Image Image Image Image Image Image Image Image Image Image

Akademikerfanclub 1899 Hoffenheim Rhein-Neckar Heidelberg 2007 e. V.

Scroll to top

Top

No Comments

1. FC Köln vs. 1899 Hoffenheim

Der Eiserne und die Jungfrau

oder:
Pleiten, Pech und die Furcht vor der Defloration

Wir hatten Chancen, wir hatten mehr vom Spiel, aber … wir hatten den Sieg nicht verdient. Dafür hatte die Mannschaft einfach – wie wir in unserem Trailer – (zu) viele Böcke.

Da war natürlich auch Pech dabei, aber auch sehr viel, sagen wir es politisch korrekt: „individuell sehr unglückliche Situationen.“ Allen voran Eisen-Ermin Bicakcic.

Erst verschuldet er so grund- wie sinnlos den Elfmeter, der die Kölner mit 1:0 in Führung bringt, dann gerät ein Kopfball von ihm auf des Gegners Tor eher zu einer Rückgabe und zuletzt fälscht er noch den Ball zum dritten Tor der Gastgeber ab.

Es gab wohl selten einen Spieler, auf den die wohlbekannte Abwandlung des Kant’schen kategorischen Imperativs von Andreas Brehme so sehr zutrifft, wie heute auf unsere Nr.4:

„Haste Scheiße am Fuß, haste Scheiße am Fuß!“

Nun werden wir uns hier nicht einen Einzelnen rauspicken. Insgesamt war das Spiel der Mannschaft, insbesondere der Abwehr und leider mit zunehmender Spieldauer auch die des Mittelfelds beachtlich behäbig, von anfangs potenziell bis später expotenziell pomadig und konsequent inkonsequent und wie schon so oft in dieser Saison erschreckend unpräzise.

Hinzu kam diesmal so nach und nach eine fast schon phobisch anmutende Berührungsangst, die alle Symptome des sogenannten „sluggish cognitive tempo“ aufweist, einer Aufmerksamkeitsstörung, die als Verwandte von ADHS angesehen wird.

Menschen, die davon betroffen sind bzw. die man darunter subsumiert, zeigen folgende Symptome:

  • ausgeprägte Verträumtheit und geistige „Benebelung“
  • Hypoaktivität und langsame Bewegungen, Energielosigkeit
  • starren häufig geistesabwesend vor sich hin
  • wirken oft sehr lethargisch, träge und schläfrig
  • sind mitunter leicht irritierbar und durcheinander zu bringen
  • haben in vielen Situationen Mühe, sich rasch zu orientieren und geschwind einen Überblick zu verschaffen
  • haben Schwierigkeiten, wachsam und aufgeweckt zu registrieren, was in ihrer Umgebung um sie herum passiert

(Quelle)

Dabei hatte es alles andere als schlecht für uns begonnen: Nach 42 Sekunden landete der Ball am Pfosten des Kölner Tores. Das geschah zwar nicht durch einen der unseren, aber verursacht durch unseren Sturm, der da mit viel Willen noch Druck machte. Wie gesagt, nach 42 Sekunden.

Doch schon recht bald wurde klar, dass wir in Sachen Druck nicht alles auf eine Karte setzten und insbesondere in puncto Willen gegen den Gegner an dem Tag ganz schlechte Karten hatten. (Interessanterweise scheinen sie besonders stark zu spielen, wenn ihre Fans ausgeschlossen werden, was ja schon mal der Fall war – und auch das war gegen uns. Damals holten wir aber wenigstens einen Punkt.)

Immer wieder verloren wir im Spielaufbau unnötig den Ball und gerne auch mal den Überblick, was besonders vor dem 1:0 deutlich wurde: Köln drosch den Ball einfach mal von hinten raus und ein einziger Angreifer hinterher. Bicakcic und Strobl sicherten hinten ab, aber mehr sich als den Ball, an den dann der Kölner kam und jener dann im Strafraum nach einem Zweikampf mit Bicakcic zu Fall.

Was schon wenige Minuten zuvor von den Kölner nach einem Zweikampf ihrer Stürmer mit Kim gefordert wurde, gab es jetzt: Elfmeter.

Es passte im Nachhinein gesehen zu unserem Spiel, dass Baumann den Ball nicht hielt, denn der Strafstoß an sich war miserabel geschossen, aber Baumann brachte das Kunststück fertig, über den Ball zu springen. Kein Vorwurf, nur sowohl die Reali- als auch eine Rarität.

Mit der Führung wurden die Kölner natürlich ruhiger und überließen uns die Spielgestaltung, was sich als zu viel für unsere Spieler gestaltete. Wir brachten die bekanntermaßen gut sortierte Abwehr in der Folgezeit nie in Verlegenheit, dagegen der Kölner Sturm die unsere schon – und das mit sehr wenig, meist reichte nur die physische Präsenz und unseren Spielern schien jegliches Selbstvertrauen verloren zu gehen.

Was ist das immer wieder nur? Und auch immer dann, wenn wir die Chance haben, uns auf einen Europa Cup-Platz zu schießen?

Spüren die Spieler, dass es zwar reizvoll, aber dann doch noch zu früh ist?

Vergleichen wir die Mannschaft mit einem Menschen und gehen wir von der These aus, dass man aufgrund diverser Faktoren in der Bundesliga doppelt so schnell altert wie normal, so haben wir es hier mit einem 14-jährigen Teenager zu tun.

