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Akademikerfanclub 1899 Hoffenheim Rhein-Neckar Heidelberg 2007 e. V.

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1899 Hoffenheim vs. Eintracht Frankfurt

Taten statt Daten

Anfang oder Ende des Herberger-Theorems

Was ist „Wissenschaft“? Und so einfach das Meiste im Leben ist, so einfach wollen wir es uns an dieser Stelle nicht machen. Also beginnen wir mit einer Definition:

Die Wissenschaft ist ein System der Erkenntnisse über die wesentlichen Eigenschaften, kausalen Zusammenhänge und Gesetzmäßigkeiten der Natur, Technik, Gesellschaft und des Denkens, das in Form von Begriffen, Kategorien, Maßbestimmungen, Gesetzen, Theorien und Hypothesen fixiert wird. (Quelle)

Was lernen wir daraus? Sie ist ein „System der Erkenntnisse“, also nicht die Erkenntnis an sich, „über die wesentlichen Eigenschaften“, ohne dass definiert ist, was wesentlich ist.

Kommen wir nun zum Fußball:

Hier wissen alle, was wesentlich ist, und doch kommt kaum mehr ein Spielkommentar zumindest in den (Sozialen) Medien ohne Hinzuziehung anderer Werte aus, die einen „kausalen Zusammenhang“ suggerieren, obwohl dieser doch bestenfalls korrelativ ist.

Exkurs 1: „Korrelation“

Wir hatten das Thema zwar schon mal, aber a) rund vier Jahre her, und b) folgen wir hier dem alten pädagogischen Prinzip „Wiederholung schafft Vertiefung“ …

Aber da wir ja dennoch nicht langweilen wollen, fangen wir gleich mit einem Thema an, das sich aktuell großer Aufmerksamkeit erfreut: dem Gesundheitswesen. Dabei ist besonders der Personalmangel ein großes Thema. Sollten wir also zum Wohle des Gesundheitswesens am besten gar kein Brot mehr essen? Dieses Schaubild legt das nahe …

(Zugegeben, die Zahlen sind weit unaktueller als die, die von den Institutionen vor Ort den Behörden hierzulande gemeldet werden, aber immerhin sind diese gesichert …)
Ebenso wie die Schließung der weltweit größten Imbisskette in Deutschland könnte sich positiv auf das Gesundheitswesen auswirken, wie es aussieht …

Aber nicht vorschnell handeln, denn die Entwicklung der Imbisskette ist offensichtlich auch nicht ohne Bezug zu einer Verbesserung der Ökobilanz der Bundesrepublik Deutschland

Aber hierzu tragen augenscheinlich auch Ausländerinnen bei:

(Quelle)

Exkurs 2: „Nullinformation“

Was bekommen wir nicht alles im Fußball präsentiert?

Teilweise intellektuell erheblich noch Erbärmlicheres, wobei man sich ja schon an die ganzen „Serien“ gewöhnt hat, die dann entweder fortgesetzt werden konnten oder eben nicht, was dann wiederum mit geradezu nobelpreisverdächtiger Souveränität und den Worten „Jede Serie reißt einmal.“ erklärt wird.

Bei einer gewissen Anzahl von begrifflich identischen Ereignissen wie „Spiele“, „Pokal-Spiele“, Liga-Spiele“ einerseits sowie „Sieg“, „Niederlage“, „Punktgewinn“, „Punktverlust“ andererseits mag das ja noch naheliegend sein, weil einfach sehr, sehr offensichtlich. Aber wenn man dann anfängt, wie im Falle der gestrigen Partie Tabellen maßzuschneidern, so dass „nach der November-Tabelle“ der 3 gegen den 1. spielte, dann ist das definitiv von der Aussagekraft nicht besser als obige Schaubilder. (In dem Zusammenhang seien noch Grafiken zur Raumverteilung, Heatmaps, aber auch Werte wie die Packing-Rate erwähnt, um sie alsdann zu vergessen.)

Der Gipfel des Ganzen sind aber die Einblendungen zur Wahrscheinlichkeit eines Torerfolgs, nachdem das Tor erzielt wurde. Da darf man ruhig einmal eine Sekunde länger verweilen: Da erzielt ein Spieler ein Tor. Fakt. Dann erscheint auf dem Bildschirm plötzlich eine Prozentzahl, z. B., 3%, die jetzt genau was angibt? Welchen Zusatznutzen bringt das? Was ändert sie an welchem Ergebnis? Und auch eine nicht ganz unerhebliche Frage: Wie wird diese Zahl objektiv ermittelt? Welche Formel liegt ihr zugrunde? Ist es diese?

