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Akademikerfanclub 1899 Hoffenheim Rhein-Neckar Heidelberg 2007 e. V.

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One Comment

1899 Hoffenheim vs. Borussia Mönchengladbach

Hautsache Fußball

Eine teil-dermatologische Nachspielbetrachtung mit Krösa-Maja
(Director’s Cut)

Der Kurpfälzer ist überwiegend sauer. Das liegt in seinem Naturell. Und der Beschaffenheit seines Äußeren. Diese Oberflächlichkeit wiegt bei ihm schwer. Sie macht bis zu 20% seines messbaren Wesens aus. Zudem enthält sie ca. 25% seines Lebenselixiers – und das auf nur mal 2m2, wobei, und das ist noch beeindruckender, jeder einzelne Quadratzentimeter bei nur maximal 4 mm Dicke voller Emotionen steckt: 5.000 Sinneszellen, 4 Meter Nervenbahnen, 100 Schweißdrüsen, 1 Meter kleinste Blutgefäße. Diese Hülle dient ihm als Abgrenzung, zum Schutz seines Innenlebens vor externen Einflüssen zur Wahrung seiner Homöostase (psychischen Balance).

Das ist auch gut so, weil gesund, denn das obig Beschriebene trifft auf die allermeisten Menschen zu, vorausgesetzt die drei Phasen dieser Hülle sind normal ausgebildet. Und damit meinen wir nicht die Freud’sche Einteilung seiner Psyche in Es, Ich und Über-Ich, sondern Epidermis, Dermis und Subcutis, d.h. seine Haut, deren überwiegender pH-Wert 5,0 beträgt (also „sauer“ ist), etwa 14 – 16 Kilo wiegt, ein Viertel des im Körper gespeicherten Wassers enthält etc. pp.

Diese 4 mm Dicke beziehen sich auf die Ober- sowie die Lederhaut (Epidermis bzw. Dermis) an Hand und Fuß. (Da in der Unterhaut (Subcutis) auch das Fettgewebe steckt, kann sie zwischen 0,5 und 100mm dick sein.) Am dünnsten ist die Haut normalerweise am Lid – manchmal aber auch in Presseräumen.

Was war das für eine wunderbare Fortsetzung des wunderbaren Schau- und vor allem, -SPIELS, was sich da den vom Spiel immer noch sehr angetanen Fans an den Bildschirmen in der RHEINECKARENA bot: die „alte“ TSG:

Tore, Spektakel, Gemeinschaft.

Nach fünf Minuten lagen wir 0:1 zurück und irgendwie hat es niemanden im offiziell ausverkauften Stadion gestört, denn man spürte, dass da nicht nur personell eine andere Mannschaft als zuletzt auf dem Platz stand, sondern ein Team, das willens war, diesen Rückstand spielerisch wettzumachen.

Schär für Bicakcic, Elyounoussi und Zuber für Rudy und Vargas in der Startelef sowie Uth, Toljan und Kuranyi auf der Tribüne. Das versprach mehr Dynamik und eine nicht geringe Risikobereitschaft, die Torflaute zu beenden.

Diese stärkere offensive Ausrichtung sowie die Veränderung in der Innenverteidigung barg natürlich auch die Gefahr der Abstimmungsprobleme in der Defensive, die aber nicht ursächlich war beim Rückstand, sondern einfach nur das geradlinige perfekte Passspiel der Gäste.

Dem standen wir diesmal aber in nichts nach. Es war eine wahre Freude, wie der Ball in den eigenen Reihen lief, was natürlich noch weit entfernt von dem ist, was man perfekt nennen könnte, aber doch um Längen besser als alle Spiele in dieser Saison zusammengenommen.

Der Ausgleich war der mehr als gerechte Lohn für eine aufopferungsvoll laufende und endlich mal wieder Fußball spielende Mannschaft – und das auch noch nach einer Standardsituation. Die sehr lange Ecke von Amiri köpfte Zuber von hinter dem 2. Pfosten ein. Das war ganz nach unserem akademischen Geschmack, denn das war offensichtlich einstudiert.

