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Akademikerfanclub 1899 Hoffenheim Rhein-Neckar Heidelberg 2007 e. V.

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1899 Hoffenheim vs. Hamburger SV

1899 Hoffenheim vs. Hamburger SV

Kirmes im Kraichgau

Noch kein Hurra-Fußball – aber immerhin „Humpa“

Das war knapp. Ganz, ganz früh schon war der Druck schon sehr, sehr hoch. Man konnte die Wut, den Zorn, die Ohnmacht fast greifen, aber dann rissen sie sich zusammen, die Fans von 1899 – und sie wurden belohnt.

„So ein Tag, so wunderschön wie heute …“ wurde angestimmt – und es verwundert nicht, war es doch der erste Heimsieg seit fast einem halben Jahr. Besser noch, es war kein über die Zeit gerettetes 1:0. Es war ein beeindruckendes 4:0.

Vier Tore in einem Spiel. Und alle für uns. Gleich verteilt über beide Halbzeiten. In einem Heimspiel. Davon 75% aus dem Spiel heraus, also keiner Standardsituation. Das gab es schon seeeeeehr lange nicht mehr.

Aber gejubelt wurde gestern. Heute wird auch einmal innegehalten und der Gäste gedacht. Nein, nicht weil sie ein wunderbarer Aufbaugegner waren und unseren Jungs nun das nötige Selbstvertrauen gegeben haben, um es vielleicht doch noch irgendwie nach Europa zu schaffen, sondern weil sie nicht mehr aus ihren Chancen machten.

Die ersten Minuten einer jeden Halbzeit gehörten eindeutig nicht uns. Unsere Jungs standen zwar auf dem Platz, aber sonst völlig neben sich. Mit großartigen Paraden bewahrte Tom Starke schon in der ersten Minute unsere Mannschaft vor einem Rückstand. (Und wie es dann mit der Psyche ausgesehen hätte, muss aufgrund von Offensichtlichkeit nicht ausgeweitet werden.)

„Und wir haben einen Torwart …“ schallte es dann auch schon kurz nach Spielbeginn durch die RheiNeckArena, was einfach ein Unding ist. Muss Mike Diehl das reinplärren? Denkt er, wir wissen das nicht? Brauchen das die Zuschauer? Dient es dem Spiel?

Noch besser war sein Kommentar zum 1:0 durch Vestergaard – und der war sogar noch besser inszeniert. War der Hinweis auf die Existenz eines Spielers, der im Strafraum berechtigt ist, sofern er ein sich vom Rest seiner Mannschaft deutlich differenzierendes Trikot trägt, das Spielgerät auch im Spielverlauf manuell zu kontaktieren, bloße Akustik inmitten der Angriffe der Gäste, herrschte nach dem Abebben des Torjubels der immerhin doch 29.000 Zuschauer, was angesichts von Tag, Zeit und weiterer Spielpaarungen doch sehr beachtlich war, freudige Stille.

Und wenn man wo nicht weiß, wie man damit umgehen muss, dann in Sinsheim. Wenn man normalerweise ja vom Fußballtempel spricht, dann verweist das nicht nur auf die Rituale, sondern eben auch auf den Schall und seine mehr oder weniger ausgeprägte Intensität.

Doch bei uns im Kraichgau ähnelt das alles weniger einer Kathedrale denn einer Kirmes. Die Anlage ist stets völlig übersteuert. Alles ist einfach unangenehm laut. Dass es sich bei der Gleichung Lärm gleich Stimmung um einen Irrglauben handelt (oder einer geschickten PR-Kampagne anonymer Ohrenärzte), sollte inzwischen auch den Menschen bekannt sein, die nicht in Einflugschneisen von Großflughäfen wohnen.

„Aus – dem – Nichts: …..“ schepperte es dramatisch laut aus selbigen Sprechern.

Es sei dahingestellt, ob das nun stimmt oder nicht. Richtig ist, es war der erste Schuss aufs Tor – und der wurde auch für uns glücklich abgefälscht, aber ist es die Aufgabe des Stadionsprechers den Spielverlauf zu kommentieren oder das Geschehene subjektiv zu werten?