Oder liegt diese Formel der kaum minder aussagelosen Zahl der „expected goals“ zugrunde, die zum Ende eines Spiels zusammen mit dem alles und allein entscheidenden Endstand eingeblendet wird, die angeblich angibt, wieviele Tore eine Mannschaft aufgrund des Spielverlaufs hätte schießen können? Zum Schießen ist allein schon die Tatsache, dass dies immer eine Dezimalzahl ist, obgleich im Fußball keine „Kommatore“ erzielt werden können – was wiederum die Kommentatoren nicht davon abhält, dieser Zahl eine Bedeutung zuzumessen – ohne je zu sagen, welche.

Nein. Die Formel zeigt die „Minderungskorrektur“ bei statistischen Vorhersagen bezüglich des Ausgangs eines Fußballspiels. Sie wurde in „Physik in unserer Zeit, Band 51, Ausgabe 3, am 4. Mai 2020 im Rahmen eines Aufsatzes „Wer wird Meister? – Fußball-Vorhersagen mit statistischen Methoden auf den Seiten 130-137 veröffentlicht.

Seine ganze Machart wie auch die Formel selbst kommt hochwissenschaftlich daher – und der Aufsatz selbst zu dem Schluss:

„Im Mittel sind in der Bundesliga 80 % des Spielausgangs nicht vorhersagbar.“

Ach was …. aber …:
sehen wir es positiv: Der Autor, Andreas Heuer ist Professor für die Theorie komplexer Systeme an der WWU Münster im Institut für Physikalische Chemie, hat damit das Bonmot des Alt-Bundestrainers, wonach die Leute ins Stadion gehen, weil sie nicht wissen, wie es ausgeht, in den Olymp der Wissenschaftlichkeit erhoben, weshalb wir uns dafür einsetzen werden, dass dieses Bonmot fortan als „Herberger-Theorem“ behandelt wird.

Exkurse Ende

War das jetzt wirklich Wissenschaft? War das wesentlich?

Die Eintracht hätte das Spiel gegen uns nie und nimmer verlieren dürfen. Hat sie aber.

Das Problem mit dem „Herberger-Theorem“ ist, dass die Leute nicht mehr (so) ins Stadion gehen. Viele wären zwar auch gestern gern gegangen, aber die Landesregierung Baden-Württembergs hat das auf Basis welcher Zahlen und Formeln auch immer, untersagt.

Es war ein Geisterspiel. Immerhin war dabei das Abstiegsgespenst nicht zugegen. Aber irgendein Naturgeist trieb sein Unwesen, ein Alb, ein böser Elf, der unsere Elf derart verzaubert hat, dass sie stets im Einklang mit der Natur war. Das hatte was Schönes, denn es war dann, als der Regen begann, die Zeit, als sie sich zu regen begann.

Doch zuvor, welch‘ Horror, fiel sie bei ruhenden Bällen des Gegners stets in einen völligen Dämmerzustand – und in Folge eines solchen auch der Führungstreffer der Gäste, die allerdings schon zuvor eine Chance vergaben, die mit „hundertprozentig“ nur unzureichend beschrieben ist. Und auch nach der Führung gab es noch eine Chance für die Gäste, deren „expected goal“-Niveau bei 1 hätte liegen müssen, wenngleich dieser Treffer wohl wegen Abseits nicht gegeben worden wäre.

Der Anfang war vielleicht für jenen Alb ein Traum, für alle, die es mit der TSG hielten, ein reiner Albtraum. Sie sahen in der heimischen Stube sitzend metaphorisch vor ihrem geistigen Auge gewiss schon dunkelste Wolken aufziehen, was sie in der Tat auch im Stadion getan hätten, nur eben faktisch. Und kaum taten die sich auf, nahmen die Taten ihren Lauf.

Wir wissen nicht, welcher Alb das war, aber was er war: nicht wasserfest. So spülte es ihn hinweg – wie die Umlaute wohl, denn plötzlich spulte die Mannschaft ihr Spiel ab. Ohne Alb war es ein Traum, dem folgerichtig eine Traumkombination folgte, die Geiger mit einem Traumschuss abschloss. Ausgleich – statt 1:3 – und im starken Regen ging es stark und rege weiter.

