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Akademikerfanclub 1899 Hoffenheim Rhein-Neckar Heidelberg 2007 e. V.

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1. FC Köln vs. 1899 Hoffenheim

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Die Kraft des Nichts

Teilchenphysik erklärt Auftaktpleite

Unvorstellbar! Simma mal ehrlich: Niemand, wirklich niemand unter uns, konnte sich um 17.30 Uhr am gestrigen Samstag erklären, warum die TSG ihre Auftaktpartie beim 1. FC Köln verloren hat.

Ja, man sah, die Irrungen und Wirrungen unserer Spieler insbesondere in der Defensive, aber das erklärte die Irrungen und Wirrungen selbst nicht. Man konnte alles beobachten und erklären, wie etwas ist, aber das Warum blieb offen.

Ein erster Ansatz beruhte auf der These, dass die Kölner die Kabine unserer Mannschaft verwanzt hatten. Das Indiz war evident – zumindest auf den ersten Blick: Der Gastgeber kopierte in der zweiten Halbzeit die Spielweise unserer Mannschaft im ersten Durchgang, entwickelte dabei aber mehr Druck, so dass sich unser Spiel nicht mehr so entfalten konnte. Betrachteten wir die These aber in einem größeren Zusammenhang, ähnelte sie immer mehr der These derer, die meinen, die Mondlandung 1969 war ein Fake.

Die Befürworter dieser These führen ja auch zahlreiche Evidenzen an:

      • Die US-Flagge weht im Wind (und den gibt es auf dem Mond nicht).
      • Auf den Fotos sind keine Sterne zu sehen.
      • Das Foto des Fußabdrucks von Buzz Aldrin ist so scharf und konturiert, dass sie ohne Feuchtigkeit nicht darstellbar sei.

Es gibt derer viele mehr, und alle lassen sich einfach erklären: So wurde die Flagge an einer L-förmigen Stange im Vakuum aufgespannt und in den Boden gerammt, was Bewegung erzeugte. Sie verharrte also sehr lange in dieser Bewegung, die als Wehen gedeutet wurde, denn es gibt ja, wie die Skeptikerinnen und Skeptiker richtig sagen, keinen Luftwiderstand. Genug Zeit für ein Foto.

Das waren Tagesaufnahmen, was man ja an der Helligkeit der Anzüge sieht oder den Schatten. Wie viele Sterne sieht man bei uns tagsüber? Und das Blau unseres Taghimmels kommt von der uns umgebenden Atmosphäre, genauer: der Rayleigh-Streuung, die das kurzwellige, blaue Licht der Sonne in alle Richtungen ablenkt und streut. Der Mond hat eine solche Atmosphäre nicht, damit auch keine Rayleigh-Streuung und damit auch keinen blauen Himmel.

Wie bereits oben sorgt Ahnungslosigkeit für Peinlichkeit. Peinlich insofern, als dass man eine These mit Vehemenz vertritt, weil sie auf Basis der einem selbst zur Verfügung stehenden Informationen absolut logisch und schlüssig erscheint. Problem dabei ist lediglich: die einem selbst zur Verfügung stehenden Informationen sind bestenfalls dürftig – und alles, was man sieht, wird sofort in die eigene Wissenswelt integriert und in der dann interpretiert.

Es gibt zahlreiche Beispiele im Alltag hierfür. Hier ist eines:
Person A erzählt etwas, um etwas, irgendetwas, von Person X zu bekommen (z. B. „Mein Opa liegt im Sterben.“, „… und dann fliegen wir auf die Seychellen.“, „Ich liebe dich sehr!“) – und sie bekam es. Aber nichts davon stimmte. Klar, ist Person A dann, wenn die Wahrheit ans Licht kommt, „tot“.
Person X hört dann Ähnliches von Person B („Meine Oma liegt im Sterben.“, „… und dann fliegen wir auf die Bahamas.“, „Ich liebe dich!“) – und auch da erst Einwilligung, dann Erkenntnis, dann „Fuck off!“
Die arme Person C. Sie weiß nicht, warum sie aus dem Nichts angebrüllt und von Person X rausgeschmissen wird, nur weil sie fragte, ob man nach der bald anstehenden Beerdigung der Eltern zusammen nicht mal einen Liebesurlaub auf Mauritius verbringen wolle. Da würde auch ein Zeitungsbericht über eine Naturkatastrophe, bei der Dutzende Menschen starben, und alle Beteuerungen, dass die Eltern unter den Opfern sind, nichts ändern.

