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1. FC Heidenheim 1846 vs. 1899 Hoffenheim

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Kein Spiel für TSGourmets

Der Kick mit mehr Kulinarik denn Technik

Da war das Spiel zur Wiedergutmachung. Ja, das klingt dramatisch, aber war ja schon irgendwie so. Zwei Spiele gegen Tabellenkellerkinder und nur ein Punkt, das war man nicht gewohnt – und es sollte nicht zur Gewohnheit werden. Nun also beim Schlusslicht, wo der Trainer in die Motivationstrickkiste gegriffen hat, indem er so tat, als ob er sich mit dem Abstieg abgefunden hätte, wodurch er ja nichts anderes machte, als Druck von seiner Mannschaft zu nehmen, auf dass sie das Spiel unverkrampft angeht.

Selbiges wollte natürlich auch unsere Mannschaft, aber daran war nach den letzten Ergebnissen nicht zu denken. Das Spiel auf dem höchsten Platz der Liga sollte uns zumindest den Platz in der Tabelle sichern – und höchstmöglich ausfallen, um auch wieder etwas für die Tordifferenz zu tun. Das Polster schmolz ja auch, was nichts mit der Frühlingsonne zu tun hatte.

Es war auch nicht sie, sondern eben jene Konstellation, die dafür sorgte, dass das Spiel in der ersten Viertelstunde seeehr, seeeeeeehr, seeeeeeeeeehr zäääääääääääh, öööööööööööd, laaaaaaangweilig, sprich: gäääääääääääääääähn war.

Plötzlich Prass.

Krass.

Doppelpass.

Maßnahme.

Der passte.

Perfekt unter die Latte.

Die Führung kam aus wahrlich heiterem Himmel. Er scheint nicht nur nur in, sondern auch nur aus der Ferne zu treffen, denn das war bereits der zweite Torschuss unserer Doppel-Zwei, wobei der erste allerdings aus wesentlich besserer Position wesentlich kläglicher endete.

Aber wir wollten nicht klagen. Immerhin mal wieder eine Führung, die auch dankenswerterweise den ersten Gegenzug überstand. Danach kam zwar etwas mehr Bewegung, aber nicht wirklich mehr PS auf den Rasen. Da war einiges an Luft nach oben – und das lässt eigentlich, nur einen Schluss, zumindest eine Vermutung zu, wo wir schon bei der Auto-Analogie sind: Es stimmt was mit der untenliegenden Nockenwelle nicht. Wobei das wiederum auf einem prinzipiellen Missverständnis beruhen kann:

Aus deutscher Sicht ist eine Nockenwelle das „Gehirn“ der Motoratmung. Sie steuert das Öffnen und Schließen der Ein- und Auslassventile im richtigen Takt. Durch exakt geformte Erhebungen (Nocken) drückt sie die Ventile genau dann auf, wenn Frischgas in den Zylinder muss oder Abgase raus sollen, und lässt sie per Federkraft wieder schließen.

Nun haben aber bei uns Österreicher das Sagen. Und österreichische Nocken sind eher fürs Bauchgefühl verantwortlich: kleine, mit dem Löffel geformte Klöße oder Nocken, die aus einem Teig aus Mehl, Eiern, Milch oder Wasser hergestellt werden. Diese sind schon wesentlich weicher, wesentlich weniger exakt geformt und sind für ganz andere Arten von Abgasen zuständig.

Und Wellen? Versteht ein Deutscher physikalisch, während ein Österreicher auch diese eher lukullisch versteht, vgl. Donauwellen.

Und die Mannschaft wirkte nicht satt, aber auch nicht wirklich hungrig. Es fehlte der Schwung, die Abstimmung, das Exakte einer deutschen Nockenwelle. Dafür hatte sie die Energie einer österreichischen.

Ihr Auftreten auf dem Platz hatte was vom All Inclusive Urlauber am Mittags-Buffet, drei Tage vor Abreise: Klar, lässt man sich das nicht entgehen, aber man stürzt sich nicht mehr drauf. Man weiß, was es gibt und nascht sich so durch. Wenn es grad was nicht gibt, wird nicht gewartet, sondern man greift halt zu was anderem.

Dieses Verhalten, was bei einem Pauschaltouristen/einer Pauschaltouristin begrüßenswert wäre, sollte ein Profikicker bei der Ausübung seines Berufs nicht an den Tag legen.

Und so standen wir meist im (Ess-)Raum rum, und ließen jegliche Gier vermissen. Klar wurde es dann in unserem S-(sprich: Straf- ) Raum auch mal enger, so dass schon die Gefahr bestand, dass uns die Heidenheimer die metaphorische Wurst vom Brot nehmen würden, aber immerhin da blieben wir resolut. Auch das kennt man aus dem Pauschaltrip: Ich will zwar nichts, aber bevor wer anders was bekommt, nehme ich es.

