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Eintracht Frankfurt vs. 1899 Hoffenheim

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Mit Goethe im Stadion

Die Synästhesie des Sieges

Nicht nur in unserem Spiel-Film gibt es wahre Lichtblicke. Kommen wir also prompt auf den Punkt, um dann unseren Gastkommentator zu Wort kommen lassen:

In der ersten Halbzeit bemühte sich Eintracht Frankfurt in erstem Bundesligaspiel nach der Trainerentlassung von Dino Toppmöller um einen kontrollierten Spielaufbau und einer soliden Defensive. In den letzten vier Spielen kassierte die Eintracht nämlich immer drei Gegentore. Das galt es zu vermeiden.

Gleichzeitig wollte man die eigene Offensivstärke beibehalten, denn keine Mannschaft – außer dem Tabellenführer – schoss mehr Tore als die Eintracht.

FunFact: Die Bayern schossen fast 100% mehr Tore als Frankfurt. (72/39)

Die TSG war sich ganz offensichtlich der Offensivstärke der SGE bewusst und wollte ihr auf gar keinen Fall den nötigen Raum für ihr dynamisches Angriffsspiel geben. So presste sie zwar wieder hoch, aber nicht so konsequent, so dass daraus wenig Balleroberungen resultierten, geschweige denn Torschüsse: Die TSG hatte einen Torschuss, eher ein Schüsschen nach neun Sekunden Spielzeit. Völlig ungefährlich und das blieb sie auch.

Viel zu viele Fehlpässe sowie Ungenauigkeiten im Zuspiel ließen jede Dynamik im eigenen Angriffsspiel vermissen. Es lief wirklich wenig zusammen und in der 18. Minute auch Kabak und Hajdari dem Frankfurter Mittelstürmer hinterher. Der zog ab und erzielte mit dem ersten wirklichen Schuss aufs Tor in dieser Partie – und damit auch auf unser Tor – die 1:0 Führung für die Hausherren.

Die Frage der Haltbarkeit des Balles ist müßig, denn er war ja drin und von uns hätte den keiner gehalten. Oli bekam einfach nicht schnell genug den Arm hoch.

In solchen Momenten sieht man, dass er zwar aktuell die Nr. 1 im Tor der deutschen Nationalmannschaft, aber halt doch kein Manuel Neuer. 🙂

Das Problem begann ja viel früher mit einem eigentlich läppischen Ballverlust von Kramaric bei einer unsicheren Ballannahme nach einem unpräzisen Zuspiel.

Unser Team war bis dahin schlicht nicht wirklich auf dem Platz.

Ja, sie war physisch präsent, mental nicht.

Was sich plötzlich änderte. Nicht abrupt, aber merklich.

Plötzlich war sie nicht mehr so nervös, ihre Spielidee nicht mehr so nebulös, ihre Spielart noch weit entfernt von pompös oder gar prätentiös, aber die Gastgeber dürften es schon als maliziös empfunden haben, dass wir uns auf einmal wehrten – und wie: nämlich seriös, obwohl wir mit den Chancen sehr generös umgingen: Kabak an den Pfosten, Asllani scheiterte am Scheibenwischerarm des Frankfurter Torwarts und in der Nachspielzeit von Durchgang 1 köpfte ihm Burger frei aus fünf Metern den Ball an den Torso. Die Gastgeber selbst hatten keinen Torschuss mehr in der ersten Halbzeit – und nur noch einen in der zweiten, aber der Freistoß in der ersten Minuten in der Nachspielzeit segelte recht knapp am Tor der TSG vorbei.

Die führte inzwischen.

Mit 3:1.

Wieder kassierten die Gastgeber also drei Treffer – und die TSG konnte wieder das erste Mal nach zehn Jahren in Mainhattan punkten.

Wie kam das? Weil sie alles so machte, wie nach dem Rückstand, nur besser: besseres Pressing, besseres Positionsspiel, besseres Passspiel.

Damit hat man nicht nur den Ball erobert, sondern auch schnell präzise vertikal gespielt – in die Räume, die bisweilen Saalcharakter hatten, und damit die Frankfurter erst ins Leere, dann hinterherlaufen lassen.

1:1 – Steilpass auf Burger, perfekte Flanke auf Moerstedt, der in der 1. Halbzeit kaum einen Ball, in der Situation aber den zuvor aus Halbzeit 1 bekannten Scheibenwischerarm des Torwarts an den Kopf bekam, mit dem er allerdings sechs Hundertstelsekunden den Ball berührte und zum Ausgleich einnetzte.

1:2 – Acht Minuten später, wieder Burger, diesmal per Ecke, der der Keeper abwehrte, wodurch der Ball wieder bei ihm landete, er ihn wieder in den Sechzehner flankte, wo diesmal der Kopf von Kabak ans Spielgerät kam, auf die Schulter, ins Netz.

