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Akademikerfanclub 1899 Hoffenheim Rhein-Neckar Heidelberg 2007 e. V.

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VfB Stuttgart vs. 1899 Hoffenheim

Exen

… was einem alles sonst noch so auf die Nüsse gehen kann

Sciuromorpha, Sciuridae, Sciurinae, Sciurini, Sciurus, Scirius vulgaris. Darum soll es heute gehen, weil es bei dem 1:1 gegen den VfB dem gemeinen Fan doch so vieles tierisch auf die Nüsse ging.

Die Rede ist von dem Tier, das die meisten schon an den einleitenden Worten, die die Unterordnung, die Familie, die Unterfamilie, den Tribus, die Gattung und nicht zuletzt die Art wiedergaben, erkannt haben dürften, nicht von Echsen (da hätten wir auch eingangs von Lacertilia gesprochen), sondern von dem, das dem Volksmunde nach sowohl Teufel ist als sich auch mühsam ernährt, die Rede ist natürlich vom ordinären, d.h. dem eurasischen Eichhörnchen.

Seinen wissenschaftlichen Namen verdankt es der Annahme, dass es sich selbst Schatten (skia) spenden könne dank seinen buschigen Schwanzes (oura). Sein deutscher Name hat im Gegensatz zu der ad hoc-Annahme, er habe etwas mit einer Eiche zu tun, einen ganz anderen, nämlich indogermanischen Ursprung – von *aig- „sich heftig bewegen, schwingen“.

Diese Wendigkeit sowie seine rote Farbe ist auch der Grund dafür, dass es schon im Mittelalter mit dem Teufel assoziiert wurde. Auch in zahlreichen Sagen steckt der Teufel nicht im Detail, sondern im vermeintlich possierlichen Hörnchen, um arme Sünder zu täuschen. Und in der germanischen Mythologie ist gar ein Eichhörnchen mit Namen Ratatosk (Rattenzahn) für das Säen von Zwietracht zuständig. Basierend auf diesen Überlieferungen, entstand wohl auch die Redewendung als Warnung, dass das Übel oft in unscheinbaren Formen daherkommt und trotzdem großes Unheil mit sich bringen kann. Oder sie ist als Hinweis darauf zu verstehen; dass Probleme oft dort auftreten, wo man sie nicht vermutet hatte, weshalb man vorsichtig sein bzw. agieren sollte.

Man kann unserem Team nun nicht vorwerfen, diesen Rat nicht beherzigt zu haben. Die erste Hälfte der ersten Hälfte war alles andere als ein wildes Anrennen. Im Gegenteil. Phasenweise hatte das Team gravierende Mängel im Spielaufbau und große Probleme, den Ball überhaupt in die gegnerische Hälfte zu bringen und ihn dort zu halten.

Andererseits gelang es ihr auch – bis auf eine Szene gleich zu Anfang des Spiels, – den Gegner vom eigenen Kasten fernzuhalten. Dabei hätte es bereits nach weniger als vier Minuten 1:0 für die Gastgeber stehen können, aber Baumann rettete mit einem tollen Reflex gegen die von Zuber eingeleitete Riesenchance der Gastgeber.

Nach und nach kamen wir dann besser ins Spiel und auch vors Tor der Schwaben, wo wir aber wieder und wieder die letzte Präzision und Härte im Abschluss haben vermissen lassen.

Und just, als es schien, als ob unsere Führung nur noch eine Frage der Zeit sei, erzielte sie die Gastgeber – fast: Unseres Ex-Kapitäns (Beck) Schuss knallte an die Innenseite des Pfostens und raus – und drin … war der Ball dann (nahezu) im Gegenzug zur verdienten 1:0-Führung unserer TSG.

Natürlich wird Andrej Kramaric Heinz Seyfferts Torrekord für die TSG niemals knacken, aber immerhin ist er drauf und dran die Nr. 1 der Profimannschaft zu werden. Nur noch ein Tor fehlt ihm, um Sejad Salihovics bisherige Bestmarke in puncto Bundesliga-Tore zu überbieten. Für beide stehen hier nun 46 Treffer zu Buche. Zwar fehlen ihm noch 14 Tore, um sich in der übergreifenden Tore-für-die-TSG-Statistik vor Salihovic zu platzieren, aber erstens ist die Saison ja noch nicht rum und zweitens hat er noch Vertrag bis zum 30. Juni 2022.  :-) – Selbst wenn er den Vertrag erfüllen sollte (räusper), darf bezweifelt werden, dass er den Rekord des heutigen Zeugwarts bricht – denn dazu fehlen ihm noch 173 Treffer!

