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Akademikerfanclub 1899 Hoffenheim Rhein-Neckar Heidelberg 2007 e. V.

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Borussia Mönchengladbach vs. 1899 Hoffenheim

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Im Namens des Fußvolks

Alles, was Recht ist –
und recht schlecht, aber auch schön war.

Es war wie immer: Eigentlich startet man großen Ambitionen, dass sprechen einem die Experten jegliche Erfolgschancen ab, dann legt man einen gar nicht mal so schlechten Auftritt hin, schafft es nicht ins allererste Regal, ist aber einer der „Big Five“:

Wir reden von Deutschland – und dem „ESC“, der ja betrüblicherweise immer auch am 34. Spieltag stattfindet. Da ist aber Anstößchen offiziell erst ab 21 Uhr. Dreieinhalb Stunden nach dem Schlusspfiff der letzten Partie der Saison, wo sich dann auch die TSGemüter beruhigt haben dürften, die auf dem Gästeparkplatz am Borussia-Park glaubten, sich untereinander keilen zu müssen.

Es war für viele ein verwirrender und irgendwie auch beschämender Anblick, was einem da geboten wurde, aber auch beruhigend für uns in dem Moment, zeigte er noch, dass es noch viel verwirrender und irgendwie auch beschämend geht, als wie es die Mannschaft auf dem Platz darbot.

Also gehen wir mal mit der Mannschaft ins TSGericht:

Die Übermotivation war von an Anpfiff an zu spüren. Jeder war sich der vermeintlichen conditio sine qua non bewusst.

Die conditio sine qua non bezeichnet die unabdingbare Voraussetzung für den Erfolg einer Tat oder eines Geschehnisses, z. B. die Qualifikation für die UEFA Champions League, Betrug oder Mord. Alles, wie es die Jurisprudenz nennt, letztlich Erfolgsdelikte.

Nota bene: In dem Metier ist „Erfolg“ als die strafrechtlich relevante nachteilige Veränderung des durch die Norm geschützten Rechtsguts (Eigentum, Leben) definiert.
Die Qualifikation für die Königsklasse ist kein derartiges Rechtsgut, wenngleich sich Mannschaften immer wieder mal in dem Glauben gebärden („Wir gehören in die (hier:) Champions League.“)  – oder Schürnalisten dies zum Ausdruck bringen („xyz gehört einfach in die Bundesliga.“), ganz gleich, ob der Verein überhaupt noch in einem DFL- bzw. DFB-Wettbewerb antritt.

Wir mussten das Spiel gewinnen, um überhaupt eine Chance zu haben, noch auf Platz 4 zu kommen.

In der Juristerei ist hierbei auch immer wieder von der Äquivalenztheorie die Rede. Sie beurteilt die Kausalität, die klare, schlussfolgliche Ursache für jede Bedingung, die nicht hinweggedacht werden kann, ohne dass der Erfolg in seiner konkreten Gestalt entfiele.

Die Bezeichnung dieser Lehre rührt daher, dass nach dieser Definition jede noch so entfernte notwendige Bedingung als kausal für einen tatbestandlichen Erfolg angesehen wird und deshalb alle diese Bedingungen äquivalent sind, also „gleiches Gewicht“ haben.

Das klingt zwar kompliziert, ist aber ganz einfach. Wenn wer durch eine Pistolenkugel in den Kopf stirbt, wäre der Schuss ursächlich für den Tod. Sollte der Schuss mit diesem Ziel so abgegeben worden sein, wäre das – im juristischen Sinne – ein Erfolg. Da sich die Kugel nicht selbst auf dem Weg in den Kopf der anderen Person machte, gibt es wiederum eine Ursache hierfür – meist ein anderer Mensch. Wie gesagt: ganz einfach.

Oder doch nicht? Wer oder was ist denn kausal verantwortlich dafür, dass die Person die Patrone hat, die Pistole, an dem Ort ist? Überhaupt: Dass es die Person überhaupt gibt? Denn wenn dessen Eltern nicht vor einiger Zeit …

Du verstehst, geneigte/r Leser/in … Das kann kompliziert werden, wenn man nur Kausalität im Sinne der Äquivalenztheorie zur Be- und letztlich Verurteilung heranzöge. Nicht alle nach der Äquivalenztheorie als (Mit-)Ursache eines Erfolges festgestellten Bedingungen sollen daher zur Strafbarkeit des Verursachers führen.