Und die Mannschaft setzte nach – und das gegen einen Gegner, der einen echten Lauf hat und die ganze Zeit seinerseits versuchte, das Spiel wieder in seine Richtung zu drehen. Aber trotz zahlreicher leichterer Ballverluste besonders durch Polanski gelang es den Gästen nicht, gefährlich zum Abschluss auf unser Tor zu kommen. Elyounoussi und Zuber arbeiteten gut nach hinten mit und unterstützten die stark beschäftigten Kim und Strobl in der Außenverteidigung, so dass zwar Gladbach immer wieder in die Nähe unseres Strafraums kam, aber der entscheidende Pass in die Tiefe konnte immer wieder vielbeinig unterbunden werden.

Zudem beließ man es diesmal nicht nur dabei, den Ball abzuwehren, sondern man versuchte ihn auch zu erobern, zu sichern und daraufhin sehr schnell umzuschalten. Das dürfte mit ein Grund für die Aufstellung Schärs gewesen sein, dessen Zuspiele nach vorne zwar auch nicht gerade alle von Erfolg gekrönt waren, aber sie waren allemal erfolgreicher und besser als die in den vorangegangenen Spielen jegliches Tempo vermeidenden Rückpässe von Süle auf Baumann.

Allein diese Variante sorgte für mehr Geschwindigkeit und Varianz im Spiel unserer Mannschaft, die mit zunehmender Spieldauer zunahm – und das letztlich auf rechts wie links.

War es anfänglich vor allem die rechte Seite mit Elyounoussi, Strobl und Volland, die die Gladbacher Abwehr beschäftigte, wurde mit zunehmender Spielzeit auch die linke Seite mit Kim, Zuber und Amiri in Szene gesetzt. Und wenn es die Mannschaftskameraden nicht taten, dann taten sie es selbst, allen voran der 19jährige Amiri, der sich plötzlich an der Grundlinie durchspielte, vier Verteidiger auf sich zog, dann klug nach hinten auf Polanski schob, dessen Schuss dann glücklich abgefälscht wurde. 2:1. Spiel gedreht – und dann die Führung auch noch in die Halbzeit gerettet.

Das war Fußball. Das war klasse. Das entschädigte für die zuletzt gezeigten Spiele sowie die Einlassprozedur.

Nichts dagegen, wenn man meint, es mit den Einlasskontrollen genauer nehmen zu müssen. Auch zu loben war, dass dieses Mehr an Kontrollen auch beim Haupteingang in den VIP-Bereich galt. Allerdings hat man dort beide Einlassmöglichkeiten genutzt, um den Gästen trotzdem einen zügigen Zugang zum Innenbereich zu ermöglichen, damit niemand über Gebühr lange im zugigen Freien stehen muss.

In den anderen Fanbereichen hingegen bildeten sich lange Schlangen vor den Eingängen, die, obgleich bekannt war, dass das Spiel offiziell ausverkauft sein würde, NICHT alle geöffnet waren. Das war schon hundsmiserabel organisiert und ein Paradebeispiel dafür, dass man wohl nicht verstanden hat, worum es bei diesen Sicherheitskontrollen gehen sollte – um den Schutz von Menschenleben, nicht um den Schutz einer Immobilie.

Sollte also ein Terrorist einen Anschlag auf eine solche Veranstaltung planen, dann ist sein Ziel nicht das Stadion selbst. Wenn sich aber nun davor, weil die Sicherheitskontrolleure unterbesetzt und bisweilen übereifrig sind, große Menschentrauben bilden, wäre genau das der Intention eines Terroristen dienlich – und da stünde er auch völlig unkontrolliert.

Natürlich gibt es keinen Schutz vor Amokläufern, aber man muss es ihnen auch nicht so leicht machen.

Da war uns das Geschenk der Gäste kurz nach Wiederanpfiff schon sehr viel lieber. Hatten sie sich im Laufe der 1. Halbzeit darauf eingestellt, dass wir den Spielaufbau diesmal nicht unserem Torwart, sondern unseren Feldspielern überließen, waren sie doch sichtlich irritiert, dass wir sie plötzlich sogar in ihrer Hälfte, wo sie in der 1. Halbzeit in aller Ruhe sich den Ball zurechtlegen konnten, angingen.