Es war nicht der schönst herausgespielte Treffer der TSG, mehr das Ende einer Kette engagierten Willens von Belfodil im Grunde gegen vier Verteidiger, aber was vor allem zählte, war, dass er zählte.

Diese Führung brachte sofort mehr Sicherheit, die sich auch im zweiten Spielabschnitt nahtlos fortsetzte. Sehr souverän und abgezockt ließen wir Ball und Gegner laufen und kombinierten uns das ein oder andere Mal in beste Einschusssituationen, die wir aber allesamt irgendwie versemmelten.

Überhaupt war die zweite Halbzeit so etwas wie ein Spiegelbild der ersten: Doch diesmal waren es wir, die das Spiel zu Beginn des Abschnitts dominierten, diesmal waren es wir, die die erste Großchance hatten, diesmal waren es wir, die den Pfosten trafen – und es waren unsere Exen in ihren Reihen, die das Ding reinmachte.

Klasssicher Fall von „ausgerechnet“, denn auf Vorlage unseres Rekord-Bundesligaspielers (Beck) traf unsere Leihe (Zuber). Hatte die TSG bei Vincenzo Grifo im Leihvertrag mit dem SC Freiburg noch die Klausel drin, dass er gegen uns nicht spielen darf, gab es diese im Leihvertrag mit dem VfB offensichtlich nicht. Und er war hoch motiviert, sehr engagiert, nichts zu spüren von „eigentlich bin ich ja einer von euch“ – und auch nach seinem Tor jubelte er aus Leibeskräften, was ein Grifo nach seinem gestrigen Treffer gegen seinen Ex-Ex-Verein, obwohl er nur ein Jahr dort spielte, nicht tat.

Zuber tat’s und – dürfen wir offen sprechen, auch wenn es natürlich einem Hoffenheim-Fan erst einmal sauer aufstößt? … Es ist völlig O.K. (Naja, vor der Hoffenheimer Kurve musste es vielleicht nicht unbedingt sein, aber letztlich …

  1. ist es ehrlich, denn es geht nun mal darum Tore zu schießen und es ist ein erlösendes Gefühl, wenn es einem gelingt. Diese Erlösung bricht sich in einem Jubel Bahn.
  2. dürfte bei ihm der Druck aka die Motivation gegen uns hoch gewesen sein, schließlich ist es nicht ausgeschlossen, dass er es ohnehin für einen Fehler hielt, ihn so wenig spielen zu lassen. In Stuttgart nun spielt er und trifft. Das Tor gegen uns war bereits sein fünftes im erst neunten Spiel für die Schwaben. Bei uns waren es in 99 Spielen ganze neun.
  3. ist es sachlich betrachtet professionell, denn er spielt nun für ein anderes Team und macht dort seinen Job (Wagner jubelte ja auch nach seinem Treffer gegen uns im Bayern-Trikot – und das obwohl der Treffer erst in der Nachspielzeit fiel und es bereits 4:2 für seinen dann neuen Arbeitgeber stand) und last but not least ist es
  4. Ausdruck von maximaler Identifikation mit der Aufgabe. Wie fokussiert ist ein Spieler auf seinen Job, dem just in dem Sekundenbruchteil, in dem er einen Treffer erzielt, sich dessen bewusst ist, dass er gegen einen ihm wie und warum auch immer geartet nahestehenden Verein spielt – und sich entsprechend verhalten verhalten kann?

Nein, sich darüber zu echauffieren ist verlogen und lenkt auch von der Tatsache ab, dass es genug Möglichkeiten für unsere Hintermannschaft gab, den Ball, lange bevor er bei Zuber landete, aus der Gefahrenzone zu befördern.

Es gelang uns nicht und auch danach nicht mehr viel.

