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Akademikerfanclub 1899 Hoffenheim Rhein-Neckar Heidelberg 2007 e. V.

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1899 Hoffenheim vs. SC Freiburg

Prädikat? Wertvoll.

Die Herausforderung der Syntax

Was war das für ein Spiel? Super war’s. Dazu dürfte es an sich keine zwei Meinungen geben. Unterschiede in der Beurteilung dürften sich, wie so oft im Leben, lediglich aus der Perspektive ergeben.

Das ist ein sehr schönes Beispiel. Es verdeutlicht die obige Aussage und kommt dabei ganz ohne Worte aus. Wie kommt man aber dennoch zur Wahrheit? Braucht es dafür eine vollständige Gesamtbetrachtung der Ist-Situation oder reicht ein einfacher Seitenwechsel

Wir denken, dass es eine größere Analyse braucht. Sie wird zu einem Ergebnis führen, das mehrere Erkenntnisse in sich birgt. Bei der Analyse ist es dabei auch wichtig zu erkennen, welche Struktur dem Ganzen hätte zugrundeliegen müssen und welche es wirklich tat, denn beides hat seine Auswirkungen nicht nur darauf, ob das Ergebnis perfekt ist oder „nur“ verständlich, sondern ob man überhaupt dazu in der Lage ist, dieses Thema in seine Einzelteile zu zerlegen und wieder so zusammenzubauen, dass es bei aller innewohnenden Komplexität auf Empfangsseite als völlig klar und leicht daherkommt, klarer und leichter, als man sich das je hätte träumen lassen oder es einem bewusst wird bzw. ist.

Und der obige Absatz macht genau das bewusst. Man muss den Dreh- und Angelpunkt finden. Das ist das Prädikat. Das ist in simplen, meist kurzen Phasen, Blöcken, Einheiten schnell und einfach richtig positioniert. Dann kommt es auf die Verknüpfungen an, die Elemente, die diese Phasen, Blöcke, Einheiten miteinander verbinden, denn die führen zwangsläufig zu Positionswechseln. Es geht um Koordination und Subordination, und das alles macht im Zusammenspiel ein höheres Verständnis und damit Anpassungen an das Grundsystem des Ganzen nötig. Kurz: Es geht um die Syntax.

Natürlich geht es auch ums Tun. Aber dazu braucht es manchmal zwei. Oder gar drei. Und da hat dann jedes Element, obwohl gleich, eine ganz andere Funktion, die sich aus der Situation heraus bildet. Das hängt zum einen von dem ab, der was tut, sowie von dem, was er tut, als welche Funktion innerhalb der Konstruktion dem Tun(wort) zukommt und dem sich das Tun(wort) zu beugen hat. Das ist das Prädikat.

Wie gesagt, in einfachen Strukturen (Hauptsatz) ist seine Position klar: Es kommt im Kern immer als Zweites. Hat es in seiner Gesamtheit aber noch etwas Einleitendes, folgt das am Ende. Wenn es dabei aber nicht vollwertig ist, steht an dessen Ende das Eigentliche. In komplexeren Strukturen kann es dabei durch Verbindungen (Konjunktionen) zu Subordinationen (Nebensätzen) kommen, in denen das Prädikat am Ende kommt, sich wieder verbindet oder dem eigentlichen Tun folgt. Und je nach Zeitpunkt kann es dabei in seltenen Fällen auch dazu führen, dass es wiederum vor zwei Formen des Tuns steht, wobei beide Formen identisch aussehen, aber nicht sind.

All das klingt furchtbar theoretisch, und dein Vorteil, geneigte/r Leser/in ist, dass du, auch wenn du vielleicht gerade gar nichts verstehst, das alles intuitiv weißt. Menschen, die des Deutschen nicht mächtig sind, müssen das aber so lernen.