Diese Irritation sorgte für einen unbedachten Rückpass, den Amiri aber frühzeitig antizipierte und sehr cool und clever zum Ausbau der Führung nutzte.

Was für ein Spiel unserer Mannschaft. Was für ein SPIEL von Amiri. Nach zwei Vorlagen nun sein erster Treffer zu Hause – und fast hätte er noch einen Vorlagenpunkt bekommen, aber leider kam Süle nach einer Ecke nicht mehr richtig hinter den Ball, so dass es statt 4:1 keine zwei Minuten später nur noch 3:2 stand.

Leider war auch das ein Tor mit Ansage, denn schon früh konnte man erkennen, dass sich Strobl und Schär nicht einig darüber waren, wer den zwischen ihnen postierten Gladbacher decken soll. Als dann die Flanke kam und Schär es leider versäumte, hochzuspringen, hatte der Borusse keine Probleme, den Ball sicher per Kopf in die Maschen zu wuchten.

Völlig unnötig, aber nicht mehr zu ändern – und noch mehr zu bewundern, dass unsere Mannschaft jetzt nicht das große Flattern bekam, sondern weiter hoch engagiert sowohl defensiv als auch offensiv zu Werke ging, wenngleich es letztlich nur noch zu wenigen Entlastungsangriffen und noch weniger Torchancen führte, aber immerhin hatten wir sie, und diese auch aus einer Kraft und Kreativität herausgespielt – allen voran Amiri.

Dass wir dann drei Minuten vor Schluss doch noch das 3:3 kassierten, war zwar super ärgerlich, weil auch da so ziemlich alles zusammenkam, was gegen so eine kombinationssichere Mannschaft nicht zusammenkommen darf (schlampig ausgeführter Angriff, zu hohe Abwehr, zu wenig Bewegung nach hinten, und zwei Verteidiger, die durch Rutscheinlagen versuchten, den vermeintlichen Schuss des Angreifers abzuwehren), aber immerhin blieb es dabei.

Dabei sah das direkt nach dem Ausgleich gar nicht danach aus, denn so mancher Spieler fiel einfach um. Da war für eine Weile die Gefahr groß, das Spiel komplett aus der Hand zu geben, aber statt dessen richtete sich die Mannschaft wieder auf, hatte noch mehrere Eckbälle, die aber leider nicht so erfolgreich waren wie der in der 1. Halbzeit, dafür aber auch nicht so kläglich wie der letzte im letzten Spiel.

Natürlich war man enttäuscht, dass es nicht zum 2. Sieg der Saison reichte, aber letztlich überwog die Freude über die Rückkehr des Einsatzes, der Laufbereitschaft, der Passstafetten, ergo des FußballSPIELs. Da gab es nach dem Schlusspfiff keine Pfiffe, sondern sehr viel Applaus für die Leistung der Mannschaft – und des Trainers.

Da passte sowohl Auf- als auch Einstellung. Dass es gerade mit Letzterem so gut funktionierte, war vielleicht das Schönste nach der desaströsen Darbietung in Berlin. Sie können es doch noch. Damit gab die Mannschaft ihren Kritikern das, was der Trainer auf der Pressekonferenz Herrn Klaehn von der Rhein-Neckar-Zeitung gab: die richtige Antwort.

—- Ab hier gibt es nur noch Bemerkungen zum Spiel TSG vs. RNZ … —-

Diese Meinung vertreten natürlich nicht alle. Gerade in der Presse selbst wurde die Situation, nennen wir es einmal, pointiert dargestellt und von einem „Eklat“ gesprochen, was natürlich grotesk ist. Auch war davon die Rede, dass Stevens einen Journalisten „angegriffen“ habe, was man so darstellen kann, aber halt den Unterschied zeigt zwischen journalistischen Leicht- sowie medien- und metiererfahren Schwergewichten. Erstere sind wesentlich dünnhäutiger.