Plötzlich stand die Defensive sicher. Bälle wurden trotz der Platzverhältnisse flach und präzise gespielt. Alle waren in Bewegung und plötzlich Rutter mitten im Strafraum frei. Führung – statt 2:3.

Inzwischen ließ der Regen nach – und das Regen unserer Mannschaft auch. Die Gäste kamen nach Wiederanpfiff erneut klar besser ins Spiel, aber eben nicht mehr zu solchen Chancen wie zu Beginn. Aber so wie es noch tröpfelte, plätscherte auch noch der ein oder andere Angriff von uns nach vorn, wenngleich bei weitem nicht mehr so mitreißend. Doch es reichte: Unsere erste – und de facto einzige – im 2. Durchgang verwandelte Samassekou – mit Glück und Willen – zur 3:1-Führung.

Das sah an der Ergebnistafel und bis dahin auf dem Spielfeld sehr souverän aus. Doch die Abnahme des Niederschlags schlug sich in mehr und mehr Angriffen der Gäste vor allem über deren linken Seite nieder. Lange Zeit schlug sich auch unsere Abwehr wacker, doch dann wohl die Lider nieder. Denn in der Folge eines ruhenden Balles kam ein Stürmer der Gäste nach kurzem Körperkontakt mit Vogt und dessen Falles (Er sackte wie eingedöst weg.) frei vor Baumann zum Abschluss. Anschluss. 3:2. Und Schluss.

Nein. Noch waren gut 20 Minuten zu spielen, in denen wir dann zwar auch schon noch gut spielten, aber es vor allem die Gäste waren, die ihre Chancen verspielten, sodass es bei dem Ergebnis blieb und wir uns zuhause wie im Stadion in den Armen lagen und am Samstagabendabend plötzlich auf Platz 4 standen – und das obwohl wir in nahezu allen statistischen Werten den Gästen unterlegen waren:

  • 49% : 51% Ballbesitz
  • 77% : 81% Passquote
  • 494 : 511 gespielte Pässe
  • 378 : 415 angekommene Pässe
  • 4 : 6 Ecken
  • 8 : 16 Torschüsse

Nur in einem nicht – und der allein ist wesentlich. Aus all diesen Werten kann man eine Wissenschaft machen, aber was bringt sie? Im Ergebnis? Wozu führt es? Und welche Art von „System der Erkenntnisse“, sprich: Wissenschaft, wäre damit gemeint?

Es gibt da ja ganz vielfältige – nämlich die, s. o., der Natur, Technik, Gesellschaft und des Denkens. Und offensichtlich unterscheiden diese Bereiche sich geradezu kolossal diametral.

Etwas überspitzt sagen die einen, z. B. Mathematik, Physik, Chemie, Biologie, Medizin, also die sogenannten Naturwissenschaften, „Das und das IST so!“ , während die anderen sogenannten Geisteswissenschaften, z. B. Musik- und Literaturwissenschaft, Psychologie, Soziologie, Theologie, Philosophie, aber auch Jura, sagen: „Das und das WAR so!“ (nämlich anhand der bis zur Drucklegung (bzw. Urteilsverkündung) zur Verfügung stehenden Daten/Informationen).

Dabei gibt es aber viele Übergänge: nicht alles in der Linguistik ist variabel (z. B. Phonetik), nicht alles in BWL lässt sich (voraus-)berechnen (z. B. Marketing, Aktienwert) und nicht alles in Medizin ist sicher zukunftweisend (z. B. Epidemiologie). Es gibt in diesen wie in anderen Fächern, Teilgebieten etc. immer wieder neue Parameter. Immer wieder neue Zahlen. Immer wieder neue Ergebnisse. Und damit immer wieder neue Erkenntnisse.

Hm …. ist vielleicht Fußball so gesehen doch eine Wissenschaft?

Egal, wir sind vorbereitet ….

:-) *

 

* freut sich da der Akademikerfanclub – wie über die drei Punkte, das Schweigen der Hater und aufs nächste (leider, leider Geister-)Spiel …

Comments

  1. Jürgen Buchner

    Dazu passt auch dieser hier:
    ‚ „Aber welche Statistik stimmt schon?“ fragte einst Werner Hansch, „nach der Statistik ist jeder vierte Mensch ein Chinese, aber hier spielt gar kein Chinese mit.“ ‚
    Quelle: RNZ vom 02.11.2021 (Seite 17)

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