Beispiel:

  • Der Schiedsrichter pfiff das Spiel wegen einer idiotischen Pyroaktion der Gästefans mit etwas Verzögerung an.
  • Das Spiel pfiff der Schiedsrichter wegen einer idiotischen Pyroaktion der Gästefans mit etwas Verzögerung an.
  • Wegen einer idiotischen Pyroaktion der Gästefans pfiff der Schiedsrichter das Spiel mit etwas Verzögerung an.
  • Mit etwas Verzögerung pfiff der Schiedsrichter das Spiel wegen einer idiotischen Pyroaktion der Gästefans an.

Das ist eine solche einfache Struktur: ein Hauptsatz – bestehend aus einem Subjekt („Der Schiedsrichter“), einem Objekt („das Spiel“) einer adverbialen Bestimmung des Grunds („wegen einer idiotischen Pyroaktion der Gästefans“), einer adverbialen Bestimmung der Zeit („mit etwas Verzögerung“) sowie einem Vollverb mit abtrennbarer Vorsilbe („abtrennen“), welches hier, da es sich um ein angeschlossenes Ereignis in der Vergangenheit handelt, im Imperfekt gemäß dem Subjekt in der Form der 3. Person Singular konjugiert wurde, woraus sich das Prädikat ergibt („pfiff … an“).

Nun benutzen wir Deutschen in sehr vielen Fällen Imperfekt und Perfekt gleichwertig. Das Perfekt kann jedoch nicht aus sich selbst herausgebildet werden. Es benötigt eine konjugierte Form von „haben“ oder „sein“ plus dem Partizip Perfekt, welches sich bei so genannten schwachen Verben bildet aus „ge+Verbstamm+t“ (man nennt sie auch genau deshalb „schwach“, weil sie sich an ein „t“ anlehnen müssen (im Imperfekt ist es „Verbstamm+te+subjektbezogenes Suffix“)). So genannte starke Verben verändern (meist) den Vokal in ihrer Stammform („pfeif“) – sowohl in ihrer Imperfektform („pfiff“) als auch im Partizip Perfekt, die dann oft zwischen „ge“ und „t“ platziert wird.

Nehmen wir obiges Beispiel:

  • Der Schiedsrichter hat das Spiel wegen einer idiotischen Pyroaktion der Gästefans mit etwas Verzögerung angepfiffen.
  • Das Spiel hat der Schiedsrichter wegen einer idiotischen Pyroaktion der Gästefans mit etwas Verzögerung angepfiffen.
  • Wegen einer idiotischen Pyroaktion der Gästefans hat der Schiedsrichter das Spiel mit etwas Verzögerung angepfiffen.
  • Mit etwas Verzögerung hat der Schiedsrichter das Spiel wegen einer idiotischen Pyroaktion der Gästefans angepfiffen.

Hier wurde nun „haben“ konjugiert. Damit ist nun dies das Prädikat und steht „hat“ immer an zweiter Stelle. Im Hauptsatz.

In einem Nebensatz stünde es fast immer an letzter Stelle. Einen Nebensatz gibt es in gutem Deutsch nie alleinstehend. Außer aus rhetorischen oder stilistischen Gründen. Weil es das mal braucht. 🙂

Ein Nebensatz steht also immer bei einem Hauptsatz und er braucht immer eine unterordnenden Verbindung (subordinierende Konjunktion, z. B. „weil“, „wenn“, „als“, „falls“, „dass“, „ob“, „indem“, „bevor“, „während“ oder ein Relativpronomen).

  • Es stimmt, dass der Schiedsrichter das Spiel wegen einer idiotischen Pyroaktion der Gästefans mit etwas Verzögerung anpfiff. / … angepfiffen hat.
  • Es stimmt, dass das Spiel hat der Schiedsrichter wegen einer idiotischen Pyroaktion der Gästefans mit etwas Verzögerung anpfiff. / … angepfiffen hat.
  • Es stimmt, dass wegen einer idiotischen Pyroaktion der Gästefans hat der Schiedsrichter das Spiel mit etwas Verzögerung anpfiff. / … angepfiffen hat.
  • Es stimmt, dass mit etwas Verzögerung hat der Schiedsrichter das Spiel wegen einer idiotischen Pyroaktion der Gästefans anpfiff. / … angepfiffen hat.