Daher gibt es auch noch die Adäquanz (von lateinisch adäquat – angemessen, entsprechend). Nach der so genannten Adäquanztheorie muss der Schädiger nicht für solche Ereignisse einstehen, die nach der normalen Lebensanschauung eines objektiven, informierten Dritten völlig außerhalb der Erfahrung und Erwartung liegen.

Also kein Elternteil muss davon ausgehen, dass es eine/n Mörder/in zur Welt bringt.

Gleichzeitig aber durften die Verfolger ihre Spiele nicht gewinnen, was die Frage aufwirft, ob der Sieg überhaupt eine Conditio sine qua non darstellt.

Im Sinne des Strafrechts ist jeder Vorgang oder jede Handlung, der oder die kausal für einen Sachverhalt ist, so dass der Sachverhalt nicht zustande gekommen wäre, wenn der Vorgang oder die Handlung hinweggedacht würde.

Aber so war die faktische Ausgangslage.

Nicht zu verwechseln mit Georg Jellineks „normativer Kraft des Faktischen“: Dem Staatsrechtler und Rechtspositivist, der diesen Terminus prägte, ging es letztlich um das Zusammenspiel von Theorie und Praxis: Wie wirksam ist eine Norm, die lange Zeit nicht befolgt wird? (s. sog. „Kavaliersdelikte“ wie „schwarzfahren“) Und kann durch das Verhalten einer Mehrheit eine Norm für alle abgeleitet werden? (s. Tragen eines Fahrradhelms). Und auch da wiederum seien Grenzen zu beachten, nach Jellinek, für den Recht „nichts anderes als das ethische Minimum“ sei. Genauer:

„Das Recht wird also, als das erhaltende Moment, das Minimum der Normen eines bestimmten Gesellschaftszustandes bilden, d. h. diejenigen Normen umfassen, welche die unveränderte Existenz eines solchen sichern.“
(Quelle: Die sozialethische Bedeutung von Recht, Unrecht und Strafe, 2. Aufl., Berlin 1908, S. 45)

Und entsprechend ging es auch los: engagiert, viel Ballbesitz, viel am Strafraum, im Grunde Handball.

Die Hausherren lauerten auf ihre Chance – und als die erste kam, ging der Gegner auch wieder einmal mit dem ersten Schuss auf unser Tor in Führung. Und mit der zweiten Chance, kam der zweite Schuss aufs Tor, und wir lagen 0:2 zurück.

Das 3-1-6-System, das andersrum gelesen am besten als „steroide Bodybuilderformation“ bezeichnet werden kann, mit dem wir wohl zu posen gedachten, wurde zur Posse: Jeder Angriff der Hausherren ein Treffer für sie – und ins Herz der rund 2 000 mitgereisten Fans.

Diese machten das einzig Richtige: Sie sangen dagegen an. Der Platz in der UEFA Europa League war uns ja nicht mehr zu nehmen. Auch nicht die sensationelle Ausbeute von 61 Punkte bei noch sensationelleren, weil noch nie gehabten 18 Siegen (also eine Siegquote in einer Spielzeit von über 50%!!! – SEN – SA – TIO – NELL!!!) hatten wir sicher.

Außerdem führten die Schwaben bei den Hessen 2:0 … Shit happens! Aber vielleicht ja auch ein Wunder? Soll es ja auch geben …

Aber zu Beginn der 2. Halbzeit gab es erst einmal einen Dämpfer in Form von Rot für Lemperle. Ob der Platzverweis nun wegen „zu harten Einsteigens“ gerechtfertigt war oder nicht, er war es wegen Dummheit. Man geht in so einem Moment an so einer Stelle nicht so an den Mann – als „Vorbestrafter“.

Spaßiger-/Seltsamerweise führt der Kicker in seinem Spielticker die erste Verwarnung als gestrichen auf. Details …

Der Platzverweis eröffnete natürlich Räume … für Galgenhumor, denn nachdem wir in den letzten beiden Partien in Überzahl nicht wirklich überzeugt haben, wäre es ja nur zu lustig, wenngleich gegen eine sehr stabile Abwehr höchst unwahrscheinlich, wenn wir nun das Spiel noch drehen würden.