Ein anderes Beispiel kennt der Volksmund: „Für jemanden, der nur einen Hammer hat, sieht jedes Problem aus wie ein Nagel!“

Zurück zum Mond: Der Fußabdruck ist nicht auf Sand, wie wir ihn von der Erde kennen, sondern auf Mondstaub, sprich: Regolith. Auf der Erde schleifen Wind und Wasser Sandkörner über Jahrtausende rund. Mondstaub entsteht hingegen ausschließlich durch Mikrometeoriten-Einschläge, die das Gestein zertrümmern. Die einzelnen Regolith-Partikel sind winzig, rauchpartikelgroß und alles andere als rund, sie sind extrem scharfkantig, und unter den Sohlen werden diese hakenförmigen Teilchen ineinandergepresst und verzahnen sich miteinander – ganz ohne Feuchtigkeit – und bleiben so, denn es gibt ja weder Wind noch Wasser, was diese Konstruktion verändern könnte.

Zurück zum Spiel:
In der ersten Halbzeit standen wir insgesamt sehr kompakt und verschoben in der Formation auch als Entität. Das barg natürlich das große Risiko des langen Balles, denn, wenn die Kölner mal den Ball weg- und nach vorne würden dreschen können, war sehr viel Wiese zwischen letztem Verteidiger und Torwart – und Köln hat schnelle Spieler.

Im Großen und Ganzen konnten wir das sehr gut vermeiden, dennoch hatten die Gastgeber die erste Großchance, als deren Sturmspitze plötzlich frei vor Oli war. Dies resultierte aber aus einem höchst schlampigen Zuspiel Avdullahus im Spielaufbau in der eigenen Hälfte, wo er das erste Mal den Fehler machte, den die Mannschaft mit zunehmender Spieldauer immer öfter beging: Er spielte im defensiven Drittel in die Mitte.

Aber es ging gut. Oli hielt und kurz darauf erzielte Daghim ziemlich überraschend, um nicht zu sagen: aus dem Nichts, das 1:0 für die TSG.

Unvorstellbar. So ein Schüsschen. Ein Kullerball. Aber drin. Geil. Und noch besser: Die Mannschaft ließ nicht nach, ihre Spielkontrolle nahm zu, auch wenn weitere Großchancen ausblieben, aber insgesamt wirkte alles sehr souverän und stabil. Dasselbe nochmal 45 Minuten, und wir haben unseren ersten Dreier der Saison.

Allerdings war nicht zu erwarten, dass die Domstädter den zweiten Durchgang ähnlich passiv angehen würden, wie sie den ersten beendeten. Und so kam es auch – und sie mit großer Intensität aus der Kabine. Dann gelang ihnen auch mal so ein befürchteter langer Ball, den Oli aber wieder prima parierte.

Die Mannschaft machte weiter mit ihrem Spiel, aber die Kölner diesmal auch. Die TSG versuchte weiterhin mit stabilem Passspiel die Kontrolle über das Spiel zu wahren, die Gastgeber hielten aber inzwischen weniger resolut dagegen, dafür kompakter. Wie gesagt: Sie kopierten im 2. Durchgang unser Spiel des ersten Durchgangs. Da aber gehörten schon die sehr schlechten Klärungen in der Abwehr – meist zu kurz und eben viel zu oft mittig – dazu – und … Ausgleich Köln.

Unhaltbar.
Unfassbar.
Unvorstellbar. Eigentlich. Denn die TSG spielte zwar mit einigen ihrer neuen Spieler, aber die Defensive war die alte. Eingespielt wirkte sie allerdings nicht. Natürlich spielte es auch eine Rolle, dass Bernardo da bereits verletzt war, aber noch nicht eingewechselt werden konnte, und just er es war, der den Ball hochunglücklich per Ellenbogen ins eigene Tor abfälschte, dennoch … von der letzten Reihe eines Teilnehmers der UEFA Europa League hätte man weniger Ähnlichkeit zu einem Hühnerhaufen erwartet.

Doch danach krähte kurz danach kein Mensch mehr, weil die TSG weiterhin spielerisch spielte, die Stafetten waren alle hochansehnlich und führten dann sogar zu einem Strafstoß für uns.

Hätten die Trainer das geahnt, hätten sie wahrscheinlich Kramaric für den unauffälligen Hlozek eingewechselt (Hranac ersetzte Bernardo), aber so schnappte sich der gerade eingewechselte Moerstedt mit großem Selbstvertrauen die Kugel und stand einer unserer vielen ehemaligen Nr. 2en im TSG-Tor, die jetzt Stammtorhüter bei ihrem Verein sind gegenüber. Schwäbe hielt. Scheiße.

