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Akademikerfanclub 1899 Hoffenheim Rhein-Neckar Heidelberg 2007 e. V.

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3 Comments

1899 Hoffenheim vs. Schalke 04

Das Tabu – Herkunft und Zukunft

Hand & Arbeit

Nach dem Spiel gegen Schalke 04, dem 6. Spiel in der Fußball-Bundesliga ohne Niederlage in Folge, kann es natürlich nur ein Thema geben: die Chancenverwertung. Denn erneut gelang es uns, erstklassige Torerzielungsmöglichkeiten herauszuspielen, aber erneut gelang es uns nicht, damit ein erstklassiges Ergebnis herauszuholen.

Gleichzeitig schufen wir erstklassige Torerzielungsmöglichkeiten für den Gegner, der aus seinem eigenen Spiel heraus, nichts dergleichen zustande brachte – und so kam ein Spiel zustande, das wieder einiges zu dem Stande unserer Mannschaft sagt.

Allerdings geziemt sich das ja als Fan nicht, das eigene Team zu kritisieren. Oder gar verdiente Spieler. Oder gar in unserem Fall den Trainer. Machen wir einen kleinen Ausflug in die Südsee.

Hand aufs Herz

Im Gegensatz zum Rugby spielt Tonga im Fußball keine Rolle. Und im Gegensatz zum Rugby darf beim Fußball (außer vom Torhüter innerhalb des Strafraums (außer bei kontrolliertem Zuspiel durch den eigenen Mitspieler)) – der Ball innerhalb des Spielfeldes nicht in die Hand genommen oder von selbiger berührt werden. Handspiel ist, wie es die Tongaer nennen, tapu.

Dieses Wort brachte der deutsche Naturforscher Johann Georg Adam Forster nach Europa. Er reiste mit dem englischen Forscher und Seefahrer James Cook umher, der 1777 die Inseln im Südpazifik entdeckte. Bei seinen Erkundungen fiel ihm das Wort auf, mit dem die Einwohner ihr Nichtverhalten begründeten, also warum sie gewisse Dinge nicht aßen, nicht tranken, nicht aufsuchten, nicht taten.

Wörtlich hieß tapu (oder, was wir daraus machten: Tabu) bei ihnen ursprünglich „unter Verbot stehend“, „nicht erlaubt“. In seinem heutigen Gebrauch heißt das Wort auf Tonga „heilig“, „geheiligt“, was aber auch „durch Sitte und Gesetz geschützt“ heißen kann, was man am Namen der Hauptstadt des heute außer Großbritannien weltweit einzigen Insel-Königreiches mit Erbmonarchie erkennen kann: Tongatapu.

Heute definiert man Tabu als auf einem stillschweigend praktizierten Regelwerk bzw. einer Übereinkunft, die bestimmte Verhaltensweisen auf elementare Weise ge- oder verbietet.

Die Hand im Spiel haben

Diese beide Facetten erkennt man im Fußball: So ist der Torwart im Fünfmeterraum tabu (also ähnlich Heiligen unangreifbar – und das, obwohl es keine niedergeschriebene Regel dazu gibt), während die Hand selbst nicht tabu ist, sondern das Spielen des Balles mit derselbigen. Und das wiederum ist in Regel 12 der Fußballregeln des DFB sogar genau niedergeschrieben:

Ein Handspiel liegt vor, wenn ein Spieler den Ball absichtlich mit der Hand oder dem Arm berührt. Folgendes ist zu berücksichtigen:

  • die Bewegung der Hand zum Ball (nicht des Balls zur Hand
  • die Entfernung zwischen Gegner und Ball (unerwarteter Ball)
  • die Position der Hand (das Berühren des Balls an sich ist noch kein Vergehen)

Mit Hand und Fuß

Dazu kommen noch weitere Erklärungen wie die „Vergrößerung der Körperfläche“, wobei Julian Nagelsmann mit seinem launigen Kommentar zum Umstand, dass Arme immer die Körperfläche vergrößern würden, da sie ja daneben runterhingen, zwar ihm durchaus Schmunzelpunkte von uns brachte, aber leider keinen Applaus, weil begrifflich falsch, was aber im Fußball auch nichts Neues ist, wo jedermann sagt, dass ein Ball um z. B. als im Aus oder im Tor gewertet werden zu können, im ganzen Umfang die (entsprechende) Linie überquert haben müsse. Auch wenn ein jede/r weiß, was gemeint ist, ist es falsch. Durchmesser ist richtig. Und was Julian Nagelsmann meinte, ist nicht Körper, sondern Torso.

Und wer jetzt meint, das sei dibbelschisserisch, möge sich an seine/ihre eigene Reaktion erinnern, als ihm/ihr neulich an einer Kasse ein Cent zu wenig zurückgegeben wurde. Worte sollten mehr Wert haben.

