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FC Augsburg vs. 1899 Hoffenheim

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Jugend morscht

Wieder mal Ebbe unter Flutlicht

Es war ein wirklich miserabler Auftritt der TSG Hoffenheim in Augsburg. Immerhin passte er sich nahtlos an die wenig berauschenden Spiele der letzten Wochen an. Erschreckend wenig Dynamik und wahnsinnig viele Fehlpässe gerade im Aufbauspiel.

Die Gastgeber machten das eigentlich super. Sie machten gar nichts, weil sie auch nichts machen mussten. Es ergab sich alles von allein – und ganz vorne im „sich ergeben“ war unsere Defensive: zwei Zweikampfsituationen, zweimal maximal inkonsequent verteidigt unsererseits bzw. konsequent draufgehalten gegnerseits und schon lagen wir mit nur zwei Schüssen auf unser Tor mit 2:0 hinten.

Da war Glauben an die nachösterliche Wiederauferstehung schnell erloschen. Vielmehr kamen die Erinnerungen an unsere letzte Freitagspartie in der Fremde auf, die wir bekanntlich ziemlich jämmerlich in Leipzig mit 0:5 beendeten.

Damals brachen wir nach dem 0:2 auseinander, diesmal nicht. Aber stabiler wurden wir auch nicht.

Irgendwas ist morsch in der Mannschaft. Zumindest forsch ist sie nicht mehr – und wurde sie auch nicht mehr. Dennoch gelang uns dann doch noch so ziemlich aus dem Nichts nach einer Ecke der Anschlusstreffer und dank eines Hammerschusses durch Touré nach Sensationshackenvorlage durch Asllani sogar noch der Ausgleich vor der Pause.

Plötzlich war der Glaube an die Wiederauferstehung doch wieder da – zumindest die Hoffnung. Und der Start in den zweiten Durchgang war auch recht vielversprechend, aber gehalten wurde dieses Versprechen nicht. Dafür hielt die Abwehr der Gäste die unseren weit genug vom Sechzehner entfernt.

Sollte es in dem Moment so etwas wie ein Momentum gegeben haben, haben wir es selbstverschuldet vertändelt – durch ein wahnsinnig bräsiges und zum Verzweifeln ungenaues Passspiel im Mittelfeld, was dazu führte, dass plötzlich die Fuggerstädter wieder Oberwasser – und noch schlimmer: Chancen bekamen. Allesamt von uns durch schlampige Zuspiele eingeleitet.

Unsere Defensive inklusive Oliver Baumann, dessen größte Sicherheit die war, dass seine weiten Bälle bis auf wenige Ausnahmen alle im Seitenaus landeten, geriet mächtig ins Schwimmen, ging aber Gott sei Dank nicht baden.

Und just, als man sich gerade beruhigte, da sich beide Mannschaften auf einen Nichtangriffspakt schienen geeinigt zu haben, rutschte ein Augsburger Stürmer vor den Schlappen von Bernardo, der dann an die Achillessehen des Gegners: Elfmeter.

Der allerdings landete in der Lech und nicht im Netz, womit es beim 2:2-Unentschieden blieb. Für alle internationalen Ambitionen natürlich zwei verlorene Punkte, ansonsten ein gewonnener Punkt.

Sorry, aber das kann ich so nicht durchgehen lassen!
Wir sind doch hier in keinem Krawallportal. (Der Red.)

Wieso? Das war doch scheiße knapp.

(Der Aut.)

Also etwas mehr Anspruch und etwas positiver, wenn ich bitten dürfte … (Der Red.)

 

Die Redundanz der Gier

Eine politisch-korrekte Nachbetrachtung

Es war ein wahrhaft bemerkenswerter Auftritt unserer TSG Hoffenheim am gestrigen Abend in der Fuggerstadt – ein Auftritt, der sich mit einer geradezu bewundernswerten Konsequenz in die kontemplative Linie der jüngsten Begegnungen einfügte. Wo andere Mannschaften vielleicht mit vulgärer Dynamik und aufdringlicher Präzision glänzen wollen, entschieden sich unsere Jungs für eine deutlich subtilere, fast schon zen-buddhistisch anmutende Herangehensweise: eine Reduktion der fußballerischen Mittel auf das Wesentliche – nämlich die tiefe Akzeptanz des Moments mit vollem Fokus auf das Hier und Jetzt, die eine beeindruckende Dynamik unserer Mannschaft in puncto Kontemplation präsentierte. Nicht das Streben auf das Mögliche stand im Vordergrund (vulgo: freilaufen), sondern ein jeder Spieler der unseren ganz bei sich. Welch Vorbild für die Jugend, die doch gerade im Fußball immer noch Werte wie Egoismus, toxische Maskulinität und/oder hohem Energieverbauch gelehrt wird.

Die Gastgeber aus Augsburg spielten ihre Rolle dabei mit einer beeindruckenden Großzügigkeit. Sie verhielten sich extrem adaptiv und verzichteten ihrerseits weitestgehend auf eigenes Tun, was wiederum unseren Defensivkünstlern die Möglichkeit eröffnete, ihren Ansatz der Partizipation und Teilhabe in die Praxis umzusetzen: Zwei Zweikampfsituationen, zweimal eine bemerkenswert inklusive und nicht-exklusive Verteidigungshaltung – und schon konnten sich die Hausherren über eine 2:0-Führung freuen. Ein Ergebnis, das sich mit einer fast schon poetischen Selbstverständlichkeit einstellte. Es ergab sich so, weil wir uns ergaben. Wie es schien.

