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Akademikerfanclub 1899 Hoffenheim Rhein-Neckar Heidelberg 2007 e. V.

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1899 Hoffenheim vs. Hamburger SV

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Wider die Agnose

Diagnose der Repetition der Frustration

Es lohnt sich, die TSG als Patienten vorzustellen – und den ganzheitlich zu untersuchen, ganz ohne technischen Schnickschnack wie MRT, CT etc., sondern ganz simpel interdisziplinär evidenzbasiert mit dem Ziel der Erkenntnis.

Das impliziert natürlich, das man nicht unter Agnose leidet, d. h. die Fähigkeit und Bereitschaft besitzt, genau hinzuschauen und das, was man sieht, auch genau beschreiben und benennen zu können.

Wer unter Agnose leidet, dessen Gehirn kann eine Sinneswahrnehmung nicht deuten; zwar wahrnehmen, aber nicht verarbeiten. („Ich sehe/höre/… es, aber was ist das?“)

Ein Agnostiker hingegen will nicht. 🙂
(Verzeiht, werte Theologis und Philosophis, uns ist die höhere Komplexität der Frage höherer Wesens und höheren Wissens bewusst, aber die Definition von Agnose war einfach eine zu gute Steilvorlage.)

Die erneute 2:3-Niederlage wirft viele Fragen auf, die sich aber ganz einfach beantworten lassen, wenn man sich die TSG als Körper vorstellt. Und ein solcher hat ja auch schon mal Dinge in oder an sich, die da nicht hingehören – und nicht immer ist es ein kleiner Virus.

O.K., eine Ausnahme wären Schmetterlinge im Bauch. Gegen diese Form der Erreger hat ja niemand was. Aber genau die hat die TSG nicht. Vielmehr weist ihr Körper aktuell viele Fremdkörper auf, unter anderem ein Frosch im Hals, mal Bohnen in den Ohren, Tomaten auf den Augen sowie Blei in den Beinen, Butter in den Knien, das Herz in der Hose, ein Brett vorm Kopf, den Kopf im Sand, Scheiße an den Füßen und last but not least eine Zentnerlast auf den Schultern, die auf der Seele lastet.

So gesehen ist die TSG orthopädisch, internistisch und neurologisch in einem Zustand, für den die Schulmedizin eigentlich nur noch die Einweisung ins Heim vorsieht. Doof nur, dass die meisten Spieler unseres Profikaders gerade da waren, also genauer: daheim, bei ihren Nationalmannschaften. Man hoffte natürlich – wie immer … und das kommunizierte die TSG ja auch in ihrer Werbung für das Spiel:

Screenshot

Wir fühlten uns natürlich sofort an das letzte Buch des verstorbenen Papstes erinnert:

Und die Hoffnung schien in Erfüllung zu gehen. Nach 15 Sekunden der erste Torschuss des in die Startelf gerückten Asllani, nach fünf Minuten die erste Riesenchance durch den ebenfalls mal wieder von Anfang an spielenden Lemperle. Das ließ sich sehr gut an, und kaum glaubte man das erste abdominalen Schmetterlingsflattern zu spüren, übernahm das große Flattern die emotionale Führung auf den Rängen, denn auf dem Platz spielte die TSG immer flatterhafter.

Burgers Ballbehandlung erinnerte stark an die Filigranität eines Jürgen Klinsmann: ihm versprang geradezu jeder Ball, Avdullahu wusste auch erstaunlich wenig mit der Kugel anzufangen, was aber auch an der Position gelegen haben mag. Er spielte viel weiter vorne, so dass der Spielaufbau Kabak und Machida oblag, die sich damit schwertaten. Ballbesitz in den eigenen Reihen über mehr als drei Stationen hinweg war so oft zu sehen wie Klopapier in den Regalen zu Coronazeiten. Das war alles ziemlich scheiße.

