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Akademikerfanclub 1899 Hoffenheim Rhein-Neckar Heidelberg 2007 e. V.

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1899 Hoffenheim vs. Bayer 04 Leverkusen

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Abschied in die Zukunft

Ehren, wem Ehren gebühren

18. Spieltag. Rückrundenstart. Ende Januar. Zuhause. Gegen den Angstgegner: Bayer Leverkusen. Es regnet nicht. Aber es ist kalt. Offiziell sind nur noch rund zehn Minuten zu spielen. Und da war der Moment gekommen. Ein besonderer Moment, der mit sehr großer Spannung erwartet wurde. Sein Moment: Andrej Kramaric. Der Kroate läuft zum ersten Mal für die TSG 1899 Hoffenheim auf. Zum ersten Mal in der Bundesliga überhaupt. Wir schreiben die 83. Minute. Wir schreiben den 23. Januar 2016. Er schreibt Geschichte.

79. Minute. Fast auf den Tag genau zehn Jahre später. 17. Januar 2026. 18. Spieltag. Rückrundenstart. Ende Januar. Zuhause. Gegen den Angstgegner: Bayer Leverkusen. Es regnet nicht. Aber es ist kalt. Andrej Kramaric wird ausgewechselt. In seinem 303. Bundesligaspiel. Kein Kroate stand in mehr Partien des deutschen Fußball-Oberhauses auf dem Platz. 303. Und alle für die TSG Hoffenheim. Er schreibt Geschichte.

Geschichte hat ihre Parallelen.

In der Saison 2015/16 debütierte noch ein weiterer Spieler für die TSG 1899 Hoffenheim aus dem „Ostblock“, wie man, wie die Geschichts- und Geografiekundigen unter euch, geneigte Leser/innen wissen, die dem Pazifik zugewandten angrenzenden Länder der Bundesrepublik Deutschland zwischen Ende des 2. Weltkriegs und dem Ende des Kalten Krieges zusammengefasst nannte – und auch in der Bundesliga gegen Bayer 04 Leverkusen, wenngleich am 1. Spieltag: Pavel Kaderabek.

Er wurde gestern offiziell mehr als verabschiedet: Er wurde höchst gebührend und beeindruckend für seine beeindruckende Dekade bei unserem Dorfverein gefeiert. Er lief 287-mal für die TSG auf (davon 256-mal in der Bundesliga).

Sein Abgang zum Ende der letzten Saison kam faktisch nicht ganz überraschend (sein Vertrag lief aus), war aber dennoch höchst emotional und seeehr tränenreich – nicht nur bei ihm:

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Seine Rückkehr kam dem schon, wie auch er (den/seinen Fans in) der Süd sowohl vor dem Spiel (im Sechzehner) als auch nach dem Spiel (aufm Zaun), sehr nah. Er fand beide Male die richtigen Worte – und auch unsere Kurve fand die beiden richtigen Worte für ihn.

Nur wir fanden – jetzt kein Haar in der Suppe, aber … – es schade, dass er „nur“ sein Tor am letzten Spieltag der Saison 2017/18, genauer: am 12. Mai 2018 gegen Borussia Dortmund als seinen Höhepunkt bei der TSG nannte. Hatte er gar seinen Besuch bei unserer Weihnachtsfeier 2015 vergessen? Wir jedenfalls nicht.
Und ihn nicht. Seit seinem Besuch nehmen wir auch alle unsere TSG-Besucher in die Pflicht, uns was zu schenken, damit wir denen mehr geben können, die weniger haben und denen es hilft. (Nach unserer letzten Weihnachtsfeier konnten wir so sagenhafte 1899 € an Olis Kinderwelt spenden.)

Geschichte wiederholt sich.

Kramarics Premiere in der Bundesliga -> Kramarics Rekordspiel in der Bundesliga: 18. Spieltag, Januar, Bayer Leverkusen, Schlussphase mit „27“ auf dem Anzeigetäfelchen des Vierten Offiziellen)

Geschichte hinterlässt Spuren.

Kramaric ist bereits der 2. Spieler mit über 300 Bundesligaspielen für die TSG – und wurde entsprechend mit einem Mural unter der Süd verewigt. Das hat ihn schon sehr berührt, wie das kleine Video der TSG dokumentiert. Wir haben die entscheidenden Momente daraus KI-generiert modifiziert:

Ja, wir hatten das Glück, auch ihn schon im Rahmen einer Weihnachtsfeier bei uns begrüßen und beglücken zu dürfen.