Ja, das liest sich teilweise befremdlich, aber es ist grammatikalisch korrekt.

Nach 30 Minuten konnte man den Spielausgang so nicht erahnen.

Das Prädikat ist die Imperfektform des Hilfs-/Modalverbs „können“. Das Vollverb („erahnen“), also das Was, steht am Ende des Hauptsatzes.

In der Perfektform ergibt sich hier aber eine Änderung, denn hier erscheint nach dem Vollverb kein Perfektpartizip („gekonnt“), sondern ebenfalls die Grundform („können“).

Im Nebensatz ändert sich im Falle des Imperfekts strukturell nichts. Das Prädikat rutscht ganz ans Ende:

Es stimmt, dass man nach 30 Minuten den Spielausgang so nicht erahnen konnte.

Anders sieht es im Perfekt aus. Da steht das Prädikat eben nicht am Ende, sondern vor den beiden Infinitivformen:

Es stimmt, dass man nach 30 Minuten den Spielausgang so nicht hat erahnen können.

All das weißt und kannst du, geneigte/r Leser/in, sozusagen von Natur aus. Genauer wächst du damit auf und in ein solches System hinein.

Und falls du dich für den musikalischen Satzbau interessierst, möchten wir die das einleitende Video sehr nahelegen. Es ist eben nicht plastic, dafür sehr fantastic

Wie eingangs erwähnt: Der Schiedsrichter pfiff das Spiel wegen einer idiotischen Pyroaktion der Gästefans mit etwas Verzögerung an.

Wir haben Lust.
Wir spielen Fußball.
Wir rennen über die Wiese.
Ich gebe meinem Freund den Ball.
Mein Freund gibt den Ball seinem Freund.
Wir sind Freunde.
Wir rennen alle über die Wiese.
Wir geben uns ganz oft die Bälle.
Wir spielen gut.
Wir rennen viel.
Kein Ball verspringt.
Jeder Ball kommt an.
Unser Spiel kommt an.
Wir haben Spaß.
Die Fans haben Spaß.
Wir schießen mit dem Ball.
Aufs Tor schießen wir mit dem Ball.
Wir schießen ein Tor.
Der Schiedsrichter pfeift Abseits.

So einfach diese Sätze, so einfach war auch unser Spiel. Und das nicht nur in den ersten fünf Minuten. Und das Prädikat, der Dreh- und Angelpunkt steht immer an zweiter Stelle. Und unser Dreh- und Angelpunkt war Grillitsch. Er verteilte die Bälle ganz wunderbar. Mal wurde auf die Außen gespielt, mal scharf in die Spitze, ganz selten auch mal nach hinten, aber auch nur um sie dann sofort lang zu spielen. Es war ein phantastisch anzuschauendes Kombinationsspiel, das unsere Mannschaft da aufzog, welches wir mit großer Freude aufsogen in unseren längst mit Schweiß aufgesogenen Hemden, T- oder Poloshirts. Es war einfach irre schwül, und die Trinkpause kam den Spielern gewiss sehr gelegen. Unserem Spiel nicht.

Der folgende Block soll sprachlich nachzeichnen, was auf dem Feld geschah:

Danach verloren wir so nach und nach die Kontrolle. Vielleicht wollten virtuos wir werden. Auch die Zuordnung war so klar plötzlich nicht mehr. Es kam zu seltsam zu seltsamen der Spieler Zuordnungen, die zwar einen Sinn ergaben, noch, aber gut und klar waren nicht sie. Sondern? Nichs sondern, nur wundern. Egal, wie krumm wir uns machten, wir waren im Spiel in der Abwehr gerade chaotisch immer mehr. Es kam

zu

immer größer

 

werdenden

 

 

Lücken und durch eine Verkettung dumme zum eigen Gegentor.

Die Führung der Gäste fiel aus sprachlich heiterem Himmel, während der wahre immer grauer wurde und mehr und mehr Unheil zu verkünden schien, was sich leider als Stimmung auch auf Rasen und Ränge übertrug.

