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Akademikerfanclub 1899 Hoffenheim Rhein-Neckar Heidelberg 2007 e. V.

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1899 Hoffenheim vs. VfB Stuttgart

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Erwartungen

Jubel, Trubel und eine befremdliche Bitterkeit.

Keine drei Punkte im Heimspiel gegen den VfB, dafür drei Tore auf der einen, drei Tore auf der anderen Seite und dadurch nun – durch den Dreier von Bayer – drei Mannschaften hinter Platz 3, der für die Teilnahme an der UEFA Champions League berechtigt.

Es war das erste von drei Finalspielen, in dem man sich profilieren und seine Befähigung, seine Champions League-Reife unter Beweis stellen kann – und wie auch nicht anders zu erwarten, blieb die Mannschaft – gemessen am Halbfinalspiel vergangenen Dienstag – bereits im Spiel hinter den Erwartungen zurück, während so mancher Foren-Fan den Ausgang des Spiel prächtigst zur eigenen Profilierung als Groll- und Prollmeister auf weltklasse Unterklasseniveau zu nutzen wusste.

Wir haben hier an dieser Stelle schon oft, wenngleich seit längerem nicht mehr, das Stufenmodell der Moralentwicklung nach Lawrence Kohlberg bemüht. Stark vereinfacht lässt es sich so darstellen:

  • Präkonventionelle Ebene (Kindheit):
    Moralische Urteile basieren auf externen Konsequenzen.

    • Stufe 1:
      Orientierung an Bestrafung und Gehorsam (Regeln einhalten, um Strafe zu vermeiden).
    • Stufe 2:
      Kosten-Nutzen-Orientierung / „Wie du mir, so ich dir“ (eigenes Interesse steht im Vordergrund, Tauschgeschäfte).
  • Konventionelle Ebene (Jugendliche/Erwachsene):
    Moral wird durch soziale Normen und Erwartungen bestimmt.

    • Stufe 3:
      „Good boy/nice girl“-Orientierung (Anpassung an Erwartungen, Harmonie).
    • Stufe 4:
      Orientierung an Gesetz und Ordnung (Pflichtbewusstsein zur Aufrechterhaltung der Gesellschaft).
  • Postkonventionelle Ebene (wenige Erwachsene):
    Moral basiert auf selbstgewählten, universellen ethischen Prinzipien.

    • Stufe 5:
      Sozialvertrags-Orientierung (Regeln werden hinterfragt und zum Wohl der Allgemeinheit angepasst).
    • Stufe 6:
      Ethische Prinzipien (Gewissensentscheidungen auf Basis universeller Menschenrechte).

Hier kann sich ja jede/r selbst einordnen – und wer sich über Stufe 2 sieht, z. B. auf Stufe 5, sollte vielleicht noch die drei wichtigsten Merkmale dieser Theorie bedenken:

    • Kein Überspringen:
      Die Stufen werden in fester Reihenfolge durchlaufen.
    • Lebenslanger Prozess:
      Moralentwicklung ist nicht nur auf die Kindheit beschränkt.
    • Logik:
      Kognitive Fähigkeiten sind Voraussetzung für höhere moralische Stufen.

Wir alle kennen diesen Blick von Kleinstkindern, die sich erst umschauen, bevor sie einem anderen Kleinkind im Sandkasten die Schippe über die Rübe zimmern. Um mal ein Beispiel für Stufe 1 zu nennen. Für Stufe 2 dann das Pubertier, das gerade vor Weihnachten sich gerne von seiner besten Seite zeigt, wobei sich Fragilität hin zu Stufe 3 spätestens dann zeigt, wenn X nicht unter dem Baum liegt. Diese Mischung aus enormer Erwartungshaltung und null Impulskontrolle ist aber nicht nur bei jenen, sondern auch und gerade bei Forenfans immer wieder anzutreffen.

