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Erzgebirge Aue vs. 1899 Hoffenheim (DFB-Pokal)

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Die Erzpflicht

Untertags überragend.

Wer kennt ihn nicht, den alten Spruch: „Der Pokal hat seine eigenen Gesetze.“? Und der stimmt ja auch: Ein Spiel dauert da eben gegebenenfalls länger als 90 Minuten, es gibt kein Unentschieden, es gibt keinen VAR.

Und ein weiteres, zumindest TSGesetz lautet: Die 1. Runde mutiert gerade gegen Viertligisten immer in ein Katastrophenkick – und die anderen waren auch nicht wirklich besser:

  • 2019/20 ging es gegen die Würzburger Kickers (3. Liga). Weiter n. E.
  • 2020/21 ging es gegen den Chemnitzer FC (4. Liga). Weiter n. E.
  • 2021/22 ging es gegen Viktoria Köln (3. Liga). Weiter n. V.
  • 2022/23 ging es gegen den SV Rödinghausen (4. Liga). Weiter n. V.
  • 2023/24 ging es gegen den VfB Lübeck (3. Liga.) Weiter o. V.
  • 2024/25 wieder gegen die Würzburger Kickers (inzwischen 4. Liga). Wieder weiter. Wieder n. E.
  • 2025/26 gegen Hansa Rostock (3. Liga). Weiter o. V.

OK, letzte Saison stand am Ende ein souverän aussehender 4:0-Sieg hoch im Nordosten, aber so souverän war der nicht. Diesmal ging es in den Ostsüdosten, am Ende stand da wieder ein souverän aussehender 4:0-Sieg, doch diesmal war es einer. Dieses TSGesetz scheint gebrochen …

Und eigen wie wir „Akademiker“ nun mal sind, wollen wir das mal gebührend analysieren und stellen uns mal einfach mehrfach die Frage:

Woran lag es?

Sicherlich nicht an einem schwachen Gegner, denn die Gastgeber wussten das Bällchen sehr gefällig laufen zu lassen, was gerade unsere neuformierte Hintermannschaft sehr ins Laufen brachte. Ganze 120 Sekunden lang. Danach spielte der Viertligist aus Aue zwar immer noch gut mit, nur ließen wir uns nicht mehr überrumpeln, überlaufen, überraschen. Umso überraschender war dann auch unser Führungstreffer. Nicht, dass er aus dem Nichts gekommen wäre, aber dass wir mal so schnell und konsequent zum Anschluss kommen und den dann auch sofort durchziehen – das kannten wir aus der Vorsaison auch nicht so von unserer Mannschaft.

Woran lag es?

Einen großen Anteil daran hat sicherlich, dass unsere Mannschaft im Gegensatz zu letztem Jahr nicht komplett umgebaut wurde.

Zwar gab es über ein Dutzend Abgänge, aber darunter waren nur mit Touré und Prömel nur zwei Stammspieler. Dazu kamen aber ähnlich viele Zugänge, von denen gut die Hälfte das Potenzial hat, Stammspieler zu werden: Abraha, Conté, Daghim, De Cat, Rots, Vogt und Wimmer. Drei der Neuen standen in der Startelf, am Ende des Spiels hatten wir von den Genannten nur Vogt nicht gesehen (aber der Schweizer war verletzt nicht vor Ort.)

Und an jedem Treffer war einer der Neuen beteiligt. Herausragend war dabei unser Neuzugang aus Wolfsburg. Man konnte geradezu ins fußballpoetische Schwärmen geraten. Klar macht ein Stürmer mal eine Bude, aber bei uns machte einer Zimmer: Wimmer.

Neben dem Führungstreffer legte er Burger das 2:0 auf, das nächste zum 3:0-Halbzeitstand machte er wieder selbst und den Endstand erzielte der eingewechselte Moerstedt nach einem perfekten Pass des eingewechselten Conté. Das war schon alles souverän, dynamisch, frei.

Woran lag es?