Der Glaube an die nachösterliche Wiederauferstehung hingegen, jener schöne, kindlich-reine Optimismus, den wir alle so sehr schätzen, wurde in diesem Augenblick auf eine harte, aber letztlich charakterbildende Probe gestellt. Erinnerungen an das letzte Auswärtsspiel in Leipzig – ein denkwürdiger 0:5-Abend voller existenzieller Erkenntnisse – flackerten kurz auf, doch diesmal zerfiel das Kollektiv nicht. Stattdessen zeigte die Mannschaft ihr stoisches Resilienzpotenzial.

Irgendwo in den Tiefen der Mannschaft scheint eine wunderbare Reifung stattzufinden. Die frühere forsche Ungeduld weicht einer neuen, fast schon weisen Zurückhaltung. Und dennoch – oder gerade deswegen – gelang es unseren Kreativen aus dem scheinbaren Nichts, nach einer Ecke den Anschlusstreffer zu erzielen. Dieses Tor war der Beweis des Fußballs, dass man nur selbst mit gutem Beispiel vorangehen gehen muss, denn er wird dir zurückgegeben.

Kurz darauf vollendete ein Hammerschuss von Touré, vorbereitet durch eine geradezu geniale, fast schon avantgardistische Hackenvorlage von Asllani, den Ausgleich zum 2:2. In diesem Moment kehrte er zurück: der Glaube. Die Hoffnung. Die leise, aber unüberhörbare Ahnung, dass im Fußball wie im Leben alles möglich ist, wenn man nur lange genug wartet und an die richtigen Werte glaubt.

Der Beginn der zweiten Halbzeit gestaltete sich dann überaus vielversprechend – ein wahres Versprechen an die Zukunft. Dass dieses Versprechen nicht in vollem Umfang eingelöst wurde, lag keineswegs an mangelndem Willen, sondern vielmehr an der bemerkenswerten taktischen Disziplin der Augsburger Defensive, die unsere Offensivkräfte mit sanfter, aber wirkungsvoller Konsequenz auf respektvollem Abstand zum Strafraum hielt, was die unseren akzeptierten und jegliche offene Konfrontration gar zur Penetration dieser doch sehr intimen Zone vermieden.

Sollte es in dieser Phase so etwas wie ein zartes Momentum gegeben haben, so haben wir es mit großer Souveränität und in bester woker Manier selbst in die Hand genommen und – durch ein äußerst bedächtiges, fast schon meditatives Passspiel im Mittelfeld – bewusst wieder losgelassen. Geben und nehmen. Yin und Yang. Dumm und dümmer.

Ein Passspiel, das nicht durch technisch kalte Präzision, sondern durch eine tiefe innere Ruhe und menschliche Unschärfe bestach. Dadurch durften auch die Fuggerstädter wieder am Spiel teilhaben und einige wenige, sorgsam dosierte Chancen erhalten. Alles sehr ausgeglichen, sehr nachhaltig, sehr inklusiv.

Unsere Defensive, inklusive des erfahrenen Torhüters Oliver Baumann, der mit seinen weiten Abschlägen eine bemerkenswerte Treffsicherheit in Richtung Seitenaus demonstrierte, geriet phasenweise in ein durchaus spannendes, fast schon impressionistisches „Schwimmen“. Das Badengehen konnte vermieden werden.

Und just in dem Moment, in dem sich beide Teams auf einen höchst zivilisierten, fast schon diplomatischen Nichtangriffspakt zuzubewegen schienen, kam es zu jener berühmten kleinen Unachtsamkeit: Ein Augsburger Stürmer rutschte vor die Schlappen von Bernardo, woraufhin dieser mit feinfühliger Präzision die Achillessehne des Gegners touchierte. Elfmeter. Ein hochspannender Moment der Gerechtigkeit.

Dass dieser Elfmeter letztlich nicht im Netz, sondern symbolisch im Lech landete, rundete den Abend auf wunderbare Weise ab.

Aus Sicht der internationalen Ambitionen natürlich zwei verlorene Punkte – aus der höheren Warte der politisch-korrekten Fußballromantik jedoch ein klar gewonnener Punkt. Ein Punkt, der uns lehrt, dass nicht immer der Sieg das Ziel sein muss, sondern manchmal auch das harmonische Verweilen im Unentschieden eine eigene, tiefe Schönheit besitzt. Gier ist eine Todsünde. Demut ist moralisch zweifelsfrei einwandfreier als Hochmut. In Zeiten wie diesen darf, nein: muss Genügsamkeit auch mal genügen. Zumal wir ja auch im nächsten Jahr bei den Großen im Oberhaus werden mitspielen dürfen. Das ist doch auch schön.

In diesem Sinne: Chapeau, Jungs. Weiter so – nur anders.

BESSER, BITTE!

Sach mal, haste heute morgen Lenor gesoffen?
Verarschen kann ich mich selbst. (Der Red.)

Ich kann’s besser. (Der Aut.)

 

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