Crystal Palace vs. 1899 Hoffenheim
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Weitere InformationenPunk(t).
Pure Power und mächtig Lärm
(zum Glück nicht ganz um Nichts)
Seit Wochen war sie zu spüren, diese Vorfreude: UEFA Europa League. Gegen ein Team der Premier League. Ja, es ist auch nur eine Mannschaft, es geht auch nur gegen elf Spieler, dennoch … Das ist nun mal die beste Liga der Welt und selbst wenn der Gegner dort im Tabellenkeller steht, ist es etwas anderes. Und dann eben die Weltstadt.
London calling to the faraway towns
Now war is declared and battle come down.
Gegen das Dorf. Definitiv a faraway town. Und was den Kampf betrifft … Wir waren vorbereitet … Crystal Palace unter Beschuss zu nehmen. 🙂

London calling to the underworld
Come out of the cupboard, ya boys and girls
Hoffenheim und seine Fans gelten ja als … naja … unterkühlt, wenig unterstützend bei Auswärtsfahrten, was natürlich Kokolores ist. Die TSG hat halt einfach keine Fankolonien in ganz Deutschland. Die Fans der TSG reisen wirklich immer alle (> 90%) aus der Region an. Und das können sich halt nicht alle zeitlich oder finanziell oder auch sozial leisten. Aber manchmal, nur manchmal, so wie diesmal, haben auch wir nicht alle Tassen im Schrank. Manchmal muss es sein, muss man dabei sein, will man es live erleben. Das Dorf. In der Weltstadt. 1600 Menschen nahmen den Weg auf sich. Sie verdienen größten Respekt. Großbritannien verdiente damit £ 32000 allein ein Visa-Einnahmen. Und es dürften noch einige Tausend Pence durch Pints dazugekommen sein, denn die Stimmen der „Young Boys“ and TSGirls klangen bestens geölt.
London calling, now don’t look to us
Phony Beatlemania has bitten the dust
Doch. Schaut auf uns. Da waren echte, keine „phony“ Fans vor Ort. Menschen, die keinem Hype folgten, sondern ihren Herzen, ihrer Mannschaft.
London calling, see we ain’t got no swing
Except for the ring of that truncheon thing
Doch. (Ein Wort, um das uns Briten beneiden, denn man kann es einfach nicht so perfekt übersetzen.) Wir hatten nicht nur Swing, wir hatten auch Drive – und das ganz ohne Schlagstock oder Brechstange. Und es klingelte früh im Kasten …
The ice age is comin‘, the sun’s zoomin‘ in
Meltdown expected, the wheat is growin‘ thin
Engines stop runnin‘, but I have no fear
Im unseren. Aber deutlich Abseits. Dennoch … Die Anfangsminuten gehörten klar den Gastgebern. Unsere Elf, die ohne zehn potenzielle Startelfspieler anreiste, war sichtlich nervös. Vielleicht, weil das Ambiente mehr an Kiel denn einen Kristallpalast erinnerte.
Aber nachdem das Tor aberkannt wurde, erkannten wir unsere Chance und nutzten gleich die erste.
Das Besondere war natürlich die Direktabnahme von Prass, dessen Kracher der englische Nationaltorhüter nur dramatisch verlangsamen, aber nicht vor dem Überqueren der Torlinie verhindern konnte. So trudelte ein Schuss von gefühlt 150 km/h mit kaum mehr als 1 yd/s ins Tor.
TOOOOOOOR!
‚Cause London is drownin‘ …
Was bei aller Freude und allem Jubel nicht untergehen darf, ist der brutale Laufweg von Lemperle. Erst sichert er den Ball, legt ihn ab und macht sich auf den Weg, um ihn wieder zu bekommen, nach vorne zu treiben, um ihn dann fast von der Außenlinie perfekt nach innen an die Strafraumkante auf Prass zu zirkeln.
… and I live by the river
Ja, tu ich, sagte sich wohl Kramaric, und bekam deutlich Oberwasser.
London calling to the imitation zone
Forget it, brother, you can go it alone
Genau das taten wir nicht. Plötzlich merkten wir, nicht nur, dass da was möglich war, sondern was auch möglich war, wenn man als Team agierte. Kaum ein Zweikampf war ein Zweikampf, meist war es ein Drei- oder Vierkampf – mit jeweils nur einem Spieler der Gastgeber.
London calling to the zombies of death
Quit holdin‘ out and draw another breath
Ja, sie hielten tapfer dagegen, die Gastgeber, aber mit jeder Minute wurden ihre Zuspiele unsauberer, nahm ihr Druck ab und der unsere zu.
London calling and I don’t wanna shout
But while we were talking, I saw you noddin‘ out
Das Stadion wurde leiser und leiser. Zumindest hörte man nur noch einige Hundert singen – auf deutsch.