Und als wir dann noch nach einem völlig gefahrlosen Freistoß aus 40 Metern und etwas Pingpong im Fünfer mit 0:1 in Rückstand gerieten, wurde unser Spiel noch schlimmer.

Nachvollziehbarerweise.

In den ersten beiden Spielen spielten wir gut, gingen in Führung und verloren beide. Und in den letzten beiden Pflichtspielen entwickelten wir kaum Torgefahr, gerieten in Rückstand, und verloren die auch – und nun das. Ja, Fußball wird durch Tore entscheiden, aber auch zwischen den Ohren – und der Kopf war nicht frei, wodurch die Beine noch schwerer und die Aktionen noch langsamer wurden.

Nach 45 Minuten erschien eine rote „5“ am Spielfeldrand, und obgleich wir kausal nicht beweisen können, ob es an der Farbe lag, aber plötzlich befiel unsere Mannschaft ein Momentum der positiven Aggressivität.

Wir pressten diesmal vollherzig hoch, und Lemperle gewann den Ball, zu Conté und drin, doch der Treffer wurde nach Videobeweis zu Recht nicht gegeben. Störte aber nur kurz, denn die TSG blieb gallig. Eckball Coufal, Kopfball Lemperle, Tumult im Fünfer, Brust von Asllani, Schulter einer Rothose, 1:1 in der Nachspielzeit der Nachspielzeit des ersten Durchgangs.

Und so wie die TSG diesen beendete, begann sie auch den zweiten. Zwar brachten wir in den ersten fünf Minuten nach Wiederanpfiff keine zwei Schüsse aufs Tor der Gäste, sondern nach sechs nur einen, aber der war, kaum wurde unsererseits fachfraulich konstatiert, dass das Bällchen jetzt besser laufe, drin. Wieder Conté und schee den Ball an den Innenpfosten schön der Torlinie entlang über die Selbige. 2:1. Das hatten wir in der Spielzeit noch nicht: (ein) Spiel gedreht.

Etwas mehr als zehn Minuten später drehten alle am Rad, aber ab der 65. Minuten spielten wir nur noch zehnt. Bernardo sah gelb-rot.

Doch statt Ball und Gegner laufen zu lassen und weiteren Zweikämpfen durch schnelles und sicheres Passspiel aus dem Weg zu gehen, ging den unseren plötzlich der Arsch auf Grundeis – und versuchten dies mit Offensivspiel zu kompensieren. In Unterzahl führt dies natürlich nicht zwangsläufig zu mehr Ballverlusten, bei den unseren aber schon, und das wiederum zu mehr Umschaltmomente bei mehr Platz für die Gäste.

Bis zur 80. Minute ging das gut, dann aber landete der Ball in Olis Netz. Doch auch der Treffer wurde durch den VAR (zu Recht) aberkannt.

Lustigerweise bekam der Torschütze den Ball an die Hand, als er Coufal wegstieß. Weniger lustig war die Parallele zum 1. Durchgang, denn wie wir erst ein irreguläres, dann ein reguläres Tor erzielten, war dies jetzt umgekehrt der Fall. Der Flankengeber wurde nicht angegriffen, der Ball flog hoch und weit, Kabak sprang auch hoch, aber sein Gegenspieler mit Anlauf noch höher. Ausgleich.

Immerhin ein Punkt, dachte man sich auf den Rängen, bis kurze Zeit darauf Avdullahu (!) als letzter Mann (!!) an der Mittellinie (!!!) gegen zwei (!!!!) Gegenspieler den Ball verlor. Das wird der Nackenschlag, dachte man sich, denn der Stürmer der Gäste lief ganz allein auf Oli zu. Der aber behielt die Nerven und hielt den Ball.

Und trotzdem reichte es nicht, weil der Schiedsrichter statt auf Einwurf für die TSG auf Freistoß für den HSV in deren Strafraum entschied. Ein letzter Angriff. Abgewehrt. Ein letzter Eckball. Abgewehrt. Aus 20 Meter draufgehalten. Wieder 2:3. Schlusspfiff.

