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Akademikerfanclub 1899 Hoffenheim Rhein-Neckar Heidelberg 2007 e. V.

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1899 Hoffenheim vs. VfL Wolfsburg

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Das ITEDV-Team

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Die TSG ist zurück – in Normalform. Also in Normalform 2.026. Aber so ist das mit Updates.

Im Großen und Ganzen spielten wir 2024 immer noch auf dem Framework 2.007. Das funktionierte damals ja prächtig, war state-of-the-art und das beließ man dann so bzw. hat sich dann das ein oder andere Tool irgendwoher besorgt und integriert im Glauben, es zu perfektionieren. Erst merkt man nichts, glaubt aber daran. Also baut man irgendwas um, in der Hoffnung, Prozesse zu beschleunigen, aber das System wird langsamer. Einige Teile funktionieren nicht mehr reibungslos, dann stürzen sie ab, immer wieder muss man alles runterfahren und hoffen, dass es nach dem Wiederhochfahren wieder klappt wie früher, was es manchmal tut, manchmal nicht und dann immer seltener, das Warten auf Abläufe und Ergebnisse wird immer länger.

Typisch und menschlich, dass man in solchen Situationen glaubt, durch Investitionen gerade in die Hardware (neue Motherboards, neue Prozessoren, neue Speicher, neu, neu, neu) das Problem reparieren zu können, aber das bringt gar nichts, wenn man das alte System draufspielt. Denn das kann ja dann nur das Alte darauf abspielen.

Dann sucht man sein Heil in der Vermutung, dass man ausgetrickst worden sei, einen Virus im System habe, aber die Systemanalyse ergibt: Es gibt keinen Virus, nur einen Haufen Cookies, die sich im Laufe der Zeit angehäuft haben. Sie lähmen das System, weil sie ständig versuchen, sich zu verknüpfen, und das auf Pfaden, die es nicht mehr gibt, weil ständig wer mit kleineren Modifikationen versucht hat, die Prozesse zu optimieren. Doch diese Irrläufe(r) führten letztlich dazu, das komplette System zu blockieren. Und letztlich hilft da nur, das Back-Up zu reaktivieren, mit dem das System halbwegs zufriedenstellend lief, auch wenn sich darin x Bugs befanden. Damit würde man zwar nicht lange bestehen oder gar weit kommen können, aber das musste man zu Ende der letzten Saison auch nicht. Nur über den Strich. Und das gelang ja auch. Gerade so. Platz 15. Mit 32 Punkten.

Inzwischen hatten die inzwischen Verantwortlichen auch erkannt, dass sie die nötigen Updates zum einen überhastet, zum anderen zu spät durchgeführt haben. Also haben sie die Sommerpause genutzt, auf den Reset-Button gedrückt und sind in den Default-Modus gegangen: Werkseinstellungen 1.899, Betriebssystem 2.008.

Die Neuaufsetzung erfolgte gemäß des durch Elon Musk bekannt gewordenen 5-Schritte-Algorithmus:

    1. Anforderungen infrage stellen:
      Jede Anforderung sollte hinterfragt werden, egal von wem sie kommt (auch von klugen Leuten). Anforderungen sind oft fehlerhaft.
    2. Prozesse löschen:
      Unnötige Teile oder Prozesse entfernen. Wenn man nicht gelegentlich Dinge wieder hinzufügen muss, wurde nicht genug gelöscht.
    3. Vereinfachen/Optimieren:
      Erst nach Schritt 1 und 2 den verbleibenden Prozess optimieren. Ein häufiger Fehler ist es, etwas zu optimieren, das gar nicht existieren sollte.
    4. Zykluszeit beschleunigen:
      Den Prozess erst beschleunigen, wenn er vereinfacht und notwendig ist.
    5. Automatisieren:
      Prozesse erst ganz zum Schluss automatisieren

Jetzt erfreut sich der Mann als Mensch keiner allzugroßen Beliebtheit, was aber bei der Evaluierung der Methode keine Rolle spielen darf. Es geht ums Ergebnis. Und das Ergebnis gibt nicht nur ihm in seiner Rolle als Unternehmer Recht, sondern auch der TSG. Aber sie neigt dazu, dieselben Fehler zu machen wie Elon Musk, die/wie er selbst einräumte.