Aber auch das ist halt das Schöne am Fußball. Es offenbart den Menschen. Wenn Kramaric nach dem Spiel davon spricht, dass die Mannschaft das Spiel „zu unreif, sehr unerfahren“ zu Ende gespielt hat, dann ist das nachvollziehbar. Er selbst hatte vor dem Spiel seine Vertragsverlängerung bekanntgegeben, hatte zwei Tore gemacht, da ist klar, dass er maximal enttäuscht ist. Und auch, dass er dabei unterschlägt, dass er mit seinem Ballverlust wesentlich zum Anschlusstreffer der Gäste zu 2:3 beigetragen hat oder mit dem ein oder anderen ungenauen Abspiel eine vorzeitige Entscheidung verunmöglicht hat. Aber sich darauf jetzt zu fokussieren, gebührt sich schlicht nicht. Darf man machen, zeigt aber, aus welch moralisch morschen Holz man geschnitzt ist.

(Und nicht nur unsere Schreinermeister wissen, wie gut sich morsches Holz schnitzen lässt bzw. was mit morschem Holz passiert, wenn man es zu schnitzen gedenkt.)

Wer hätte gedacht, dass er der TSG weitere Jahre die Treue zu halten gedenkt?

Wer hätte gedacht, dass wir so cool, souverän und mutig auftreten und nach wenigen Minuten bereits verdient mit 1:0 führen?

Erst nach dem Führungstreffer wurde die erste Erwartungshaltung befriedigt: Die Gäste zeigten eine technisch reife und dynamisch sehr ansprechende Gegenwehr, die unsere Defensive vor schwere Aufgaben stellte. Und diese hielt stand – im Wesentlichen. Nur Oli hielt nix.

Auch das ist keine Wertung, nur eine Feststellung. Es war nur eine weitere Parallele zur Partie, die am Dienstag der Vorwoche gespielt wurde, die auch in der Pressekonferenz nach dem Spiel ihre Erwähnung fand:

„Das war das kleine PSG gegen den FC Bayern. Vielleicht nicht ganz mit der herausragenden individuellen Klasse und trotzdem mit ganz viel Mut und Offensivkraft. (…) Das war sicher Werbung für den Fußball und dafür (…) steht die TSG dieses Jahr in sehr vielen Spielen.“
(Sebastian Hoeneß)

Olis Vorgänger im Tor der deutschen Nationalmannschaft hielt in der besagten Begegnung keinen einzigen Ball, musste aber fünf (!!!) Mal hinter ich greifen. Bemerkenswerterweise, ohne einen Fehler gemacht zu haben. Der Ausgleich hingegen war schon Baumanns Bock – und leider auch nicht der einzige, aber das ist halt nun mal das Problem bei Torhütern: Wenn sie einen Fehler machen, hat er sehr oft sofort „zählbare“ Konsequenzen.

Aber so plötzlich und unvermittelt der Ausgleich fiel, so plötzlich und unverhofft ging die TSG durch Tourés Schüsschen und Kabaks Hüpfer wieder in Führung.

Wer hätte das gedacht?

Und auch wenn im ersten Durchgang kein weiterer Treffer fiel, fiel das Spiel bis zum Halbzeitpfiff nicht ab – und auch danach nicht. Das war in der Spielzeit bisher schon das ein oder andere Mal der Fall. Diesmal nicht. Auch wenn es erst so anmutete, als Oli seinen Nationalmannschaftkollegen im Sturm der Gäste bei einem Abschlag, als der ihn anstürmte, so „glücklich“ anschoss, dass der Ball knapp neben dem Kasten landete?

Wer hätte gedacht, dass Oli ausgerechnet in so einem Spiel so ein Nervenbündel ist?

Wer hätte gedacht, dass Oli ausgerechnet nach so einem (Fast-)Faux pas so nervenstark ist, wieder langsam von hinten aufzubauen, was das 3:1 durch Tourés Hammersturmlauf und Kramarics Coolness einleitete?

Wer hätte gedacht, dass sich sein Nationalmannschaftskollege gegenüber ein Beispiel in puncto Nervenflattern nehmen würde, und Asllani, als der ihn anstürmte, anschießen würde? Und der Ball wäre sogar ins Tor gegangen, aber er bekam leider noch seine Hände dran.

Wie auch später an Coufals Freistoß sowie seinen Kopf an Burgers Knaller und dadurch ebenso das 4:2 verhinderte, wie zuvor der Innenpfosten das 4:1.