Ja, alles andere als ein gutes Spiel. Aber auch nicht so schlecht. Dennoch war es die 4. Niederlage im 5. Spiel. 3 Punkte. Platz 17.

Zu Beginn war es eine Ergebniskrise, jetzt wird es aber mehr und mehr zu einer Sinnkrise. Man kann der Mannschaft weder Willen noch Wollen absprechen und auch das Können ist vorhanden, aber es fehlt das Erfolgserlebnis.

Natürlich könnte man nun die Historie bemühen:

In der Spielzeit 2015/16 starteten wir noch schlechter. Da hatten wir nach 5 Spieltagen nur einen Punkt, lagen damit aber auf Platz 15. Am 6. Spieltag konnten wir unsere Punktezahl zwar verdoppeln, fielen aber auf Platz 17 zurück.

Und die ganze Spielzeit über blieben wir im Abstiegskampf. Nach damals zwei Trainerwechseln in der Saison (Gisdol -> Stevens -> Nagelsmann) landeten wir am Ende mit Ach und Krach auf Platz 15 – und ein Jahr später auf Platz 4, der uns immerhin ein Gastspiel an der Anfield Road bescherte. So viel zur Historie. Und was lernen wir daraus?

Nichts!

Daraus gibt es auch nichts zu lernen. Aus den bisherigen Spielen aber schon.

Vielleicht sollten wir, ohne jetzt „die Trainerfrage“ zu stellen, die Trainerantworten beherzigen, um nicht immer verkloppt zu werden, also die Antwort des Bundestrainers Klopp:

„Wenn du nur an die Offensive denkst, wird dich die Defensive immer killen.“

„Fußballerische Qualität wird dann sichtbar, wenn eine Mannschaft eine Stabilität im Defensivverhalten hat.“

„Defensive Stabilität ist die Grundlage von allem. Alles, was defensiv getan wird, führt dazu, dass in der Offensive die Freiheit und die Risikobereitschaft an den Tag gelegt werden können.“

Dies war Bestandteil der Leitlinien, mit denen er seine Mannschaft wieder „lebendig“ machen wolle. Und es braucht auch nicht viel, unsere TSG wieder lebendig zu machen.

Die Diagnose unserer m/w/d-Otorhinolaryngologen, -Ökotrophologen, -Ophthalmologen, -Kardiologen, -Internisten, -Gastroenterologen, -Orthopäden, -(Küchen-)Psychologen und -Proktologen ist eindeutig:

Das Hauptproblem der TSG ist weder …

  • … der Frosch im Hals (Ilzer auf der PK),
  • … die Bohnen in den Ohren (Bernardo, der nach seiner 1. Verwarnung offensichtlich den Schuss nicht gehört hat),
  • … die Tomaten auf den Augen (Lemperle, der ständig im Abseits steht),
  • … Blei in den Beinen (Burgers Version eines Filigrantechnikers),
  • … Butter in den Knien (Avdullahu, wenn er mal zentral marschieren könnte),
  • … das Herz in der Hose (Daghim, wenn er aufs Tor durchstarten könnte),
  • … das Brett vorm Kopf (Kabak, der ständig den freien Coufal übersieht),
  • … der Kopf im Sand (Avdullahus Körpersprache nach einem Gegentreffer) noch die
  • … Scheiße an den Füßen (Lemperle), obwohl das auch ein Riesenthema ist.

Es ist der Stock im Arsch. Den gilt es zu lösen, dann löst sich auch alles Weitere – auch auf die Gefahr hin, dass dies dann auch wieder wem stinkt. (vgl. Volksmund:

„Aus einem verkniffenen Arsch kommt kein fröhlicher Furz.“)

Wir hätten jetzt unseren Dampf abgelassen.
Danke für deine Aufmerksamkeit, geneigte/r Leser/in.

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