    • Übermäßige Automatisierung
      Falsche Priorisierung, d.h. man fokussiert sich vor lauter Gier nach Effizienz zu früh auf Punkt 5, bevor Punkt 3 komplett abgeschlossen ist.
    • Über-Simplifizierung
      Er übertrieb es damit, Teile zu streichen, wodurch die Entwicklung insgesamt verlangsamt wurde.
    • Ignorieren von Prozessschritt 1
      Oft ist man selbst zu sehr verliebt in die eigene Idee, als dass man bereit ist, sie zu hinterfragen und anzupassen bis hin dazu, sie aufzugeben.

Und das konnte man in den letzten Partien allesamt gegen Teams, die im Tabellenkeller stehen, sehr genau sehen. Und das Spiel gestern gegen den Tabellenvorletzten war in vielerlei Hinsicht eine Wiederholung der letzten Spiele. Das ist nun kein Beweis, aber immerhin ein Indiz dafür, dass zu früh zu viel Fokus auf Punkt 5 gelegt wurde.

Auch im Spiel gegen den VfL Wolfsburg dominierte die TSG von Anfang an Ball, Gegner, Spielgeschehen. Das Bällchen lief sicher in den eigenen Reihen. Im Abwehrdrittel war wenig los und wenn, war alles unter Kontrolle. Im Mittelfeld bewegte man sich viel, spielte variantenreich, aber immer kontrolliert, um nicht in einen Konter zu laufen. Im letzten Drittel ging es dann meist über die Flügel, von wo man aber selten weiter kam in Richtung Strafraum. Links fehlte Touré die Tiefe, um seine größte Stärke, die Geschwindigkeit, auszuspielen.

Um die IT-Analogie von oben zu bemühen: Man kann auch mit Word eine Werbeanzeige grafisch gestalten, sieht halt nur entsprechend aus.

Rechts standen sich Prass und Coufal ständig im Weg.

Um die IT-Analogie nochmals zu bemühen: Man kann auch mit einem Grafikprogramm einen Brief schreiben, macht es aber nur unnötig kompliziert.

So hatten wir zwar gefühlt 90% Ballbesitz und fast minütlich einen Eckball, aber keine großen Chancen – und die wenigen, die wir hatten, wehrte entweder deren Torwart ab oder verwehrte uns die als Schiedsrichter verkleidete Person, die im wahren Leben wohl den Vorsitz einer Pillepallekommission hat, aber gestern eben ihren großen Auftritt, wo sie es mal allen zeigen konnte.

Dabei vergaß sie, dass es hier nicht um einen Kindergartenausflug geht, wo sich alle artig benehmen sollen. Umso mehr war sie sich aber der Tatsache gewahr, dass sie es ist, nach deren Pfeife alle zu tanzen hatten.

Vielleicht wollte der Schiri auch nur, dass man ihn für sein keck-modisches Schuhwerk mit den roten Schnürsenkeln lobt. Und da hat er wohl den Szenenapplaus aus unserer Fankurve für seinen missratenen Versuch einer virtuosen Ballbehandlung als Hohn interpretiert.

    • Er pfiff drei kleinere Freistöße von uns ab, weil sich der Ball noch bewegte. Pedantisch, aber in Ordnung. „Ze regels are ze regels.“ Wäre in der Folge ein Tor für uns gefallen, … geschenkt.
    • Spielunterbrechung. Coufal bereit zum Einwurf. Herr Reichel pfeift das Spiel wieder an. Coufal nimmt den Ball und will einwerfen, macht dabei irgendwas – und niemand weiß, was – falsch, was den Herrn veranlasst, erneut zu pfeifen, und Coufal persönlich anzugehen, also zu ihm hinzurennen, sich vor ihm aufzuplustern, ihm irgendwas zu erzählen, so dass sich unser Kapitän bemüßigt fühlte, hinzurennen und präventiv zu schlichten und Coufal zu beschwichtigen.
    • Freistoß für uns. Coufal legt sich den Ball hin und alles wartet darauf, dass die Gäste ihre Mauer endlich stellen, und es mit dem Spiel weitergehen kann. Es dauert. Coufal legt sich den Ball nochmal hin, schriller Pfiff von Herrn Rottenmei…Reichel. Wieder kommt er furiengleich angerannt und wohl gewillt, unsere 34 wieder anzuraunzen, doch auf dem Weg stellte er sich wohl die Frage, weshalb. Nun denn, er hat das Theater begonnen, also muss er es auch gesichtswahrend zu Ende bringen. Also zückte er gestenreich sein Pulverdöschen und übte sich im schwungvollen Rasengrafitti. Daraufhin schnappte er sich die Kugel und platzierte sie ganz dramatisch keine 20 Zentimeter versetzt zu der Position, wo der Ball schon die ganze Zeit lag. „Und wehe, Pursche,“ signalisierte er Coufal unmissverständlich, „du bewegst den Ball auch nur einen Nanometer weiter!“

Grotesk.