Das ist nun was für die Lounge-Psychologen und -Psychologinnen unter uns: Keiner der Spieler kennt einen anderen Trainer als Ilzer bzw. einen anderen Sportdirektor als Schicker. Bis auf den Dauerbanner der Hoffe-Fans „Rogon verpiss dich“ erinnert nichts mehr an die Vergangenheit: die Kindheit der TSG, die Jugend mit all ihren Höhen und Tiefen in puncto Leistung und zuletzt an die Pubertät, die ihren Gipfel sicherlich vor gut einem Jahr in dem Putschversuch gegen Hopp und Schicker fand, den zumindest die Freudianer unter uns nicht verwundert, ist ihnen dies Verhalten doch aus den Schriften des Österreichers als „Vatermord“ bekannt. Jetzt ist die TSG erwachsen.

Und so spielte sie auch …

… zu Beginn ihrer 19. Saison im Bundesliga-Oberhaus, womit sie der Verein ist, der nach Bayern, Dortmund, Leverkusen zusammen mit Mönchengladbach am viertlängsten am Stück dort vertreten ist.

Woran lag es?

Am Gegner. Nein, das ist kein Widerspruch zur ersten Antwort. Natürlich lag es auch daran, weil er mutig agierte, und uns damit auch Räume ließ, unseren spielerischen Fußball zu spielen, aber es lag womöglich auch am Namen: „Erzgebirge Aue“.

Das ist vielmehr als eine geographische Bezeichnung, er stellt auch eine Verbindung zu einer Welt her, die der TSG als Marke in ihrem Wesen fremd ist: Maloche. Bergwerk. Dreck. Aber nicht unserem Trainer. Unser Trainer hat sich auch von ganz unten hochgearbeitet, viel malocht, viel Dreck fressen müssen (ja auch bei uns in seinen ersten Monaten), aber sich nicht unterkriegen lassen, sondern sich hochgearbeitet und zusammen mit seinem unmittelbaren Vorgesetzten die Kohle nicht verbrannt, sondern sie gefördert und neue Flöze (Einnahmequellen) erschlossen.

Die TSG selbst hat mit Erz in dem Sinne nichts zu tun, also im Sinne des Wortes, das aus dem Althochdeutschen aruz/aruzzi, wahrscheinlich über Umwege aus dem Sumerischen urud(u) („Kupfer“) stammt und „metallhaltiges Mineral / Gestein, aus dem man Metalle gewinnt (z. B. Eisenerz, Kupfererz, Silbererz)“, bedeutet.

Eher schon mit der negativen Verstärkung der Vorsilbe „Erz-“, die aus dem Griechischen ρχι– (archi-) „Ober-, Haupt-“ (zu árchein = der Erste sein, herrschen) über das Lateinische archi- ins Althochdeutsche als erzi-, dann Mittelhochdeutsche erz(e)- gelangte und ursprünglich nur die Bedeutung „Ober-„ oder „Haupt-“ hatte und nur für hohe kirchliche und später weltliche Ämter vergeben wurde („der Oberste / Erste“): Erzengel (höchster Engel, griech. archangelos); Erzbischof, Erzpriester, Erzdiözese; Erzherzog, Erzkanzler, Erzkämmerer.

Ab dem 16. Jahrhundert bekam dieses „Erz-“ noch eine pejorative / abwertende Bedeutung, wie sie heute auch noch im Fußball anzutreffen ist, insbesondere als der größte / ärgste / schlimmste Gegner überhaupt: der Erzfeind. In dieser Bedeutung steht es auch ohnehin schon (oftmals) negativ besetzten Eigenschaften vor, wenn es darum geht, wen als besonders verwerflich darzustellen: erzkonservativ, erzdumm, erzfaul, erzböse … Es kann aber auch sehr Hervorhebung einer positiven Eigenschaft verwendet werden: erzsolide, erzzuverlässig …

Und in dem Sinne schauen wir auch erzzuversichtlich auf die Saison 2026/27.

Woran liegt das?

Na, eben an eeiner geschlossenen Mannschaftsleistung, die zu einem nie gefährdeten Sieg in der 1. Runde des DFB-Pokals bei einem Viertligisten führte. Oder anders gesagt: an der erzsouveränen Erfüllung der Erzpflicht.

 

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