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Akademikerfanclub 1899 Hoffenheim Rhein-Neckar Heidelberg 2007 e. V.

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SC Paderborn vs. 1899 Hoffenheim

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Ohne Corona keine Chance

Die Zeit der Scheinheiligen an der Schlachtbank

Deutschland liebt seinen Herbst. Schon immer. In der Klassik (und im Dunstkreise Goethes) sah man ihn positiv und beschrieb ihn mit Adjektiven wie „reif“, „fruchtbar“, „golden“, „mild“). Die Romantiker (Eichendorff, Mörike) nannten ihn bunt, sachte, goldig, still, oft mit leiser Melancholie.

Septembermorgen

Im Nebel ruhet noch die Welt,
Noch träumen Wald und Wiesen:
Bald siehst du, wenn der Schleier fällt,
Den blauen Himmel unverstellt,
Herbstkräftig die gedämpfte Welt
In warmem Golde fließen.

(E. Mörike)

In der Spätromantik wurde diese Melancholie (vgl. Lenau, Storm) noch melancholischer skizziert („trüb“, „kühl“, „neblig“, „abschiedsschwer“), während der Herbst bei Rilke et al. in der Moderne bzw. dem Symbolismus als Metapher für Lebensreife und Vergänglichkeit herhalten musste und noch düsterer wurde („schwer“, „einsam“, „fällig“).

Da floss nichts mehr in „warmem Golde“, da ging’s den Bach runter. Auch die Zahl der Dichter und Denker nahm schlagartig ab, dafür in unserer Lebensepoche die der immer weniger Dichten und Denkenden explosionsartig zu – und der Herbst wurde auf einmal „heiß“.

Du, geneigte/r Leser/in weißt das natürlich, aber für alle anderen, sei daran erinnert:
Diese Bezeichnung war einmal eine rein politische – und bezog sich auf die Terroranschläge der Rote Armee Fraktion. Heute wird der Terminus für alles genommen, was zwischen September und November passiert – ob das nun in der Politik ist oder im Fußball wegen irgendwelcher Ergebnisse. Und nicht selten wird heute in dem Zusammenhang auch lapidar gefordert, dass Köpfe rollen. Befremdlich in so woken Zeiten.

In den RAF-Zeiten, also den Anfangszeiten des „heißen Herbstes“, als es echte Ermordungen und Anschläge gab, war man da sprachlich vorsichtiger – ganz ohne Sprachpolizei. Einfach aus Anstand. Kinderstube.

Ja, der Herbst verändert die Atmosphäre und das Gemüt. Die Tage werden kürzer, die Nächte werden kühler, der Vitamin D-Spiegel sinkt rapide ab.

Das „Problem“ beim Fußball ist, dass die Saison in den letzten Zügen des Sommers beginnt, aber im Herbst erst so richtig Fahrt aufnimmt. Und während man so die ersten Niederlagen und Enttäuschungen noch halbwegs wohlgemut wegsteckt, kennt der (Fan im) Herbst keine Gnade mehr. Es gibt keine Ausrutscher mehr, nur noch Katastrophen. Und die Veränderung der Sonnenscheindauer führt auch zu einer vollumfänglichen Veränderung des Zeitgefühls.

Vor einer Woche wurde die TSG Hoffenheim endlich für ihren attraktiven, kämpferischen Fußball belohnt: 2:1 gegen den Champions League-Teilnehmer an der A6, nachdem sie zuvor zwei Niederlagen in Spielen einstecken musste, in denen sie eigentlich dominierten und die bessere Mannschaft war.

Vor einer Woche.

Im Herbst offenbar eine halbe Ewigkeit.

Denn nach der Niederlage gegen den SC Paderborn scheint zumindest beim Forenfan der Abstieg besiegelt.

Natürlich spielt bei der Aufregung auch das Spiel (inkl. Niederlage) unter der Woche in der Europa League eine Rolle, aber das ändert nichts daran, dass das große Glück erst eine Woche zurückliegt.

Aber irgendwie scheint es den Forenfans, was in Anbetracht unseres Vereins an sich geradezu grotesk wirkt, unvermittelbar, die Kirche im Dorf zu lassen.