Dass er sich das klare Foul an Touré im Strafraum nicht einmal anschaute, passt perfekt dazu. Frollein Rottenm…Herr Reichel sah da nichts und wollte wohl auch nichts sehen – und auch Herr Siebert im Keller sah da keinen Anlass, ihn zur Re-Evaluierung der Situation in die „Review-Area“ zu schicken.

Als es dann eine Spielunterbrechung gab, begab sich Kramaric schon sehr selbstbewusst samt Ball unter dem Arm zum Strafstoßpunkt. Was fehlte, war die Bestätigung des Offensichtlichen. Sie blieb aus, was offensichtlich zeigt, woran es auch im deutschen Fußball mangelt: Rechtssicherheit, denn dieselbe Situation wurde in den letzten Wochen immer wieder als strafbar bewertet. Diesmal nicht.

Nun könnte man das abtun als „normative Kraft des Faktischen“ (übersetzt: „Isso.“) Aber der Staatsrechtler Georg Jellinek beschrieb damit die Empfindung wiederkehrender Zustände oder Verhaltensweisen (Fakten) als rechtmäßig oder richtig (Norm). Von „richtig“ kann hier auf gar keinen Fall die Rede sein – weil das Ausbleiben des Pfiffes in einer solchen Situation eben kein wiederkehrender Zustand ist, d.h. wäre das zuletzt ebenfalls nicht gepfiffen worden, wäre es in Ordnung gewesen. Das war der Fall bei dem Handspiel eines Wolfsburgers im Strafraum, als ihm der Ball an den Arm geriet, mit dem er sich auf dem Boden abstützte. Zweifelsohne hätten wir den gerne gehört, aber das war in Ordnung, dass wir den nicht gehört haben. Dass sich die Schiedsrichterarmada dazu entschloss, Tourés Sturz als „Nö!“ zu bewerten, war es nicht.

So ging es torlos in die Pause eines gefälligen Spiels, das in vielem der Partie gegen St. Pauli glich, nur dass die Gäste nicht zufällig und völlig grundlos in Führung lagen.

Das geschah dann in der 65. Minute, als der Kopfball der 2. Ecke der Gäste im hinteren Eck unseres Tores landete. Wir hatten zu dem Zeitpunkt schon ein Dutzend Ecken gehabt, doch das Runde gelang von da immer nur ins Eckige VOR dem Tor der Gäste, die keine Probleme hatten, diese Standards alle mühelos zu klären.

Die Mannschaft bemühte sich weiter, spielte weiter gefällig, aber bei weitem nicht mehr so wie gegen Ende des letzten und zu Beginn des neuen Jahres. Es fehlte das Tempo, die Präzision, die Sicherheit. Im Gegenteil. Verunsicherung brach sich Bahn, wie die völlig missglückte Rückgabe von Avdullahu auf Baumann zeigte.

Sein Rückpass aus gut 50 Metern ging gerade mal 5 Zentimeter am Tor vorbei. Ein Dank dem Greenkeeper. Eine kleine Bodenunebenheit hätte uns die zweite Heimniederlage in Folge bescheren können – und wir hätten uns nicht beschweren können, denn obwohl wir natürlich den Gegner bezwingen wollten, kreierten wir nichts Zwingendes.

Wir spielten nicht mehr Fußball wie im Herbst und Winter, wir fangen wieder an, wie früher Fußball zu kämpfen – und dabei zu verkrampfen.

Natürlich spielen wir immer noch ansehnlich und schön und flüssig, aber es hakt im Abschluss – und das nicht nur beim letzten, sondern inzwischen auch beim vorletzten Ball. Wie eingangs gesagt: Die TSG ist zurück – in Normalform. Also in Normalform 2.025. Aber so ist das mit Updates. Sie sorgen schon insgesamt für eine bessere Performance, insgesamt bessere Werte, aber selbst der schnellste Prozessor bringt keine sensationellen Ergebnisse, wenn der Input scheiße ist.