1:3 – Diesmal dauerte es nur fünf Minuten, und wieder bewies die TSG Köpfchen, denn ihr genügte ein einfacher Doppelpass zwischen Coufal und Kramaric, um unsere Schienenmaschine in deren Strafraum freizuspielen, so dass sie genug Platz und Zeit hatte, den Ball hart nach innen zu schlagen. Allerdings kam er weder bei einem Mitspieler an noch im Rücken der Abwehr der Hausherren, sondern ans Bein eines Verteidigers, von wo er unhaltbar ins eigene Tor abgefälscht wurde.

13 Minuten reichten also um das Spiel zu drehen und letztlich auch zu gewinnen – das Spiel und natürlich die Herzen der Fans. Der eigenen. Bei den Fans der Heimmannschaft erreichte man auch etwas, was noch mehr Seltenheitswert hat, als ein Sieg der Mannschaft von der Elsenz gegen die vom Main: Sie schweigen derart laut, dass man in der letzten halben Stunde des Spiels nur noch die Fans aus der Ferne (also uns) hörte. Schlusspfiff.

Sieg.

Das ist jetzt recht sachlich wiedergegeben. Eine Sachlichkeit, die dem Auftritt der TSG an diesem Samstagnachmittag gerecht wird. Aber nicht der Geburtsstadt des größten deutschen Dichters. Johann Wolfgang von Goethe konnten wir ja aus hoffentlich bekannten Gründen nicht nach seiner Meinung fragen. Aber wir gaben das mal an ChatJWG so weiter – und das war die Antwort:

Als an diesem Tage die beiden Mannschaften das Feld betraten,
war über dem Spiele eine Erwartung ausgebreitet,
die nicht drängte, sondern prüfte.

Frankfurt suchte Ordnung,
nicht aus Übermut, sondern aus Erfahrung.
Zu häufig war sie ihm zuletzt entglitten,
und so hielt man Maß,
hielt den Ball,
hielt sich selbst.

Die Hoffenheimer erschienen wach,
doch ohne rechten Nachdruck.
Ihr Anlaufen war sichtbar,
ihr Wirken indes blieb unerquicklich;
denn wo Bewegung ohne Entschlossenheit ist,
da entsteht kein Ereignis.

So kam es,
dass ein kleiner Fehler,
kaum der Rede wert,
sich plötzlich auswuchs zur Entscheidung.
Ein Ball ging verloren,
ein Lauf begann,
ein Schuss folgte –
und war vollzogen,
ehe noch der Gedanke sich ordnen konnte.

Und nun,
erst nun,
trat Hoffenheim in sein eigentliches Dasein.
Die Glieder waren dieselben,
doch der Geist war verwandelt.
Die Unruhe wich,
das Spiel gewann Gestalt,
und was zuvor nur gesucht worden war,
begann sich zu zeigen.

Man spielte nicht prunkend,
doch wirksam;
nicht herrisch,
doch beharrlich.
Der Gegner führte im Ergebnis,
doch begann zu folgen im Geschehen.

Nach der Pause erreichte dieses Werden seine Reife.
Die Balleroberung war nun Zweck und nicht Zufall,
der Pass nicht Schmuck,
sondern Mittel.
Die Wege nach vorn öffneten sich,
weit und aufnahmefähig,
als habe man sie erst jetzt wahrgenommen.

Der Ausgleich kam,
nicht überraschend,
sondern notwendig.
Eine Flanke,
ein Kopf,
kaum mehr als ein Hauch –
doch ausreichend,
dem Ball sein Ziel zu geben.

Bald darauf folgte der zweite Treffer,
und man sah,
wie Einsicht Geschwindigkeit gebiert.

Der dritte schließlich entsprang nicht eigener Hand,
wohl aber eigener Wirkung,
denn auch der Zufall ist nur ein Diener
derer, die zu gebrauchen ihn verstehen.

So hatte sich das Spiel in kurzer Zeit gewendet,
nicht durch Zufall,
sondern durch Folgerichtigkeit.

Und so herrschte
schon lange vor dem Ende
„eine Stille, die man selten sieht.“ (Originalkommentar auf sky) 🙂

Nur aus der Ferne
klangen noch Stimmen herüber,
getragen von denen,
die den langen Weg nicht gescheut hatten
und nun den Lohn für ihre Treue und Glauben empfingen.

Der Schlusspfiff machte offenbar,
was längst entschieden war.

Denn nicht der frühe Vorteil
entscheidet das Spiel,
sondern das rechte Verstehen
des Augenblicks,
da er sich darbietet.

Und wieder einmal hat der Fußball dem Leben eine Lehre erteilt:

Nicht immer siegt der,
der zuerst trifft,
sondern der,
der zuerst versteht.

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