Allerhand!

Und wo wir schon dabei sind, etwas genauer zu sein, ist auch der Terminus „Handspiel“ irreführend, denn, wie in der Regel festgehalten, trifft dies auch auf Berührungen mit dem Arm zu. Allerdings würde aufgrund eines der wirklich wenigen Homophone im Deutschen der stadionweite Aufschrei „arm“ sehr ambivalente Gefühle hervorrufen, denn es wäre ja rein phonetisch unklar, ob die Fans nun eine unkorrekte Ballberührung der gegnerischen oder die Spielweise der eigenen Mannschaft monieren würden.

Also bleiben wir bei „Hand“, was ja nicht nur fußballregeltechnisch, sondern eben auch anatomisch ein hochkomplexes Thema ist, schließlich befinden sich rund ein Viertel der Knochen des menschlichen Körpers (27 – und damit einer mehr als im Fuß) in dem Greiforgan, das durchzogen ist von zahlreichen Gefäßen und Sehnen sowie Muskeln. (Die Finger selbst besitzen keine Muskeln.)

Die rechte Hand weiß nicht, was die linke tut.

Nun haben sich Nagelsmann und Tedesco in der PK nach dem Spiel für „Absicht“ als alleiniges Kriterium bei der Bewertung, ob ein strafwürdiger Regelverstoß vorliegt, ausgesprochen, wie es ja auch in der Regel steht, allerdings ist auch das unsauber definiert, denn Absicht impliziert eine willentliche Entscheidung. Ein Reflex hingegen ist eine solche nicht, denn hier erfolgt die Verarbeitung einer Information neuronal,z. B. über einen Reflexbogen, nicht im Gehirn, sondern im einfachsten Fall über den einfachen monosynaptischen Reflexbogen im Rückenmark.

Kann man da also wirklich von Absicht sprechen? Vielleicht sollte man der Einfachheit halber die Definition von Porno des US-Bundesrichters Pooer Stewart auf diese Regel adaptieren:

„Ich kann Handspiel nicht definieren, aber ich erkenne es, wenn ich es sehe.“

Aber Pragmatismus dieser Art ist ja ebenfalls ein Tabu in Deutschland. Die Exaktheit im Detail ist wichtig, deren Widersprüchlichkeit als Ganzes stört niemanden. (vgl. Diskussion um Stickstoffemissionen im Innen- und Außenbereich, von Kraftfahrzeugen und Adventskerzen; Aufregung über Missbrauch von Steuergeldern durch Bezieher des Arbeitslosengeldes II vs. durch Betreiber z. B. von Cum-Ex-Geschäften etc.)

Und auch im Fußball ist es völlig normal, dass dieselben Leute, die für „klare Regeln“ plädieren, die ersten wären, die für deren temporäre Aussetzung plädieren würden, was sie dann, passend zum Thema „Hand“, als „Fingerspitzengefühl“ beschrieben.

Beine in die Hand nehmen

Dieses Spitzengefühl befiel die Zuschauer sehr schnell, denn unerwarteterweise gingen wir sehr rasch sehr forsch ans Werk und bestürmten das Schalker Tor. Allein in den ersten fünf Minuten hatte allein Zuber drei sehr gute Chancen und auch sehr gut gezielt. Sein erster Schuss ging vorbei, den zweiten konnte der Gästekeeper halten, beim dritten landete der Ball an der Latte. Wir hatten sprichwörtlich

das Heft in der Hand.

Danach ließen wir merklich nach, ohne dabei aber die Kontrolle über das Spiel zu verlieren. Zwar hatten auch die Gäste Chancen, aber sie waren nichts im Vergleich zu den unseren, z. B. der Doppelchance von Demirbay und Joelinton. Allerdings begann da auch die Phase, in der der Schiedsrichter

alle Hände voll zu tun

hatte. Zuber sprang bei einem Abwehrversuch der Ball vom Rippenbogen an den Arm, woraufhin der Schiedsrichter erst auf Ecke, dann auf Elfmeter und dann nach Ansicht der Videobilder letztlich Ecke entschied. Zuvor gab es im Gästestrafraum eine ähnliche Situation, wo ein Schalker Verteidiger den Ball sich an die Hand köpfte. Auch da entschied der Schiedsrichter, dass kein Regelverstoß vorlag.

Das tat er dann noch zwei weitere Male. Erst sprang einem Schalker der Ball an die Arm, dann Belfodil, dessen Ball landete dann aber an der Hand eines Schalkers und JETZT gab es dann doch den Elfmeter – ohne Ansicht der Videobilder.