Zum Glück sorgte unser schnellster Spieler indirekt für ein akzeptables Ergebnis: Tourés Flanke konnte Prömel per Kopf zum 1:1-Endstand nutzen.

Mit dem einen Punkt konnten wir uns immerhin auf drei Punkte auf unsere punktgleichen Verfolger absetzen, die heute Abend gegeneinander spielen. So gesehen ist nichts passiert – und der Abstand zu den Bayern wurde auch nicht größer 🙂 –, aber es zeigen sich Zeichen, dass die Länderspielpause gerade richtig kommt, um die Festplatte der TSG vor dem Re-Boot vor dem Saisonfinale einfach mal zu defragmentieren. Und für Freitag einfach mal die Caches löschen. Wie das am schnellsten geht, steht da, wo die TSG steht: weit oben.

 


 

Nachruf auf Jürgen Habermas:

Gestern starb Jürgen Habermas. Der Philosoph und Soziologe war einer der weltweit meistrezipierten Philosophen und Soziologen der Gegenwart – und ein „Begleiter“ vieler unserer Mitglieder im Studium. („Keine Hausarbeit ohne Habermas.“)

Da ward natürlich die Anfrage gestellt, den Spielbericht zu der Begegnung in der Art von Habermas zu verfassen. Das wäre anmaßend gewesen, wehrten wir ab. Aber natürlich auch reizvoll, dachten wir uns.

Aber eine goldene Regel dieser Spielberichte ist es, nichts zu zwingen. Wenn sich eine Idee aufdrängt und genommen werden will (hier und heute: IT), dann nimmt man die Idee und nicht das, was man sich zuvor vorgenommen hat, sprich: will.

Und damit agieren wir ganz im Geiste eines von Habermas‘ zentralen Begriffen aus seinem 1981 erschienene Hauptwerk: „Theorie des kommunikativen Handelns“. Er spricht darin vom

„eigentümlich zwanglosen Zwang des besseren Arguments“.

Nach Habermas zählt in der idealen Sprechsituation nur dieser eine Zwang — kein Machtgefälle, keine strategischen Vorteile, nur das Argument selbst, das sich von innen heraus durchsetzt. Und genau das meinten wir oben. Er hätte unsere „goldene Regel“ wohl eher so ausgedrückt:

„Im Prozess verständigungsorientierten Handelns tritt dem Sprecher mitunter ein Geltungsanspruch entgegen, der sich der strategischen Intention entzieht — ein Anspruch, der nicht gesetzt, sondern anerkannt werden will. Die kommunikative Vernunft liegt nicht im Willen des Subjekts, sondern in der Struktur der Situation selbst.“

Habermas würde die „Idee, die genommen werden will“ als einen Geltungsanspruch beschreiben, der aus der Situation heraus entsteht — nicht aus dem Absichtshorizont des Handelnden. Das Subjekt wird dabei ein Stück weit von seiner eigenen Intentionalität entbunden. Was bei uns klingt wie kreative Freiheit, klingt bei Habermas wie kommunikative Vernunft — aber beide meinen im Kern:

manchmal führt nicht der Plan, sondern die Sache selbst.

Das ist schon eine sehr gute Lebensphilosophie, unseretwegen auch, weil es hier ja um Fußball geht: Taktik – und die Formulierung nicht von Habermas, sondern von uns. 🙂

Und auch eine ganz gute Idee für die TSG, aber wie lernt man Kreativität? Auch durch Normen, selbstverständlich, denn sonst wäre es Chaos, aber halt auch durch Fehler und Weglassen, denn meistens steht man ja sich selbst im Weg. Manchmal sind es aber auch Prass und Coufal, Burger und Avdullahu, Kramaric und Asllani. Oder wir und Habermas.

Im Gegensatz zu ihm sehen wir das wie sein Chef am Institut für Sozialforschung in Frankfurt, Theodor Adorno. Für ihn kann Kunst als objektive Kraft die gesellschaftliche Gleichschaltung aufbrechen und dem Subjekt helfen, sich von sich selbst zu befreien — sie ermöglicht es, den Moment des Freiseins zu erleben und neue Freiräume zu erforschen.

Wir wollen das mal für uns so übersetzen:

„Kreativität braucht – gerade auch auf dem Platz – Freiräume, um Freiräume zu schaffen.“

Nächsten Freitag gegen Leipzig wird’s die geben …


Bildquelle: Wolfram Huke, http://wolframhuke.de - Transferred from en.wikipedia to Commons by ojs., CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=3546577
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