Und: Geschichte wirft Fragen auf.

  1. Frage: Wie viele aktuell aktive Bundesligaspieler haben mehr Spiele für den Verein auf dem Konto, bei dem sie ihr Debüt in der Bundesliga gaben und seitdem geben?
  2. Frage: Wer ist das?
  3. Frage: Wann hat die TSG zuletzt ein Spiel gewonnen, in dem 90 Minuten lang kein Tor fiel?

Die ersten beiden beantworten wir am Ende des Spielberichts.[1] Die letzte beantworten wir gleich: schon eine Weile her.

Am 12. März 2016 schoss ein gewisser Andrej Kramaric den Siegtreffer gegen den VfL Wolfsburg bereits in der 3. Minute. Rechnet man nun noch die Nachspielzeit dazu, fiel über 90 Minuten lang kein Tor (har, har). Wie gestern …

Und wo wir gerade so schön geschichtsträchtig sind:
Am 29. Januar 2011 gewannen wir gegen einen gewissen FC Schalke 04 ebenfalls durch ein sehr frühes 1:0. Ein gewisser Vorsah erzielte es in der 4. Minute unter einem gewissen Marco Pezzauoli. Es war dessen erster Sieg. Und auch die Entscheidung in der 9. Minute gab es schon einmal: Salihovic erzielte es im selben Jahr gegen Borussia Dortmund, also den Verein, gegen den er Jahre später seine ganz eigene Geschichte schreiben würde, allerdings in der neuen Saison (13. August) unter einem neuen Trainer – einem gewissen Holger Stanislawski.

Geschichte hat ihre Randnotizen.

Ja, die TSG verlor auch schon einmal ein Spiel, bei dem der Gegner kein Tor schoss (0:1 gegen Hertha BSC (Eigentor Polanski) – am 22. November 2015). Und sie verlor auch schon einmal ein Spiel, bei dem sie sogar über 90 Minuten einem Gegentor hinterherlief (0:1 gegen Eintracht Frankfurt (Das Siegtor am 19. August 2019 (1. Spieltag) fiel in der 1. Minute.) Aber selbst gewonnen? Und das durch ein so frühes Tor? Da kann der Betablocker zeigen, was er drauf hat.

Natürlich ist ein 1:0 immer und „mit der letzten Aktion“ auch eine sehr harte Bewährungsprobe für unser aller Blutpumpen, aber das sind auch punkteraubende Gegentreffer zu dem Zeitpunkt. So gesehen, dann doch lieber ein 1:0-Sieg!

Überhaupt gewannen wir nur 22 unserer 595 Bundesligaspiele mit diesem Ergebnis. Das sieht nicht viel aus. Andererseits: Zieht man in Betracht, dass wir insgesamt „nur“ 210“ dieser Partien gewannen, sieht das gar nicht so wenig aus, immerhin sind das über 10% aller Siege.

Das war der bereits 10. in dieser Saison. (In der letzten kamen wir nur auf 7, sogar einer weniger als die relegationsplatzierten Heidenheimer, nach 34 Spieltagen, in der wir mit nur 32 Punkten gerade noch so auf Platz 15 landeten. Aktuell haben wir 33 – und Platz 3 inne.)

Geschichte schreibt sich selbst.

In den Zeiten der Content Creator und des Storytellings bemühen sich ja allerhand Menschen darum, Geschichtchen zu schreiben – mit einer sehr kurzen Lebensdauer.

Man spricht da ja oft von Halbwertszeit, worunter man den Zeitraum versteht, in der eine exponentiell abnehmende Größe (z. B. radioaktive Atome, Wirkstoffkonzentration) auf die Hälfte ihres Ausgangswertes reduziert ist.

Oft extrem geringe Halbwertszeiten haben Isotope, also Varianten eines chemischen Elements, die die gleiche Anzahl an Protonen (gleiche Ordnungszahl), aber eine unterschiedliche Anzahl von Neutronen im Atomkern besitzen, was zu einer anderen Massenzahl führt.

Die meisten Geschichten sind durchaus mit Isotopen vergleichbar: Sie haben zwar eine positive Substanz (Protonen), aber werden oder sind aufgeladen mit gehaltlosem Zeug (Neutronen), wodurch sie zwar mehr Gewicht bekommen (Masse), aber oft insgesamt instabil sind und damit sehr rasch in sich zusammenfallen.
(vgl. „Fan“-Social Media-Portale, deren Geschichtchen an Curium-242m erinnern, dem schnellst zerfallenden Isotop mit einer Halbwertszeit von 40 Nanosekunden.)