Stevens nicht. Auch wenn sport1.de o.Ä. die Vermutung nahelegen, Stevens habe sich wie der sprichwörtliche Elefant im Porzellanladen verhalten, ist dem nur dann so, wenn die Journaille gleichsetzt mit einem Geschäft, in dem das durch Brennen aus einem Gemisch von Kaolin, Feldspat und Quarz hergestellte feinkeramische Erzeugnis mit weißen, dichten, porenfreien, in dünnen Schichten feilgeboten wird.

Richtiger ist, dass er ein Gedächtnis wie ein Elefant hat, was wiederum erklärt, warum er weniger dünnhäutig, aber nicht minder sensibel reagiert, denn die Haut eines Elefanten spürt jede Fliege, die auf ihr landet, obwohl sie 100 mal dicker als die des homo sapiens (der weise Mensch) ist – und wahrscheinlich 1000 mal dicker als die eines homo sedens (der sitzende Mensch).

Man kann sich darüber wundern, dass und wie die Presse das an sich kurze Intermezzo auf der Pressekonferenz nach dem Spiel so aufbau(sch)t. Andererseits muss man es auch bewundern, dass es noch Berufsstände gibt, die zusammenhalten, wobei es mit dem Zusammenhalt auch nur so weit geht, dass man über den Vorfall an sich berichtet. Namen wurden keine genannt. Da war von „einem Redakteur einer Regionalzeitung“ bzw. (noch schlimmer) „eines Kraichgaublattes“ die Rede. Da wird also tunlichst seitens dieser Portale vermieden, durch Namensnennung Werbung für den „Kollegen“ oder gar seinen Arbeitgeber zu machen.

Noch lustiger geradezu ist die Meldung zu dem Vorfall auf der Internetseite der RNZ, wo man einfach eine dpa-Meldung abdruckte:

„Ab und zu muss man draufhauen. Bei bestimmten. Du bist es eigentlich nicht wert“, pöbelte Stevens einen Journalisten an.

Die beleidigenden Worte waren eine Retourkutsche für einen kritischen Artikel des Berichterstatters vor dem Spiel. Die dünnhäutige Reaktion ist Beleg dafür, wie tief die TSG in der Krise steckt.“

Nicht einmal auf der eigenen Seite nennt man seinen Namen. :-)

Nun erinnert die Beziehung zwischen der Rhein-Neckar-Zeitung und der TSG fast schon traditionell an eine Tamponwerbung. Dabei ist es völlig unerheblich, wer bei der TSG das Sagen in Sachen Presse hat oder wen die RNZ als für die TSG zuständig erklärt, es ist und bleibt wohl eine Geschichte voller Missverständnisse.

So ist uns eine Anekdote überliefert, dass der Journalist, der zuvor für die RNZ über die TSG schrieb, darum bat, wenn sich wegen einer Sache etwas tue, man doch bitte rechtzeitig seine Frau anrufen möge, so dass sie ihn wecken könne, damit er dann auch pünktlich vor Ort sein könne. Das ist schon sehr putzig, verdeutlicht aber das Selbstverständnis. Entsprechend verärgert war der Herr, dass man seiner Bitte nicht entsprach und er die Meldung, auf die er wartete, nicht nur nicht exklusiv, sondern gar nicht hatte, dafür aber alle anderen Medien, die vor Ort waren.

Es geht um die Erwartungshaltung. Sind Informationen Hol- oder Bringschulden? Aus Sicht der RNZ scheint die TSG Informationen bringen zu müssen. Aus Sicht der TSG muss die RNZ sich Informationen holen. Dabei macht sie es ihm recht einfach. Sie lädt ihn vor jedem Spiel zu einer Pressekonferenz ein. Da kann er dann seine Fragen stellen, um die Informationen zu bekommen, die er haben möchte.

So ward es auch letzten Donnerstag – und die schien Herrn Klaehn so ganz und gar nicht gefallen zu haben, was ihn zu einem Artikel in der Rhein-Neckar-Zeitung veranlasste, den er einleitete mit den Worten.

