochenende gegen PSG spielt und der Trainer der Gäste seine Équipe B aufstellte, ist es dennoch kein Zufall, dass wir mit einer ebenfalls veränderten Startaufstellung diese Partie verdient gewonnen haben. Weil so ein Fußballspiel oftmals weniger eine Frage der Auf- als eine der Einstellung ist.
Unsere Mannschaft wusste, worum es geht. Und so ging sie es auch an. Im Gegensatz zu den ganzen wehklagenden und -leidigen (Foren-)Fans war ihr dieses Spiel alles andere als (Fleisch-)Wurst.
Mahlzeit!

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