Sie sind halt nur Scheinheilige, die die Misere der TSG zur eigenen Profilierung nutzen. Sie wetzen ihre Messer nicht, um die Menschen zu stärken, sondern um sich am Leid der anderen zu ergötzen, und sich davon sowie der Zustimmung ihrer Gleichgesinnten zu nähren.

Die guten Messerwetzer und echten Heiligen der Fleischer sind:

    • Hl. Antonius der Große (Antonius Abbas, Gedenktag 17. Januar)
    • Hl. Bartholomäus (Apostel, Gedenktag 24. August)
    • Hl. Lukas der Evangelist (Gedenktag 18. Oktober)

Wir würden uns aber unter all den Heiligen für Schlachter und Fleischhauer für die Heilige Corona entscheiden. Sie gilt auch als Schutzpatronin der Metzger/Fleischer. (Ihrer wird am 14. Mai, in den orthodoxen Kirchen am 11. November gedacht.)

Wir hätten sie in Ost-Westfalen gebraucht, um nicht nur der Schlachtung zu entgehen, sondern auch mehr Glück zu haben und was Zählbares mitzunehmen, denn sie ist zudem die Patronin der Schatzgräber, in Geldangelegenheiten und der Lotterie.

Womit wir auch schon beim alles anderen als schönen Spiel wären …

Wir spielten schlecht, wir spielten lethargisch, wir hätten die Partie aber auch so gewinnen können – mit etwas mehr Glück … und viel mehr Messer zwischen den Zähnen.

Die Körpersprache war gut. Die Mannschaft engagiert, so engagiert, dass sogar der Anstoß wiederholt werden musste, weil die unseren zu ungestüm nach vorne rannten. Und auch sonst war es ein flotter Spielanfang.

Doch sehr schnell nahm diese Dynamik ab und die Fehlerquote bei den einfachsten Zuspielen zu. Darüber hinaus fehlte jedweder Überraschungsmoment. Nach den ersten drei, vier versuchten Vertikalpässen in die Spitze stellten die Gastgeber die Passwege zu, wodurch unsere Angriffsbemühungen immer wieder in Sackgassen gerieten – und wir dann wie auf Kreta aus dem relativen Nichts in Rückstand. Und aus dem 0:1 wurde dann auch noch vor der Halbzeit ein 0:2 durch einen abgefälschten Ball.

Wir hatten auch einen abgefälschten Ball, doch der erinnerte eher an so manchen Forenfans: voll Pfosten, d.h. er ging an die Vertikalstange und nicht rein. Das tat dann immerhin und dankenswerterweise nach Wiederanpfiff der Schuss Daghims nach einer Superkombination aus dem Mittelfeld heraus und einer herausragenden Rückgabe von Moerstedt auf den Torschützen.

Da hatten wir wieder Hoffnung, denn das hatte Dynamik, das hatte Präzision, aber damit hatte es sich dann auch. Denn auch wenn wir viel mehr am Ball waren, am Drücker waren wir eher nicht. Eher waren wir am Träumen, wenn wir den Ball nicht hatten – und schon gar nicht am Gegenspieler. Und wenn, wie Hajdari vor dem 1:3, beließen wir es dabei. Er hätte nur hochspringen müssen. Sein Gegenspieler tat’s. Mehr brauchte es nicht.

Und dennoch gaben wir nicht auf und nochmal Gas. Wir nahmen den Kampf an und unserer möglicher Nationalspieler Conté Maß. Sein Superschlenzer landete allerdings nur am Kreuzeck.

Ja, nach der Einwechslung von Asllani und Kramaric kam schon nochmal Tempo ins Spiel der TSG, aber das, wie die Einwechslung selbst, kam einfach zu spät.

Aktuell erinnert die TSG an ein Bio-Schaf: Es ist der Wurm drin. Aber deswegen schlachtet man es doch nicht, liebe Forenfans. Ja, es sollte nicht ganz ungeschoren davonkommen, aber dann kann man sein natürliches Potenzial doch wieder nutzen, zumal wir wissen, wie sehr es uns mit dem, was es produziert, das Herz erwärmen kann. Unn dess …

… wolle ma doch all, odda?

Alla …

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