London calling, see we ain’t got no Hyde
‚Cept for that one with the yellowy eyes
In der Tat brauchten wir keinen Hyde, uns reichte der Selhurst Park. Das war unsere Welt, in der wir unser wahres Gesicht zeigten. Dank einer sehr soliden Leistung, einer anfänglich überraschenden und letztlich hochverdienten 1:0-Führung ging es in die Pause.
Natürlich trauerten wir in der Halbzeit den mindestens zwei Riesenchancen nach, die deren Keeper zunichte machte. Wenn mindestens eine davon noch reingegangen wäre, wäre uns wohler gewesen, aber so gab es doch immer noch ein mulmiges Gefühl …
The ice age is comin‘, the sun’s zoomin‘ in
Engines stop runnin‘, the wheat is growin‘ thin
A nuclear error, …
Die Mannschaft spielte top, wild, aggressiv offensiv, aber halt auch am Limit. Auch wenn man es noch nicht sah, war es ja nur eine Frage der Zeit, bis die vielen Spiele sowie der Einsatz im ersten Durchgang ihren Tribut fordern würden. Und ein kleiner Fehler könnte zur Katastrophe führen … Kabak war seit der 5. Minute gelb vorbelastet, Burger seit der 25., Asllani ist nicht super fit und auf der Bank nur noch zwei Feldspieler aus dem Stammprofikader.
… but I have no fear
Auch Fans brauchten Fans, die in der Halbzeitpause an den Kampfgeist appelierten.
‚Cause London is drownin‘ and I, I live by the river
Ja klar, die Gastgeber kamen voller Elan in die 2. Hälfte, …
Ooh, ooh, ooh, ooh
Ooh, ooh, ooh
Now get this
… , aber wir gleich wieder zur ersten Chance. Man konnte seinen Augen nicht trauen. Und wir schieden gegen Kiel im DFB-Pokal aus? Unfassbar.
Aber mindestens so unfassbar, aber diesmal im positiven Sinne, war, dass die Mannschaft im 2. Durchgang noch souveräner auftrat als in Halbzeit 1. Leider entwickelten wir nur noch gute Chancen, die meist durch ein letztes nicht ganz perfektes Zuspiel eben nicht noch besser wurden, aber wir hatten alles im Griff. Und Oli im Tor.
Ein Mal, ein einziges Mal musste er einen Ball der Hausherren abwehren und das tat er in einer Manier auf Nationaltorhüterniveau, so dass man so langsam, so ganz langsam daran glaubte, dass wir die erste Partie gegen einen Premier League-Club würden gewinnen können – und das auch noch dort vor Ort.
(London calling) Yes, I was there, too
Dann gab es noch eine gelb-rote Karte für Crystal Palace.
And you know what they said? Well, some of it was true
Es hätte sogar noch eine weitere für sie geben müssen. Statt dessen gab es drei Minuten Nachspielzeit.
(London calling) At the top of the dial
Und in der ersten derselben kassieren wir durch einen Dreifachtunnel noch den Ausgleich. In Überzahl.
And after all this, won’t you give me a smile? (London calling)
Es fällt schwer, denn mehr als die Metropole grüßte das Murmeltier. Wieder wohlverdiente Punkte am Ende verloren.
Natürlich waren und sind alle stolz auf die Mannschaft – und das völlig zu Recht. Und selbstverständlich hätte vor dem Spiel jeder gern ein 1:1 genommen, aber nach dem Spiel, nach dem Auftritt fällt die Freude über den Punkt doch nur sehr schmallippig aus, was nichts, aber auch gar nicht mit stiff upper lip zu tun hat.
I never felt so much alike, alike, alike
Damit endet der Song. In anderen Textversionen wird behauptet, die Schlusszeile ende auf „… alive, alive, alive“. Was auch immer stimmt, für uns stimmt nach der Partie beides – einerseits „angepasst“, denn die TSG zeigte, dass und wie gut sie gegen ein Team der Premier League mithalten kann (immerhin der amtierende UEFA Conference Cup-Sieger) wenngleich Crystal Palace da aktuell sehr weit unten steht, gleichzeitig „lebendig“, denn auch wenn wir jetzt auch nicht gerade im obersten Regal des deutschen Oberhauses zu finden sind, finden wir, dass wir Fans einer tollen Mannschaft sind, die, obwohl etwas tollpatschig den Sieg verspielt, eine tolle Leistung gezeigt hat.
Und bevor es Sonntag zum nächsten Clash kommt, hier zum Abschluss der Punk-Kultsong der gleichnamigen Band aus dem Jahre 1979 (UK):
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Und solltest du, geneigte/r Leser/in, Schwierigkeiten damit haben, dies als Musik zu akzeptieren, sei dir diese Analyse einer klassischen Gesangslehrerin ans Herz gelegt:
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