Es ging nichts mehr. Auch nicht nach vorn. Und als ob die Trinkpause an sich nicht schon genug Unheil angerichtet hätte, sorgte sie auch für eine Nachspielzeit, in der die Gäste noch mehr Unheil anrichteten. Sie erhöhten auf 0:2.

Zum Glück konnten wir fünf Minuten nach Wiederanpfiff den Anschlusstreffer erzielen. Damit war natürlich die Hoffnung auf eine große Aufholjagd geweckt. Vogt ersetzte den bis zu seinem Eigentor eigentlich recht souverän, aber spätestens nach seinem Fauxpas hyperengagiert und dadurch immer fehlerhafter spielenden Szalai, doch auch er brachte keine Stabilität in die letzte Reihe.

Zudem gelang es den Gästen, unser Aufbauspiel im Keime zu ersticken, wobei ihnen da auch das Wetter half, denn der in der 1. Hälfte noch stark spielende Grillitsch, aber auch Stiller; Bebou und Kaderabek ging in der 2. Hälfte die Puste, Prömel und Bülter die Ideen aus.

Zwar hätten wir kurze Zeit nach dem Anschlusstreffer fast noch den Ausgleich erzielt, doch der eingesprungene Flugkopfball auf Kniehöhe von Kaderabek war die letzte sehenswerte Aktion unserer Offensive. Und von unserer Defensive? War jetzt auch nicht mehr viel zu sehen.

Und so schwitzten wir uns nicht nur des Wetters wegen zum Schlusspfiff, auf dass dies, was durchaus das Potenzial zu einem Spektakel hatte, nicht in einem Debakel endete. Das tat es auch nicht. Es blieb beim 1:2 und damit auch dabei, dass unser Coach gegen Freiburg offenbar nicht punkten kann.

Aber dafür punktete das Team. Ja, es wurden Fehler gemacht, aber sie wurden auch erkannt. Aber darüber hinaus wurde auch gekämpft, es wurde versucht, gemacht, getan. Das ist ein Anfang. Ein guter Anfang. Und gewiss kann und wird es besser werden.

Natürlich weiß niemand, wie sich das Spiel entwickelt hätte, hätte Kramarics Tor gegolten, wäre Weghorst fit gewesen, aber so ist es, wie es ist und es war schon viel schlimmer.

Man muss offen mit der Situation umgehen – und entsprechende Fragen stellen. Keine geschlossenen. Denn bei denen steht das Prädikat – wie beim Imperativ – an erster Stelle. Aber so gut das klingt, 1. Stelle, da ist es nicht wertvoll. Da führt es entweder zu Ja/Nein-Antworten, sind also nicht wirklich ergiebig, oder zu Frust, sind, genauer: wären also demotivierend.

Nein, nein. Das war schon alles recht gut. In den ersten 30 Minuten. Da hatte unser Spiel Syntax, also eine klare Struktur, die sehr viel Varianten ermöglicht. Und das ist schon mal sehr wertvoll.

Auf der Basis kann es weiter gehen, weiter aufwärts – auch in der Tabelle. Da stehen wir punkt- und tordifferenzgleich hinter dem Supercup-Gewinner. Dasselbe in 33 Spieltagen? Wäre definitiv eine Prädikatsauszeichnung.

Und falls du dich, geneigte/r Leser/in selbst auszeichnen willst dafür, dass du es bis hierher geschafft hast, und bevor wir uns jetzt am 1. Spieltag verlieren, wo wir in der Tabelle stehen, kleine Frage in Anlehnung an die einleitende Illustration, um Selbstvertrauen zu gewinnen:

Auf welchem Platz steht das Auto?

Tipp: Ruhig bleiben. Nicht vom Offensichtlichen irritieren lassen. Es ist wirklich ganz logisch. Na?

(Die richtige Antwort ist die Anzahl der Zeichen im obigen Absatz, ohne Leerzeichen. Außerdem ist ein weiterer Tipp ja schon in der Einleitung zur ersten Illustration oben gegeben.)

 

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