Die Schwaben schienen das mit dem Punkt zu sein, was wir nicht sein können: zufrieden. Das jetzt schon elfte Unentschieden fühlt sich alles andere als gut an. Und dass wir sozusagen noch durch einen eigenen Spieler zwei weitere Punkte verlieren (von der wenig überzeugenden Schiedsrichterleistung, der wir nicht nur einen nicht-gegebenen Handelfmeter sowie der Sperre von Schulz im nächsten Heimspiel gegen Bayer zu „verdanken“ haben) macht das Gefühl wahrlich nicht besser.

Die Lust vor wich dem Frust nach dem Spiel – und man benötigt in solchen Momenten schon ein sehr gefestigtes Reflexionszentrum, um sich emotional wie Grifo und nicht wie Zuber zu geben. Haben wir (meist) und deshalb wissen wir ja auch:

  • Ja, wieder ein Punkt mehr – und
  • Ja, es gab Spielzeiten, da wären wir froh gewesen, wenn wir nach 26 Spieltagen 38 Punkte gehabt hätten, weil damit der Verbleib in der Bundesliga bei 18 Punkten Abstand bei nur noch acht ausstehenden Spielen bereits nahezu sicher ist.
  • Ja, wir hätten uns ehedem gefreut – und auf die Mühsal verwiesen, die der „Schattenschwanz“ aufbringen muss, um sich an den Früchten laben zu können.

Bekanntlich muss ein Eichhörnchen eine Hasel- oder Walnuss ja erst knacken, um an das nahrhafte Innere zu kommen. Erschwerend kommt im Winter (und meteoerologisch haben wir den ja noch) noch dazu, dass es die ganzen Vorräte, die es im Herbst angelegt hat, erst wieder finden muss. Davon zehrt es ja – und jede Nuss, die es sich dann einverleiben kann, ist natürlich ein Genuss.

Nur darf man nicht vergessen, dass das Eichhörnchen vergesslich ist. Eigentlich sind die Lebewesen weit weniger teuflisch als erschreckend dumm. Sie sehen putzig aus, sind wahnsinnig emsig und fleißig, aber letztlich plan- und strukturlos. So gesehen ist die Redewendung „Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen“ das, was Linguisten eine Ellipse nennen: Es fehlt was, nämlich der Zusatz „weil es doof ist“.

Natürlich kann es auch Pech haben, dass ein anderes Eichhörnchen das eigene Versteck entdeckt, aber das ist weniger das Ergebnis der Schläue des anderen, sondern Zufall, weil das andere ja genauso doof ist und überall herumgräbt, weil es nicht mehr weiß, wo es sein Depot angelegt hat. Und da schnappt es sich halt mal die, die das andere vergrub.

Aber wollten wir diese Saison gegen den Abstieg spielen? 16 Punkte haben wir bereits nach Führung verspielt. Damit hätten wir jetzt 54 und wären das, was unser Trainer ja sein wollte: Bayernjäger. Statt dessen – und durch eigene Dummheit – gleiten wir immer mehr ab in Richtung „graue Maus“.

Das aber ist gar nicht mal so schlecht, zumindest farblich, denn nebst dem Sciurus vulagris, also dem eurasischen Eichhörnchen, gibt es in unseren Breiten inzwischen auch das Sciurus carolinensis, das Grauhörnchen – und das verdrängt unser „ordinäres“ Eichhörnchen. So gesehen ist also „grau“ gar nicht mal sooo übel, kommt halt auf das Tier an. Mäuschen ist nix, Hörnchen hingegen hat Biss, will mehr und verdrängt bzw. (auf unsere Leihgeschäfte bezogen): drängt sich auf – und damit kommen wir zuletzt noch zu einem ausgeliehenen Spieler unsererseits, der aber ebenfalls bei seinem neuen Verein bereits ein großer Rückhalt wurde und dem unser Team beim nächsten Auswärtsspiel gegenüberstehen wird. Er heißt wie das Nest des Eich- und Grauhörnchens: Kobel.

Auf dass ihm dann kurz vor Ostern so manches Ei reinlegen. Aber erst gilt es in der Woche zuvor, eine echte Nuss in der heimischen Arena zu knacken: Bayer 04 – und in deren Reihen ist bekanntlich auch ein Ex-Spieler aktuell in Top-Form.

Und jetzt ist erstmal – und das ist vielleicht das Wichtigste: Länderspiel-

Pause.

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