Wenn man also versucht, Geschichte(n) zu schreiben, noch schlimmer: vorauszusagen, ist man zum Scheitern verurteilt, weil es auf das Zusammenspiel der Kräfte ankommt, und die lassen sich nicht wirklich vorhersagen.

Bestes Beispiel: unsere TSG.

Wer hatte sie denn vor der Saison in dieser Tabellenregion vermutet? Ilzer war nur bei der Frage nach der 1. Trainerentlassung der Saison ganz oben. Dann kam der Auftaktsieg gegen Bayer 04 Leverkusen. Der lag aber nach Ansicht der Medien nicht in der Leistung unserer Mannschaft oder gar unserem Trainer begründet, sondern alles wurde an der Schwäche von Mannschaft und der Unzufriedenheit mit dem Trainer des Gegners erklärt. Dann waren wir das Team, das nur in der Ferne, aber nicht zuhause gewinnen kann. Das gestern war der 6. Heimsieg in Folge! Dann waren wir das Team, das nur Auswärtsspiele hat, was zeitgemäßer Humor (vgl. Häme) von Journalistinnen und Journalisten ist, die sonst sehr sensibel über alle möglichen Formen so genannter Mikroaggressionen wachen, für den geringen Zuschauerzuspruch, was uns aber egal sein konnte, konnten wir doch fast alle dieser vermeintlichen „Auswärtsspiele“ gewinnen. Unnu sind wir „die Mannschaft der Stunde“? Da steckt die Halbwertszeit ja schon im „Titel“.

Die Geschichte des Spiels …

… ist schnell nacherzählt: Freistoß, Burgers Schuss, Bogenball, Tor und Schluss.

Die Geschichte eines Missverständnisses

Weitaus mehr Menschen mögen diese (Kurz-)Form weitaus mehr als unsere zum Teil ausufernden Suaden (Redeschwälle), die am Rande bzw. im Kern – je nach Sichtweise – immer was mit dem Spiel zu tun haben, aber es halt nicht bei dem belassen. Warum sollten wir, ist es nicht wichtig, zumindest sagen das alle Spieler, Trainer und auch Schreiberlinge in Redaktionen, WG-Zimmern, Cafés – oder wo auch immer diese Medienartikel verfasst werden –, dass es wichtig sei, aus dem Spiel seine Lehren zu ziehen?

Damit sei was anderes gemeint? Sicher? Sagt wer? Wem? Man sollte niemals die eigene Sicht auf die Dinge als Maß aller Dinge nehmen, denn das wäre (sowohl sehr ver-, also abgekürzt als auch englisch gesprochen) „mad“.

Natürlich können das alle halten, wie sie wollen, aber wenn wir eines nicht gern sind, dann isses „dumm“. Und getreu der Phrase „Wer aufgehört hat, besser werden zu wollen, hat aufgehört, gut zu sein.“ lernen wir gerne immer was hinzu. Aber wie gesagt: Können alle halten, wie sie wollen …

Die Lehren des vorherigen Spiels …

… waren in dieser Partie nicht zu erkennen. Sehr wenig Kombinationsspiel im Spielaufbau von hinten, eigentlich nichts zu sehen von der Ästhetik, der Eleganz im Zusammenspiel der Mannschaftsteile. Dafür gab es sehr viele lange Bälle – mit viel Luft nach oben.

Zugegeben, zu Beginn des Spiels funktionierte das prächtig, sollte es die Idee gewesen zu sein, auf die sogenannten zweiten Bälle zu gehen, aber nach 20 Minuten hatten sich die Gäste darauf eingestellt und übernahmen ihrerseits Ball- und Spielkontrolle.

Mussten sie auch, denn sie konnten von Glück reden, dass sie da nicht schon höher zurücklagen. Hätten wir dieses Glück gehabt – und etwas mehr Coolness in den entscheidenden Momenten, hätte es zu dem Zeitpunkt schon 4:0 stehen können – und zu dem Zeitpunkt war das vorherige Spiel noch torlos.