Reden und doch (fast) nichts sagen: Stevens gewährt vor dem Gladbach-Spiel kaum Einblicke ins Hoffenheimer Team.

Äääh, hier wäre spannend zu erfahren, was (nicht nur) er sich von einer solchen Pressekonferenz erwartet? Was hätte Huub Stevens denn an Einblicken gewähren sollen? Ist sein Satz

„Der Klassenerhalt wäre wie eine Meisterschaft für uns.“

nicht aussagekräftig genug? Das Problem scheint die Interpretationskompetenz von Herrn Klaehn zu sein.

„… denn es heißt übersetzt: Leute, das hier ist eine Herkulesaufgabe und niemand weiß, was am Ende im Mai 2016 dabei herauskommen wird.“

Wer einen solchen Satz schreibt, darf sich nicht wirklich über die Plattitüden eines anderen mokieren. Niemand weiß, wo welcher Bundesligist im Mai 2016 stehen wird, auch wenn die Titelverteidigung der Bayern hochwahrscheinlich ist.

Aber von solchen bedeutungsschwangeren Sätzen, die man sonst nur von seinen Omas gewohnt ist „Du musst vorsichtig sein.“, „Man weiß nie, was kommt.“, „Wenn das mal gut geht …“, „Du wirst schon sehen, was du davon hast.“ etc.,  mal abgesehen, sind es die Schlussfolgerungen, wo man sich schon fragen muss, wie er darauf kommt.

Randnotiz: Falls Stevens überhaupt zu diesem Zeitpunkt noch die Geschicke der Mannschaft leiten sollte.

Ja, wenn er stirbt, wird er nicht mehr die Geschicke leiten. Aber welch anderen Grund sollte es sonst geben?

Alles ist möglich beim aus der Balance geratenen Kraichgauklub, der wenig Klarheit ausstrahlt und im November 2015 ein bizarres „Schauspiel“ liefert.

Natürlich ist alles möglich. Das ist ja auch gut so. Zum Beispiel auch, dass wir zehn Spiele am Stück gewinnen. Und was will uns der Autor mit dem „aus der Balance geratenen Kraichgauklub“ sagen? Dass die TSG nicht da steht, wo sie steht? Das weiß niemand besser als die TSG selbst. Deshalb hat sie ja Gisdol et al. entlassen und gleich auch Nägel mit Köpfen gemacht, sich also nicht nur die Dienste Stevens’ bis zum Ende der Saison gesichert, sondern bereits seinen Nachfolger unter Vertrag genommen. Was daran ist „wenig Klarheit“ oder gar „bizarr“?

Trifft da nicht viel eher die küchenpsychologische Erkenntnis zu, dass die Vorwürfe, die ein Kritiker anbringt, mehr über den Kritiker sagen als die Sache, die er kritisiert?

Bereits am 30. Oktober kritisierte er in einer Zur Sache-Sendung beim Rhein-Neckar-Fernsehen die Herangehensweise der TSG in der Trainersache. Tat gegenüber dem neuen Geschäftsführer seine diesbezüglichen Bedenken kund und dass er es besser gefunden hätte, hätte man sich mit der Bekanntgabe von Nagelsmann als Nachfolger von Stevens bis zum Frühjahr Zeit gelassen, was er ja darf, obgleich es von einer heutzutage gar nicht einmal so seltenen Anmaßung kündet.

Er steht doch nicht in der Verantwortung. Es ist doch nicht seine Entscheidung. Es ist auch nicht sein Risiko. Warum denkt er sich nicht, dass die TSG das machen soll, was sie für richtig hält? Dabei kann er ja gerne seine Bedenken äußern und sollte er Recht haben, kann er stolz wie Oma sagen: „Siehste, habe ich dir gleich gesagt. Aber auf mich hört ja keiner.“

Das Dumme für Klaehn ist halt, dass er sich im Vorfeld arg weit aus dem Fenster gelehnt hat und er unbedingt den Misserfolg braucht, damit er Recht bekommt. Ansonsten steht er da wie Krösa-Maja, die schrullige Alte aus Michel aus Lönneberga.