Es ist nichts dagegen einzuwenden, wenn man dem Ganzen eine persönliche Note gibt, wie bei Tor 4 („Das gönnt ihm wohl jeder …“), aber auch sein Kommentar zu Tor 3, so sehr wir mit ihm übereinstimmen („Ein Hammertor“), enthält eine Wertung, die kein Zuschauer ergänzend braucht.

Dass er das offizielle Fanlied mitsingt, ist wiederum sein Privatvergnügen. Es gehört nicht elementar zum Spiel. Zurück dazu …

Fehlpass um Fehlpass. Nach 2:20 hatten wir das erste Mal im Spiel den Ball unter Kontrolle. Ähnlich schlecht waren wir bei unserem Gast- aka Trauerspiel in München. Aber diesmal ging es ganz anders aus. Diesmal bekamen wir erst den Gegner, dann das Spiel in den Griff.

Starke, aber vor allem Compper und Vestergaard, gaben dem Ganzen nach und nach mehr und mehr Sicherheit. Und spätestens als dann Salihovic an der Außenlinie zu einer Aktion ansetzte, die es verdient gehabt hätte, von Stihl oder Husqvarna gesponsert zu werden, Gelb hätte die Aktion übrigens auch verdient, aber all das passierte glücklicherweise nicht, kam so langsam Struktur, aber auch Glück ins Spiel.

Schon die erste Chance wurde genutzt – nach nur einer von zwei (oder drei) Ecken. Die Gäste übrigens hatten acht. Und als dann Salihovic den Strafstoß in der 26. Minute verwandelte, waren die Fans, die schon nach wenigen Sekunden höchst ungehalten mit ihrer Mannschaft waren, es aber vermieden, dies vermittels intensivem, durch die Zuhilfenahme von Fingern im Mundraum weithin akustisch vernehmbaren Lungenentleeren kundzutun, mit der Mannschaft versöhnt.

2:0 nach 26 Minuten. Wann gab es das zuletzt?

In Anbetracht der Tatsache aber, dass dies auch bedeutete, dass noch über eine Stunde zu spielen war, und man als Fan dieser Mannschaft schon so manche Führung hat verschwinden sehen, war bei aller Freude nicht mehr als vorsichtiger Optimismus zu spüren.

Der wurde auch zu Anfang von Durchgang 2 ähnlich heftig erschüttert wie die Latte unseres Gehäuses. Wieder eine Riesenchance, wieder Glück, diesmal aber kein akustischer Hinweis des Stadionsprechers auf die Existenz des Tores. Und nur kurze Zeit später erzielte Johnsson nach höchst feiner Einzelleistung das 3:0 – und kurze Zeit darauf Schipplock den Endstand aus der Ferne.

Das hatte ebenfalls was Kirmesartiges: jeder Schuss ein Treffer.

Zum Schluss wurde dann endlich auch mal wieder der Mann eingewechselt, von dem nicht nur wir aufgrund seines Vornamens sehr überzeugt sind. Schade, dass Knowledge Musona die eine Fastchance kurz nach seiner Einwechslung nicht nutzen konnte.

Und so wurde das Spiel über die Zeit gebracht und als es dann rum war, blieb das Stadion relativ voll. Nicht die übliche Humanschwemme, die sich Sekunden nach dem Schlusspfiff über die Parkplätze und Haltstellen ergießt und letztlich dort eh nur zur Verstopfung führt, sondern ehrfürchtig blieben sehr viele Zuschauer im Stadion und sahen und lauschten Jannik Vestergaard, der die Fans um drei Konsonanten, zwei Vokale sowie ein Satzzeichen bat.

Der Jubel war groß. Die Hoffnung ist es auch. Eine Saison wie eine Berg- und Tal-Bahn. Kommen Sie. Sehen Sie. Staunen Sie.

Vier Punkte und fünf Tore Rückstand auf Platz 6.

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