Keine Panik. Kann passieren. Weiter. Natürlich schöpften die Kölner aus der für sie positiven Situation zusätzliche Kraft, was deren Feldenergie dramatisch erhöhte. Dennoch hatten wir hier noch ein stabiles System und mit Kabak einen noch stabileren Kopfballspieler bei Eckbällen. Er pflügte sich fair seinen Weg durch die Kölner Garden, hob ab, was sein Umfeld nicht tat, und platzierte den Ball hübsch tief im Eck. 2:1.

Der überzeugende Wimmer machte Platz für De Cat, unseren vermeintlichen Stareinkauf im Sommer, dem man natürlich noch Zeit geben muss, aber genau die hatte er in dem Spiel nicht. Kaum war er drin, war es der Ball auch, im Tor, allerdings in unserem. Ausgleich. Wieder nach enormen Lücken im Defensivverhalten. Wir spielten hinten einen rechten Quark zusammen. Und nicht nur einen.

Das deutsche Lebensmittelrecht unterteilt Quark in drei Grundstufen, die sich primär nach dem Fettgehalt in der Trockenmasse (i. Tr.) unterscheiden.

      1. Magerquark / Magerstufe (unter Fett i. Tr., real meist ca.  Fett)
      2. Viertelfett- / Halbfettstufe (ca. bis  Fett i. Tr.)
      3. Rahmstufe (Fett i. Tr.) & Doppelrahmstufe ( Fett i. Tr.)

Dazu kommen noch Sonderformen wie Schichtkäse (ungerührter Quark in Schichten) oder die meist etwas trockener gepresste Variante aus der Heimat unserer sportlichen Leiter Topfen.

Aber nicht nur im Supermarkt gibt es Quarks, sondern auch in der Teilchenphysik und – bitte, geneigte/r Leser/in, bleib‘ dran – hier findet sich die Erklärung für den Zerfall unseres Spiels.

Quarks befinden sich in den Protonen und diese wiederum im Atomkern. Während in winzige, negativ geladene Elektronen in der Elektronenhüllen in relativ gesehen riesigem Abstand um den Atomkern herumschwirren, sitzen die Protonen (meist zusammen mit den ungeladenen Neutronen) im Atomkern eng aneinander gequetscht. Der Kern ist unfassbar winzig, enthält aber fast das gesamte Gewicht des ganzen Atoms.

Unvorstellbar? Wird noch besser.

In der klassischen Betrachtung bestehen diese winzigen Protonen aus drei (sogenannten Valenz-)Quarks. Die Gewicht (Masse) dieser Quarks macht aber nur 1-2% der Gesamtmasse des Protons aus. Woher kommen also die anderen 98-99%? Aus der Bindungsenergie der Starken Wechselwirkung, sprich: Feldenergie (s. o.)

      • Die Quarks werden durch sogenannte Gluonen (die Austauschteilchen der starken Kernkraft) zusammengehalten.
      • Das Kraftfeld zwischen den Quarks ist extrem stark. Dabei bilden die Bewegungsenergie (kinetische Energie) der sich fast mit Lichtgeschwindigkeit bewegenden Quarks sowie die Feldenergie der Gluonen den Hauptteil der Energie im System.
      • Nach Einsteins berühmter Äquivalenzformel (bzw. ) manifestiert sich diese gebundene Energie von außen betrachtet direkt als Trägheit – also als Masse des Protons.

Das bedeutet: Wir sind zu gut 99% „Nichts“. 🙂

Unvorstellbar?

Nein. Man schaue sich nur den Weltraum an. Da eine Galaxie, da eine Sonne, da ein Planet, da ein Mond, da ein Komet, da ein Meteorit. Und dazwischen? Nichts. Irgendwelche Kräfte, dunkle Materie, irgendwas, aber sehen? Kann man nichts. Und so ist alles auch auf dieser Welt. Im elektronenmikroskopisch Kleinen. In allem, was uns umgibt, in allem, was uns ausmacht, in allen unseren Zellen, tief, tief drin, bestehen wir aus „Nichts!“

O. K., So würde es vielleicht Sartre oder Nietzsche formulieren, Einstein, Feynman, Hawking würden es eher so erklären, dass der Großteil der Masse unserer alltäglichen Materie (da wir und alles um uns herum aus Protonen und Neutronen bestehen) im Grunde genommen nichts weiter ist als reine Bindungsenergie in Ruhe.

Für alle, die auf Datingplattformen unterwegs oder sonstwie auf Partner(innen)suche sind: Nein, damit lässt sich „Bindungsangst“ nicht erklären.