Doch ist es überhaupt die Aufgabe eines Journalisten, „Recht“ zu haben? Oder muss er mutmaßen, was ja letztlich auch nur ein schöneres Wort ist für „unterstellen“?

Den ersten größeren Knatsch zwischen der Post-Gisdol-TSG gab es ja bereits in einem Klaehn-Artikel zu Stevens‘ Amtsantritt, den Herr Klaehn zu den ganzen Personalwechseln verfasste:

Die Fülle an zentralen personellen Veränderungen binnen rund 72 Stunden ist schon rekordverdächtig. Für den neutralen Beobachter ist es eher verwirrend. Dass dermaßen am Schwungrad eines Vereins gedreht wird, hat Symbolkraft: Beim Kraichgauklub ist die Angst zum größten Berater in Krisenzeiten geworden.

Die Angst vor dem sportlichen Abstieg, die Angst davor, mit dem „ehrgeizigen Lausbub“ (Süddeutsche Zeitung) Nagelsmann eines der Top-Trainertalente in Deutschland zu verlieren, und schließlich die Angst vor Entdeckungen oder gar Enthüllungen, dass die sogenannte „Maulwurf-Affäre“ Wahrheiten ans Tageslicht bringen könnte, die „Hoffe“ in den Grundfesten erschüttern würde.

Die Veränderungen betrafen zwei Positionen: Geschäftsführer und Trainer. Auch am 2. April 2013 gab es zwei Veränderungen an relevanten Stellen. Damals waren es sportliche Leitung und Trainer, die ebenfalls mutig mit zwei Neulingen auf ihren Positionen besetzt wurden, eben Gisdol und Rosen. Das hat lange Zeit sehr gut funktioniert.

Dass man sich die Dienste von Nagelsmann (wohl eher gerade noch) rechtzeitig sicherte, ist doch eher Ausdruck von Weitsicht und Entschlossenheit als Angst. Zudem war unser A-Jugend-Trainer ja bereits bei mehreren Vereinen im Gespräch. Warum sollte man da seitens der TSG riskieren, ihn zu verlieren?

Und letztlich sorgte der Schlusssatz sogar dafür, dass sich die neue Geschäftsführung bemüßigt fand, gegenüber der RNZ Stellung zu beziehen, da sie der Meinung war:

Mit dieser Formulierung wird der Anschein erweckt, bei der TSG 1899 Hoffenheim spielten sich im Hintergrund Dinge ab, die entweder moralisch unhaltbar oder gar illegal wären.

Dies geschah alles vor der Diskussionsrunde im Regionalfernsehen, wo sich Herr Klaehn bravourös schlug, nur als er auf den angegriffenen Punkt sowie das „Klima des Misstrauens“ kam, wurde er vom Vertreter der Bild-Zeitung unterbrochen, woraufhin der Punkt dann leider verloren ging, zumal er auch seinerseits nicht bereit war, Ross und Reiter zu nennen.

Warum nicht? Aus Angst vor juristischen Konsequenzen? Was ist denn das für eine Presse, die vor so etwas einknickt? Man stelle sich Herrn Springer, Herrn Nannen, Herrn Augstein vor, die aus Furcht vor Enthüllungen lieber schwiegen statt schrieben.

Wenn die Geschichte sauber recherchiert ist, man gute Belege, idealerweise sogar Beweise für seine Behauptung hat, ist es dann nicht Aufgabe der Journalisten, die, zumindest ihre Wahrheit zu sagen?

Natürlich besteht dabei das Risiko für die RNZ von der TSG verklagt zu werden, aber wenn die oben genannten Parameter erfüllt sind, kann doch eigentlich nichts passieren. Aber wenn nicht, nun dann sollte man so etwas erst gar nicht in den Raum stellen. Bei wem also ist die Angst zum Berater geworden?