Und wie es halt so ist, wachsen im Alter die Ansprüche, die Neugier. Nach sieben Jahren Bundesliga, nachdem man seine durch die Trennung der Eltern mitverursachten Schwierigkeiten in der Phase der Präpubertät wider Erwarten der anderen doch ganz gut gemeistert hat, ohne (sozial) abzusteigen (Heim / 2. Liga), was insbesondere dem neuen Mann im Haus („Stiefvater“ / Trainer) zu verdanken ist, der mit Vertrauen (Integration neuer Spieler und Festhalten an ihnen auch in schwierigen Phasen) und Härte (Trainingsgruppe 2) für Ordnung gesorgt hat, fühlt man sich gefestigt und eben reif für den nächsten Schritt in der persönlichen Entwicklung. Im Falle der Mannschaft: Europa League, im Falle des Teenagers: Sex.

Man informiert sich darüber, versucht sich Dinge anzueignen, die einen idealerweise noch schneller dazu befähigen, das angestrebte Ziel noch schneller zu erreichen. Dabei spielen gerade die digitalen Medien eine herausragende Rolle. Fasziniert schaut man auf den Bildschirm, schaut man sich die Tricks der Stars an und ab und staunt, was da alles möglich ist. Und was für das Treiben auf und mit der Konsole für die Spieler gilt, gilt auch für die Bewegtbilddarbietungen auf den Pornoseiten für Teenager.

Da wird geglotzt, was das Zeug hält, und man müht sich mit seinen Händen ab, ebenfalls so weit zu kommen wie sie, was vor dem Bildschirm dem ein oder anderen auch gelingen mag, aber wenn es dann in realiter so weit ist, dann klappt es weder mit dem Übersteiger noch dem Überzieher.

Plötzlich wird man sich dessen bewusst, dass man, so sehr man das auch glaubt zu wollen, noch zu jung, zu unreif dafür ist. (Sollte dies ein 14-Jähriger lesen und sich damit identifizieren können, lass dich loben: Du hast Recht!)

Was aber ist mit unserer Mannschaft? Ist es dasselbe? Kneift sie? Angst vor der eigenen Courage? Wie ein junges Gör, das sich mit 14 auf 16 schminkt, um sich als 18 ausgeben zu können, damit sie in die Disco und damit in die Nähe der Versuchung kommt und diese Nähe auch genießt, aber beim ersten Jungen, der sie anspricht, panisch wird, weil es ernst werden könnte?

Bei einem Mädchen ist das sehr verständlich (und ebenfalls nur zu loben), aber warum hast du, Mannschaft, sooo viel Angst vor dem 1. Mal?

Deine Scheu heute im Spiel lässt das sehr vermuten. Vor dem 2:0 und noch mehr vom dem 3:1 gingst du einfach nicht ran. Du hast jeden an dir vorbeiziehen lassen. Ja, du bist ihm einen Schritt entgegengekommen, aber deshalb wird keiner stehen bleiben. Da braucht es schon mehr Verve und Willen.

Das war schon erschütternd zu sehen – wir verlassen jetzt das Feld der Analogie und kehren zurück aufs andere –, wie einfach es für die Kölner war, ihre Treffer zu erzielen:

Beim 2:0 reichten zwei Querpässe, bis der Ball den völlig freistehenden Spieler erreichte, der dann keine Schwierigkeiten hatte, sein Ding zu versenken.

Beim 3:1 stand die halbe Mannschaft Spalier, so dass der Kölner von der Mittellinie problemlos in Richtung Tor laufen und schießen konnte. Der Schuss selbst war nichts, aber er wurde halt wie eingangs erwähnt von Bicakcic sehr unglücklich abgefälscht – und zu einem erdenklich schlechten Zeitpunkt, denn wir waren plötzlich wieder dran.

Kurz zuvor erzielten wir ebenfalls per Elfmeter unser erstes Tor. Polanski verwandelte den Strafstoß, dem ein Foul an dem inzwischen spielenden Modeste vorausging, was zudem noch einen Platzverweis für die Domstädter zur Folge hatte.

Rückstand, aber Überzahl und noch über 20 Minuten zu spielen. Da war man als Fan doch mehr als gewillt zu hoffen und alles zuvor zu vergessen und zu verzeihen. Modeste und der ebenfalls mit ihm eingewechselte Szalai sorgten schon für große Unruhe in der plötzlich (und verständlicherweise) unsortierten Abwehr der Gäste, aber dann kam es eben zu diesem Spaliergang und damit zum erneuten Zwei-Tore-Rückstand, den Modeste immerhin wieder verkürzen konnte, aber mehr auch nicht.

3:2 verloren. Nur eine von drei Mannschaften, gegen die die Kölner zu Hause bisher in dieser Saison gewinnen konnten. 0 Punkte gegen den Aufsteiger. Und in den beiden Spielen erzielte er 25% all seiner Tore in der Runde bis dato gegen uns.

Das ist schon alles sehr, sehr ärgerlich. Auch wenn es sich an diesem Spieltag noch nicht auf unsere Tabellensituation ausgewirkt hat, wir haben ein alles andere als leichtes Restprogramm, an dessen Ende es alles andere als so gut aussehen kann, wie es aktuell in der Tabelle noch den Anschein hat.

Denn es wäre schon ein Wunder, wenn wir in den nächsten Wochen noch mal so nah an den internationalen Plätzen schnuppern dürften, zumal ja nächste Woche der deutsche Rekordmeister zu Besuch kommt, gegen den wir noch nie gewonnen haben.

Vielleicht und hoffentlich klappt es ja da(nn) …

Schließlich ist irgendwann ja immer das 1. Mal … :-)

Submit a Comment