Ja, wer hätte gedacht, dass wir so viele Chancen gegen diesen Gegner bekommen würden?

Ja, und wer hätte gedacht, dass aus einem Standard für uns das 2:3 für die Gäste fallen würde, weil eben Kramaric den Ball nicht festmachen und Oli den Schuss danach nicht festhalten konnte?

Niemand. Niemand. Niemand. Jedes Mal wurden die Erwartungen enttäuscht – mal im Positiven, mal im Negativen. Und Letzteres halt ganz besonders nach dem Platzverweis für die Gäste.

Wir nutzen die Räume, aber nicht die Möglichkeiten. Plötzlich versagte das Passspiel, plötzlich fehlte die letzte Konsequenz, plötzlich wurden wir nervös.

Die Gäste hatten in Unterzahl allein in der sechsminütigen Nachspielzeit drei Chancen auf den Ausgleich – und die letzte, die einzige, die Oli eigentlich parierte, nutzen sie im Nachschuss zum Ausgleich.

Der ohnehin schwache Schiedsrichter, der die ganze Zeit während der Nachspielzeit eine Verlängerung derselben andeutete, pfiff das Spiel zwar noch mal an, aber dann ab – und dann pfiffen … die Zuschauer. Natürlich wegen des Abpfiffs, aber irgendwie schien sich da auch der Groll Bahn zu brechen, dass die Mannschaft den Vorsprung nicht über die Zeit brachte.

Und natürlich war das hochgradig ärgerlich, aber es sind ja noch zwei Spiele zu spielen – und noch haben wir es selbst in der Hand. Wir müssen halt noch zweimal siegen – und / aber das halt hoch, denn …

… Bayer 04 auf Platz 4 hat ein +7 besseres Torverhältnis als wir.
… Stuttgart auf Platz 5 hat ein +4 besseres Torverhältnis als wir.
Und: Die beiden spielen nächste Woche gegeneinander. Spielen sie unentschieden, und wir siegen: alles gut, denn …

… gewinnt Bayer, müssen wir auf den HSV hoffen, der dann aber bereits gerettet in der BayArena antritt.
… gewinnt der VfB, müssen wir darauf hoffen, dass die Eintracht ihr letztes Heimspiel nutzt, um sich das letzte europäische Ticket zu sichern.

Voraussetzung ist jeweils, dass wir unsere Spiele gewinnen und, …
… gewinnt Bayer alle seine Spiele, müssen wir in den zwei Spielen zwei Kantersiege einfahren mit mindestens zehn Toren.
… gewinnt der VfB alle seine Spiele, müssen wir in den zwei Spielen zwei Kantersiege einfahren mit mindestens sieben Toren.

Ja, es wäre in dem Spiel mehr drin gewesen. Aber lag es an dem einen Spiel? An der einen Minute? Oder nicht eher am 1:1 gegen Wolfsburg? 2:2 gegen Köln und Augsburg? 0:1 gegen St. Pauli, 1:2 gegen Mainz und 0:5 in Leipzig?

Es fühlt sich zwar an, als ginge da nichts mehr, aber nach 15 Spielen der Hinrunde lagen wir mit 27 Punkten und 29:20 Toren (+9) auf Platz 5 – und wurden da am Ende 3.

In der Rückrundentabelle liegen wir nach 15 Spielen mit 25 Punkten und 28:27 Toren auf Platz 6 – und werden am Ende … schauen wir mal.

Noch ist es ja möglich, sich für die UEFA Champions League zu qualifizieren. Und die Teilnahme an der UEFA Europa League ist ja schon sicher.

Wer hätte das vor der Saison erwartet?

Keiner. Was wir aber alle haben ist gelacht, als Christian Ilzer letztes Jahr meinte, dass er in spätestens drei Jahren mit der TSG international wird spielen wollen. Tja, wer zuletzt lacht ….

Und daran erinnerte auch unser Trainer auf der Pressekonferenz nach dem Spiel – und auch daran sei ein/e jede/r hier erinnert:

„Ich juble lieber in zwei Wochen, als wenn ich heute gejubelt hätte.“

 

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