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Akademikerfanclub 1899 Hoffenheim Rhein-Neckar Heidelberg 2007 e. V.

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1899 Hoffenheim vs. FC Augsburg

Großes Kino

Endlich ging ein Buck durch die Mannschaft …

Wer sich halbwegs für deutsche Filme interessiert, kennt ihn und musste gestern fast unweigerlich an ihn denken, obwohl das wohl auch passiert wäre, hätte das Spiel den Verlauf wie die letzten sieben Ligaspiele genommen, denn dann hätte der Titel seines letzten Films perfekt gepasst: „Wir können nicht anders.“

So aber war der Titel des Filmes, der ganz offensichtlich Pate stand für sein letztes Werk, der 1993 unter anderem die Auszeichnungen beim Deutschen Filmpreis erhielt für „Bestes Drehbuch“ sowie für ihn, Detlev Buck selbst, „Bester Film – Filmband in Silber“: „Wir können auch anders.“

Dieser Film passt als Analogie aber nicht nur des Filmtitels wegen perfekt zum gestrigen Spiel und Sieg sowie Taktik, sondern auch wegen der Filmmusik, die im Wesentlichen immer auf demselben Lied basiert, welches in unterschiedlichen Varianten dargeboten wird, ohne dabei allerdings die Barockhaftigkeit und Strenge von Bachs Clavier Ubung bestehend in einer ARIA mit verschiedenen Verænderungen vors Clavicimbal mit 2 Manualen (besser bekannt unter dem Namen: Goldberg-Variationen (BMV 988)) aus dem Jahre 1741 haben. Das Lied ist nicht nur etwas moderner (komponiert 1954 von Wassili Solowjow-Sedoi), es hat einfach auch den griffigeren Titel: В путь („w putj“).

Wie man an dem Namen des Komponisten schon erahnen kann, …

(obwohl Namen sehr irreführend sein können, schließlich ist van Beethoven ja auch kein Holländer; auch sind weder der Komponist des CanCan Jacques Offenbach noch Frédéric Chopin Franzosen) °

… und das obige Video einen stark vermuten lässt, handelt es sich um ein sowjetisches Soldatenlied, dessen Titel man am besten wohl mit „Marsch!“ übersetzt – oder eben so, dass er zu uns passt und das beschreibt, was wir sind: „Auf dem Weg!“

So heißt es im Original einleitend:
Путь далёк у нас с тобою, *
Веселей, солдат, гляди! **

Der Rest sind eigentlich nur typische Worte und Phrasen eines Soldatenliedes, die Melodie und Rhythmus sowie natürlich auch die Intention des Liedes unterstreichen. Aber auch wenn man diese Worte nicht versteht, man spürt, dass der Titel des Liedes Programm ist:

Die Musik spricht – und sie hat Kraft, sie ist antreibend, sie macht Mut. Es geht immer weiter, es geht … und gewiss ist das kein Zufall, dass dies auch das letzte Wort des Liedes im Original ist:
в поход! ***

Also lassen wir diese Worte weg und finden die unseren, um dieses Spiel zu beschreiben.

* Unser Weg ist noch nicht am Ende.
** Kamerad, blick weit nach vorn!
Denn wir haben endlich voll gepunktet,
denn da unten hab‘n wir nichts verloren.

Tor! Tor! Tor!
Wir können doch noch siegen!
Mehr Tore schieß‘n als kriegen.
Weiter geht es dann – alle Mann – voran!

Von Anfang an ging’n wir nur nach vorne,
dominierten Ball und Spiel.
Doch wir mussten uns auch lang gedulden,
bis dann endlich uns‘re Führung fiel … und

Tor! Tor! Tor!
Wir können doch noch siegen!
Mehr Tore schieß‘n als kriegen.
Weiter geht es dann – alle Mann – voran!

Passiert ein Fehler, sind wir ‘ne Mannschaft,
die geschlossen zusammenhält.
Und wir spielen weiter voll nach vorne,
bis der nächste Treffer für uns fällt … und …

Tor! Tor! Tor!
Wir können doch noch siegen!
Mehr Tore schieß‘n als kriegen.
Weiter geht es dann – alle Mann – voran!

Passiert ein Fehler, sind wir ‘ne Mannschaft,
die geschlossen zusammenhält.
Und wir spielen weiter voll nach vorne,
bis der nächste Treffer für uns fällt … und …

Tor! Tor! Tor!
Wir können doch noch siegen!
Mehr Tore schieß‘n als kriegen.
Weiter geht es dann – alle Mann – voran!

Tor! Tor! Tor!
Wir können doch noch siegen!
Mehr Tore schieß‘n als kriegen.
Weiter geht es dann – alle Mann – …
*** voran!

Wenn man den Auftritt gestern mit den letzten Ligaspielen vergleicht, sah man, was ein Tag mehr Training ausmacht. Auf einmal stimmten viel mehr Laufwege und Zuspiele, auch wenn das Passspiel oft zu kompliziert oder zu ambitioniert war. Und so träge bisweilen im Spielaufbau das Spiel ohne Ball war, war das Spiel gegen den Ball gerade beim Versuch des Spielaufbaus der Gäste beeindruckend.

„Wow, wir können auch anders.“ frohlockte man da mit Erdnussflocken auf dem Sofa, die dann in großem Bogen durch die Luft segelten, nachdem dies der Ball im Strafraum der Gäste getan hatte und von Grillitsch per Kopf ins Tor befördert wurde.