Und wir machten es anfangs wirklich gut. Der Ball lief schneller und flüssiger, aber nach wie vor kam nichts aufs Tor der Hausherren. Statt den Ball aufs Tor zu schießen, versuchte unsere Elf, äh: versuchten unsere Zehn den Ball ins Tor zu tragen. Das bediente aber nur die Grundidee der Borussen, die weiter nichts weiter taten, als auf Konter zu warten.

0:3. Zurückgenommen wegen Abseits. Puh. Aber dann noch. Wegen Fernschuss. Also die Gastgeber machten einfach mal das, was wir kein einziges Mal in 90 Minuten taten: Es einfach mal aus der Ferne versuchen. Leider mit Erfolg.

Am Ende der A3 stand es inzwischen 1:2, aber keine 100 Kilometer westlich zum Glück 1:1, und damit wir immer noch auf Platz 5. Und daran änderte sich auch nichts mehr bis zum Schlusspfiff.

EU – RO – PA POKAAAL!

Ok, wir bekamen noch in der Nachspielzeit noch einen Gegentreffer, aber auf den kam es dann auch nicht mehr an. Die Laune war bestens – bis das Endergebnis aus Frankfurt kam. Der Eintracht gelang doch noch der Ausgleich. Das heißt: Hätten wir unsere Hausaufgaben gemacht, Fahrradkette.

Haben wir nicht. Wir sind wieder einmal an unseren Nerven gescheitert, an unserer Übermotivation – oder Hybris? – und ließen dumm Punkte liegen.

Unser Urteil – im Namen des Fußvolks:

Freispruch –
in dubio pro re.

Nein, geneigte/r Leser/in, hier fehlt kein „o“. Wir sprechen den TSG von der alleinigen Schuld (darum geht es ja vor nicht nur in diesem TSGericht) ja nicht im Sinne „im Zweifel für den Angeklagten („reum“) frei. Überhaupt saß die TSG ja hier nicht auf der An-, sondern nur unserer Klagebank. Champions League wäre halt schön gewesen.

Wenn wer anzuklagen ist, dann ist es Verein dergestalt, dass die T-Shirts, die sich die Spieler nach dem Spiel auf dem Gästeparkplatz für 15 €/Stück verkauften. Nach einem 0:4 in der Ferne hätte man zumindest eines pro Fan für 5, zumindest 10 € anbieten können. Es wäre eine schöne Geste gewesen an die, die ja einiges an Geld ausgaben, wenn sie hier Geldausgaben hätten reduzieren können. Andererseits – und wer wüsste das nicht besser als wir: Perfektion macht unsympathisch! 🙂

Wir zweifeln nicht an den Verantwortlichen, wir glauben an sie. Wir sprechen sie frei, weil es so besser ist („im Zweifel für die Sache“ („res“)). Weil TSGemecker nichts bringt. Zudem haben uns die letzten Worte am Ende des Prozesses überzeugt.

„Wir haben mit diesem Ergebnis eine gute Botschaft mitbekommen. Es ist zwar das Ende der Saison, aber nicht das Ende unseres Weges. Wir werden gute Schlüsse ziehen und in die neue Saison miteinfließen lassen. […] Der Weg geht weiter.“ (Christian Ilzer)

„Wir wollen in der nächsten Saison unseren erfolgreichen Weg fortsetzen, bauen einerseits auf Kontinuität. Zugleich wollen wir punktuell ein paar Veränderungen herbeiführen und haben dafür klare Ideen und Profile, was wir etwas anpassen wollen.“ (Andreas Schicker)

Das hohe TSGericht des Akademikerfanclubs 1899 Hoffenheim Rhein-Neckar Heidelberg 2007 e. V. sah zwar in der Partie einiges, was zum Teil arg im Argen liegt, aber keinen Anlass, an diesen Worten zu zweifeln.

Wir danken der TSG 1899 Hoffenheim für eine erlebnisreiche und letztlich nie gedachte, kaum erhoffte, sprich: sehr erfolgreiche Spielzeit 2025/26 – und dir, geneigte/r Leser/in, für deine Zeit für unsere Berichte zu den Spielen.

DANKE!

Anregungen und Änderungswünsche einfach in die Kommentare.

DANKE!

TSCHÜSS!

 

 

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