Trümpfe in der Hand (haben und geben)

Die Gäste bestürmten den Schiedsrichter, aber er blieb dabei und der Kölner Keller still. Nach einer gefühlten Ewigkeit konnte Kramaric antreten und verwandeln. Eine glücklich zustandegekommene, aber hochverdiente Führung. Auch wenn wir das Tor der Gäste nicht mehr so intensiv anrannten, hatten wir Spiel und Gegner im Wesentlichen gut im Griff, als der Schiedsrichter wieder auf den Punkt zeigte. Diesmal für die Gäste nach einem völlig überflüssigen Foulspiel von Bicakcic.

Und so erzielten die Gäste mit ihrem ersten Schuss auf Tor im zweiten Durchgang den Ausgleich – und danach spielten (fast) nur noch sie.

Bei uns gelang einfach kein Spielaufbau mehr. Wenn wir Glück hatten, landete der Ball bei dem inzwischen eingewechselten Nelson, der für etwas Entlastung sorgen konnte, aber ansonsten ging bei den unseren nichts mehr. In der Offensive kam kaum ein Ball an – und selbst die Maschine Joelinton ins Stocken. Nun war es nicht so, dass die Gäste uns

völlig in der Hand

hatten, aber alle hofften auf den Schlusspfiff und dass Hübner endlich wieder gesund wird. Mit ihm war Vogt klasse. Von ihm ging auch bei Ecken Torgefahr aus – unseren Jungs hingegen mehr und mehr die Puste. An sich kein Problem, dass einige Spieler überspielt sind. Das Problem ist, dass sie immer häufiger überspielt werden.

Und in der Woche kann es ja jeder etwas langsamer und ruhiger angehen. Endlich mal eine ganz normale Woche, in der jeder jeden Abend zeitig in seinem Bett schlafen kann. Den Spielern tut das gewiss gut, auch mental etwas zu generieren. Dem Trainerstab mag es gut tun, zu reflektieren und zu analysieren – und vielleicht doch an dem ein oder anderen Tabu zu rütteln.

Aus Erster Hand

Und da lassen wir doch, zumal im Fußball bekanntlich Freud und Leid ganz nah zusammenhängen, zu dem Thema den österreichischen Psychoanalytiker Sigmund F. zu Wort kommen:

„Die Tabuverbote entbehren jeder Begründung, sie sind unbekannter Herkunft; für uns unverständlich, erscheinen sie jenen selbstverständlich, die unter ihrer Herrschaft leben.“

Die darf es für uns nicht geben. Weder für uns als Akademiker und erst recht nicht für die TSG, einfach um in Zukunft derartiges Leid (wie sinnlose Gegentore) zu verhindern. Die Begründung sowie die (Er-)Mahnung ist, wenn man sich unser Kürzel genauer anschaut,

auf der Hand liegend:

Tabus sind gefährlich.

 

 

Comments

  1. Heiner Rennings

    Sie sind also auch den Fake News vom Verbot der Adventskerzen aufgesessen :-))
    Und nach Regel 12 der Fußballregeln des DFB war der Foulelfmeter für die TSG unberechtigt. Das hat sogar Nagelsmann zugegeben.
    Sie sollten sich also nicht mehr über angebliche „Pissnelken“ beschweren

    • Adventskerzen: Nein, sind wir nicht.
      Regel 12: Nun, ob Herr Nagelsmann DIE Institution in Sachen Regelkunde ist, darf zu Recht bezweifelt werden. Aber gerne gehen wir inhaltlich auf Ihre Anmerkungen ein:
      1. Es gab keinen Foulelfmeter für uns, sondern gegen uns.
      2. In Regel 12 wird nicht das Foulspiel behandelt, sondern das Handspiel.
      3. Einen solchen Elfmeter wiederum gab es für uns, wobei in dem Beitrag keine Silbe darüber steht, dass er gerechtfertigt gewesen sei.
      4. Vielmehr ist von „glücklich zustandegekommen“ die Rede.

      Somit fehlt wohl auch Ihrer conclusio das rationale Fundament. Darüber beschweren wir uns nicht, das konstatieren wir nur – als Faktum – selbstverständlich mit dem innig verbundenen Wunsch, dass Sie sich argumentativ verbessern und so schon bald über den Status des Trollpraktikanten hinauskommen.

      Wir sind zuversichtlich.

  2. Heiner Rennings

    SIE HABEN NATÜRLICH RECHT
    SIE HABEN NATÜRLICH RECHT
    SIE HABEN NATÜRLICH RECHT
    SIE AHBEN NATÜRLICH RECHT
    SIE HABEN NATÜRLICH RECHT
    SIE HABEN NATÜRLICH RECHT …..
    ich bereue
    ich bereue
    ich bereue
    ich bereue
    ich bereue…..

    aber für die TSG reicht es zum Glück trotzdem nicht für Europa :-))

    ich bin auch zuversichtlich !

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