Es ist aus Sicht der (neutralen) Fans nur bedauerlich, dass die RNZ und die TSG nicht zusammenfinden. Beide Seiten könnten so wunderbar voneinander profitieren, aber offensichtlich funktioniert das nicht, wobei sich immer beide Seiten fragen müssen, was sie zur Eskalation und zur Deeskalation beitragen.

Die paar Sätze von Stevens jetzt als Beitrag zur Eskalation zu werten, ist lächerlich. Diese als „Dünnhäutigkeit“ zu deuten, gleichzeitig aber eine „Entschuldigung“ zu fordern, nicht minder – es sei denn, es handelt sich hier um den Wunsch nach „Satisfaktion“, sprich: einem Duell der beiden Kontrahenten im Schlosshof am Morgengrauen. Das wäre heroisch. So aber ist sowohl die dermatologische Analyse sowie die Forderung auch wieder nur einer dieser Reflexe – und bekanntlich funktionieren diese ohne Hinzuziehung des Gehirns.

Es muss einem auch erlaubt sein, sich zu wehren und seine Meinung über die Leistung von Journalisten kundzutun.

  • Warum sollte der Trainer sachlich bleiben, wenn es die Kritik nicht ist?
  • Wenn einer nicht zum Training kommt, sich nicht informiert, kann er dann erwarten, dass man ihn hofiert?
  • Wenn Herr Klaehn Stevens vorwirft, nichts zu sagen, kann er ihm dann zum Vorwurf machen, dass er ihm nichts sagt?
  • Wenn Herr Klaehn ein wahres Plattitüdenfurioso abfackelt (nebst den oben genannten kommt ja dazu „Der Knurrer von Kerkrade“, „Die Null muss stehen.“), darf er sich dann über die Plattitüden anderer echauffieren oder muss sich gar Stevens dafür rechtfertigen, dass er ein Spielkonzept entwarf, das nicht in des Journalisten Sprachkonzept passte?

Natürlich nehmen nur Kommunikationsautisten wie wir diese Äußerungen als Plattitüden wahr. Bei den meisten Menschen lösen sie Krösa-Maja-Assoziationen aus: Unheil, Unbill, Unwohlsein. (weitere Details hierzu: Vier-Seiten-Modell).

Bei den Plattitüden nimmt Herr Klaehn nicht nur die TSG ins Visier. Auch die Fans kamen in seinem Vor-Spielbericht vor, kamen aber auch nicht in den Genuss der Sachlichkeit:

Ungewiss ist ebenfalls, ob die TSG-Fans einigermaßen geschlossen von der Sinsheimer Innenstadt Richtung Stadion laufen.

Ja, das war zum Zeitpunkt der Meldung ungewiss. Es hätte hageln können. Es ist immer alles ungewiss, was also soll das, wenn nicht Unbill säen? Rund 500 Fans trafen sich und gingen wie geplant und sehr geschlossen „gemeinsam durch schwere Zeiten“ zum Spiel – und wurden dafür von ihrer Mannschaft und ihrem Trainer nicht enttäuscht.

Machen Sie es doch genauso, Herr Klaehn: Versuchen Sie es mal mit einer neuen Strategie, versuchen Sie mal weniger virtuos zu sein, dafür kurz und präzise (damit wären wir als Vorbild schon mal raus), spielen Sie das sichere Ding, ruhig, sachlich und erarbeiten sich ihre Chancen.

Sie haben ja gestern gesehen, wie das geht und dass die Menschen, auch wenn es nicht 100% klappt, begeistert sind. Also los, machen Sie es wie die TSG: Begeistern Sie uns. Sie können das. Ganz sicher. Aber bekanntermaßen ist es so: Vor dem Können kommt das Wollen.

Was wollen Sie?

Weiterhin Krösa-Maja spielen?
Oder wie die TSG 1. Liga?
Ihr auf die Nerven gehen?
Unter die Gürtellinie?
Oder uns unter die Haut?

Wir wollen unseren Spaß am Spiel sowie an und mit der TSG. Sie sind gerne eingeladen, dazu beizutragen – und das am besten nicht nur pH-neutral.

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