Und wir würden aus kommunikativer Sicht stark davon abraten, dies in einem Chat auf einem Portal oder an einem Tresen zu einem Thema zu machen, auch wenn unser Trainer alles, was er trainieren lässt, um Defizite zu kompensieren, „Thema“ nennt – es sei denn, man selbst hat Bindungsangst und will, dass dieser Chat ein schnelles Ende findet. Ist aber natürlich Geschmackssache.

Lustigerweise nennt man die verschiedenen Arten von Quarks in der Physik „Geschmacksrichtungen“ („Flavours“). Sie sind paarweise in sogenannten Generationen aufgeteilt:

      1. Up (u) & Down (d) – Sie bilden die Protonen und Neutronen und machen damit fast die gesamte normale Materie im Universum aus.
      2. Strange (s) & Charm (c) – Schwere Quarks, die in hochenergetischer Strahlung oder in Teilchenbeschleunigern entstehen.
      3. Top (t) & Bottom (b) – Die extrem schweren Quarks (das Top-Quark ist so schwer wie ein ganzes Gold-Atom!).

(u) & (d) sind die sogenannten Alltags-Quarks, denn nur sie gibt es wirklich wirklich. Die beiden anderen Generationen sind extrem instabil. Sie zerfallen nach winzigsten Bruchteilen einer Sekunde (oft innerhalb von Nano- bis Attosekunden) in die leichteren, stabilen Up- und Down-Quarks. Es gibt sie lediglich in der kosmischen Strahlung, wenn hochenergetische Teilchen aus dem Weltall (z. B. von der Sonne oder aus fernen Galaxien) mit ungeheurer Geschwindigkeit auf die Atome unserer oberen Erdatmosphäre treffen, oder bei sogenannten „Teilchenleichen“, wenn im Inneren von kollabierten Sternen Atomkerne schmelzen. Zudem muss, zumindest in der Urknall-Theorie, in den allerersten Sekunden nach dem Urknall das Universum so heiß und energiereich sein, dass alle 6 Quark-Sorten friedlich und in gewaltigen Mengen im sogenannten Quark-Gluon-Plasma nebeneinander existierten. Aber sie können in Forschungsanlagen wie dem CERN in Experimenten nachgewiesen werden.

Unvorstellbar?
Nein, nein. Stellen wir uns ein Atom vor wie ein Haus. Da sind Up & Down die Ziegelsteine, aus denen das Haus gebaut ist. Die anderen sind eher wie das hochexplosive Feuerwerk beim Richtfest: Sie leuchten für einen winzigen Moment extrem energiereich auf, verschwinden dann aber sofort wieder.

Oder wie eine Mannschaft.

Up & Down sind die Spieler – und die anderen gibt es nur in der Konfrontation oder dem inneren Zerfall, und der geschieht bei einem enormen inneren Druck, der dann zu einem Mix aus Quarks führt, sogenannter „Strange-Materie“.

Und „seltsam“ beschreibt ganz gut, wie die Mannschaft die letzten 20 Minuten agierte, denn nach wie vor haute sie keinen Ball einfach mal raus (Offensichtlich will Ilzer von „Hoch und weit bringt Sicherheit!“ nichts wissen, zumal es ja auch nicht stimmt, zumindest nicht physikalisch, denn Sonneneruptionen oder Supernovae eben zu (sehr) schweren Quarks führen können.), sondern klärte weiter kurz und in die Mitte.

Immerhin hatte Oli dadurch die Chance, sich beim neuen Bundestrainer in Erinnerung zu rufen, aber darauf hätte er gewiss sehr gerne verzichtet. Er hielt, was zu halten, war, das 3:2 war es wieder nicht, weil wir wieder schlecht verteidigten und wieder Pech hatten. Eigentlich war die Situation geklärt, aber halt nur eigentlich. Der Ball kam zurück, und Moerstedt bekam das Spielgerät derart doof ans Bein, dass der Kontakt zur Vorlage wurde.

Das war’s.

Die Mannschaft war fit, physisch top, aber psychisch? Da wirkten seltsamen Kräfte („Strange-Materie“) letztlich physikalisch auf unser Team ein, die den Zusammenhalt der Gluonen erodieren ließ und damit zu einem Rückgang ihrer Feldenergie führte.

Vielleicht muss das Spiel in puncto Physik einfacher werden, ohne dabei in puncto Physis nachzulassen. Spielstärke haben wir ja. Nur müssen wir die Kraft auch aufs Feld bringen. Wir schlagen hier das Aktionsprinzip des Zweiten Newtonschen Gesetzes vor, wonach Kraft das Produkt ist aus Masse mal Beschleunigung:

F = m * a.

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