Interessant war auch, dass alle diese Chancen durch kontrolliertes Spiel ohne Langholz entstanden. Dennoch blieben Mannschaft und Trainer bei ihrem Spielkonzept. Es schien ganz so, als ob sie keinerlei Lehren aus dem vorherigen Spiel gezogen hätten. Und das war auch gut so …

Natürlich ist es richtig, von Spiel zu Spiel zu denken, aber nicht von Spiel zu Spiel das gleiche.

Bei allem Respekt vor Mönchengladbach und trotz der geographischen Nähe zu Leverkusen und deren nahezu Komplettumbau in der Mannschaft zu Beginn der Spielzeit, der Ex-Meister ist doch ein anderes Kaliber mit anderen spielerischen wie körperlichen Qualitäten – und einem anderen „Mindset“. Bayer bricht nicht gleich auseinander, wenn es in Rückstand gerät. Dazu hat die Werkself einfach das ein oder andere „Gerät“ in ihren Reihen. Da war es wichtig, besonders aufzupassen, dass sich bei uns keine Fehler aneinanderreihen, und sich besonders auf die Stabilität im letzten Drittel zu fokussieren. Um wie vermeidet man Ballverluste da sowie im mittleren Drittel: Langholz.

So hatten zwar die Gäste viel mehr Spielanteile (Ballbesitz: 38:62%), spielten viel mehr Pässe (347:576) mit einer größeren Sicherheit (76:82% angekommene Bälle), aber absolut wirkungsfrei. 19:8 Torschüsse sind am Ende statistisch vermerkt, wobei nur einer wirklich gefährlich auf Baumanns Gehäuse kam. Aber er parierte den Freistoß Grimaldos aus rund 20 Metern in der 68. Minute, nicht zuletzt auch aufgrund einer sehr unkonventionellen Taktik der Gefahrenabwehr.

Rekurriert man sich da ja meist nur auf das Stellen einer Mauer, zog man diesmal Bernardo hinzu und zurück bis auf die Torlinie. Er wollte sogar noch weiter zurück, wofür er allerdings vom miserab…sehr unglücklich agierenden Schiedsrichter gerügt wurde. Das hatte zur Folge, dass sich hinter der Mauer sehr viele Personen befanden, was aber mehr den Schützen als unseren Torwart zu irritieren schien, denn super platziert war auch der Schuss nicht.

Überhaupt war die Abwehr der Grund dafür, dass Oli so wenig zu tun hatte, denn sie war nicht nur vielbeinig, sondern das, was man ansonsten als bitter empfindet oder gar verbittert – und nur im Fußball einen positiven Beigeschmack hat: gallig.

Besonders eindrücklich war dies, als erst Prömel einen Fehler im Mittelfeld, dann Hranac zwei Riesenfehler am und im Strafraum machte, den er aber dann gemeinsam mit Hajdari und Bernardo und und und ausbügelte, so dass die größte potenzielle Chance der „Pillendreher“ erst gar keine (wirkliche Gefahr) wurde.

Neun Minuten Nachspielzeit gab es, in der aber unsere Mannschaft stabil blieb, zumindest stabiler als wir, die es vor lauter Unruhe nicht auf den Sitzen hielt. Dann war auch die rum, die Nachspielzeit, und das Spiel, und das 18. Kapitel dieser Saison geschrieben. Ja, das 16. muss noch nachgereicht werden, aber es steht nicht zu befürchten, dass danach die bisherige Erfolgsgeschichte dieser Spielzeit wird umgeschrieben werden müssen.

Einfach weiter machen. Weiter spielen. Weiter träumen. Fußballfans sind Romantiker …

Jetzt ist Winter. Doch Kaderabek ließ es uns ganz warm ums Herz werden. Dann kommt Frühling. Dann wird’s warm durch die Sonne … Und dann kommt der Mai … und wir werden uns wieder an Kaderabek und sein Tor gegen Dortmund (s. o.) erinnern … Pure Vorfreude … Sehnen. Hoffen. Bangen. Wäre doch so schön, wenn die Geschichte der Spielzeit wie die gestrige Partie endet … mit einem …

Happy End.

——–

[1] Nur drei aktive Bundesliga-Spieler haben mehr Einsätze für den Verein, bei dem sie ihr Debüt in der Bundesliga gaben und ununterbrochen ihr Bestes geben.
Maximillian Arnold (VfL Wolfsburg): 392
Christian Günter (SC Freiburg): 358
Joshua Kimmich (Bayern München): 309
Ebenfalls 303 Spiele absolvierte zudem für seinen Verein (Borussia Mönchengladbach) Nico Elvedi.

 

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