Endlich mal wieder eine Führung. Und nicht nur hielt die lange Zeit, wir hatten auch viele gut herausgespielte, aber auch herausragend herausgekämpfte Chancen, um diese Führung weiter auszubauen.

Wermutstropfen: Leider gibt es noch keinen Film von Detlev Buck namens „Wir können ganz anders.“ Erster richtiger Angriff der Gäste, kein Zugriff im Vorfeld, keine Unterbindung der Flanke aus dem schnöden Halbfeld, keine Bissigkeit im Zweikampf, keine Chance für Baumann. Ausgleich.

Man fühlte sich eher an den Titel seines Films aus dem Jahre 1984 erinnert: „Erst die Arbeit … und dann?“ und neigte zur Resignation im Sinne des Titels seines Films aus dem Jahre 1986 „Normal bitte“. Doch direkt nach der Halbzeit entsprach die Mannschaft dem Titel seines nächsten Films (1987): „Worauf wir abfahren …“

Diesmal nutzten wir unsere erste Chance in dem Durchgang zum Torerfolg … Früher ging es auch kaum, denn es war noch keine halbe Minute nach Wiederanpfiff gespielt, als Grillitsch eine technisch sehr schöne Einzelleistung mit Heber am Sechzehner technisch noch schöner per Schieber ins lange Eck abschloss.

Natürlich fragte man sich da und sagte sich auch, dass in dem Spiel „Was drin ist“ (Titel von Bucks fünftem Film (1988) – und es war zu unserer großen Freude keine vier Minuten später der Ball. Erneut im Tor der Gäste.

„Knallhart“ (Bucks inzwischen 16. Film (2006)) war der Ball von Bebou gar nicht geschossen, wie auch schon nicht der zuvor von Grillitsch, aber halt nicht minder platziert – nur diesmal im kurzen Eck – oder wie der Titel von Bucks 20. Film lautet: „Same same but different“ (2009).

Vorausgegangen war ein sehr schönes Solo, zu dem der Mann viel zu selten ansetzt, denn wenn er mal in Fahrt ist, ist er, wenn, nur durch ein Foul zu halten. Diesmal nicht mal das – und wir waren es auch nicht, nachdem unsere Mannschaft die verbleibenden 40 Minuten bis auf sehr wenige Ausnahmen abgesehen extrem souverän zu Ende spielte und dabei noch mehr Tore hätte erzielen können – und eines auch tat, was aber aufgrund Kramarics überstehenden Schultereckgelenks wegen (oder so), jedenfalls Abseits nicht gegeben wurde.

Egal … endlich mal wieder ein Dreier, wo es doch jetzt gegen drei sehr starke Gegner geht. Aber mit diesem Sieg im Rücken, dem sicheren Weiterkommen als Gruppenerster in der Europa League vor Augen, geht man doch etwas zuversichtlicher in die nächste Bundesligapartie.

Und wenn es der Mannschaft an Motivation fehlen sollte, hier noch mal unsere jetzt leicht zukunftsgeneigtere (allgemeingültigere) Version von В путь zur Einstimmung:

Unser Weg ist noch nicht am Ende.
TSG, blick weit nach vorn!
Denn wir wollen wieder richtig punkten,
denn für oben sind wir auserkoren.

Tor! Tor! Tor!
Wir werden wieder siegen!
Mehr Tore schieß‘n als kriegen.
Weiter geht es dann – alle Mann – voran!

Von Anfang an geh‘n wir nur nach vorne,
dominieren Ball und Spiel.
Und wir bleiben mutig und geduldig,
bringen sicher dann den Ball ins Ziel … ins

Tor! Tor! Tor!
Wir werden wieder siegen!
Mehr Tore schieß‘n als kriegen.
Weiter geht es dann – alle Mann – voran!

Passiert ein Fehler, sind wir ‘ne Mannschaft,
die geschlossen zusammenhält.
Und wir spielen weiter voll nach vorne,
bis der nächste Treffer für uns fällt … und …

Tor! Tor! Tor!
Wir werden wieder siegen!
Mehr Tore schieß‘n als kriegen.
Weiter geht es dann – alle Mann – voran!

Passiert ein Fehler, sind wir ‘ne Mannschaft,
die geschlossen zusammenhält.
Und wir spielen weiter voll nach vorne,
bis der nächste Treffer für uns fällt … und …

Tor! Tor! Tor!
Wir werden wieder siegen!
Mehr Tore schieß‘n als kriegen.
Weiter geht es dann – alle Mann – voran!

Tor! Tor! Tor!
Wir werden wieder siegen!
Mehr Tore schieß‘n als kriegen.
Weiter geht es dann – alle Mann – …
voran!

P. S.: Das ist übrigens nicht die erste Eindeutschung des Liedes, für das der Komponist 1959 den Leninpreis erhielt. Nur der Vollständigkeit halber: Ivan Rebroff brachte eine 1970 zu Gehör.

Mit Verlaub und aller Bescheidenheit – wir finden unsere nicht nur weitaus besser, sondern so gut, dass man sie der Mannschaft vor jedem Spiel vorspielen müsste. Aber auf uns hört ja auch keiner … und das ist auch nicht immer falsch. :-)

P. P. S.: Meistens schon. :-) :-)

° Die beiden erstgenannten Komponisten sind Deutsche, der andere Pole.

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