Aufs Spiel bezogen:
Bernardos Klärung war absolut sauber. Dieses ganze Gerede um „Kopftreffer“ ist Sinnbild und Lehrstück für Ursache und Wirkung und die Notwendigkeit für eine ganzheitliche Betrachtung. Gab es einen Kontakt zwischen Bernados Schuhwerk und dem Kopf des Heidenheimer Spielers in rund ein Meter siebzig Höhe? Ja. Aber nicht Bernados Fuß traf des Angreifers Kopf, des Angreifers Kopf traf Bernados Fuß. Eine ganz offensichtliche Situation, die aber von einem Ergebnis her bewertet wurde. Und das ist, aber müssen wir dir, geneigte/r Leser/in, das wirklich sagen?, natürlich bequem, emotional aufgeladen, aber faktisch völlig falsch.

Wie gesagt:
Diese Szene ist Sinnbild und Lehrstück für Ursache und Wirkung und die Notwendigkeit für eine ganzheitliche Betrachtung.

Und so sehr der VAR das da wohl richtig sah, so erschreckend lange brauchte er, die Rechtmäßigkeit des zuvor wegen Abseits nicht gegebenen Tores für die TSG zu bestätigen: Kramaric erhielt den Ball vom Gegner und erkannte den freien Mitspieler und servierte ihm einen Zuckerpass als Leckerbissen.

Wieder Prass.

Krass.

Doppelprass.

Maßnahme.

Der passte.

Diesmal zwischen die Beine.

In die Pause.

Vier Minuten nach Wiederanpfiff wurde dann allenthalben gedacht „Deckel drauf“. Avdullahus Schuss noch von der Nr. 1 der Gastgeber abgewehrt werden, aber genau vor die Füße unserer Nr. 11. 3:0 für die TSG.

Was sollte da noch anbrennen? Nun, das passiert gerne mal, wenn der Deckel drauf ist. Gerade dann, wenn von unten (dem Tabellenletzten) Feuer gemacht wird, wenn man selber eigentlich satt ist. Da gerät dann das Ganze (Gebilde der TSG) unter Druck und schon fliegt einem zwar nicht das Blech weg, aber es (das Stadion) kocht über. Hitze ist nichts anderes als rasante Bewegung von (nicht nur süßen) Teilchen (z. B. (Vanille-)Nocken. Die (Bewegung) der Heidenheimer war allerdings alles andere als unkontrolliert. Und trotzdem – oder gerade deswegen – ging es auf einmal im Heidenheimer Hexenkesselchen heiß her.

Temperatur ist ein Maß für die durchschnittliche kinetische Energie der Teilchen (Atome/Moleküle), und Wärme (bzw. Hitze im umgangssprachlichen Sinn) ist im Wesentlichen die ungeordnete, rasante Bewegung dieser Teilchen.

Nach einem Einwurf trafen sie zum 1:3 und kurze Zeit später erneut. Der zweite Treffer wurde aber zu Recht wegen Abseits zurückgenommen. Das allerdings dauerte erneut irritierend lange.

Das stieß uns TSGourmets plötzlich doch alles sehr bitter auf. Auch wenn es zur Uhrzeit gepasst hätte, war offensichtlich „abwarten und Tee trinken“ das falsche Rezept, um dieses Spiel zu gewinnen. Es war eher dazu geeignet, das große Kotzen zu bekommen – und das ganz ohne sich zuvor überfressen zu haben. Aber dafür fast verschluckt. Kabak fälschte einen Ball unglücklich ab, aber glücklicherweise landete der gerade noch am Innenpfosten – und sprang von da raus. Die plötzliche Galligkeit der Hausherren bekam uns gar nicht.

Unser Ersatztrainer warf aber mit Hranac und Lemperle die richtigen Mittel gegen den sich anbahnenden Brechreiz ein. Letzterer stellte keine zwei Minuten nach seiner Einwechslung nach Zuspiel von Touré den alten Vorsprung wieder her.

Dennoch rumpelte und pumpelte die TSG weiter durchs Spiel. Irgendwie schien der (Band-)Wurm im Spiel. Da ging nichts mehr runter wie Öl, sondern erneut nach einem Standard der Ball in Baumanns Gehäuse. Lemperles Hüfte ist nun nicht die breiteste, aber es reichte, die versuchte Kopfballverlängerung eines Heidenheimer Eckballs ins eigene Tor abzufälschen. Obwohl das Spiel längst nicht mehr so zäh war wie zu Beginn, schmeckte es uns gar nicht, was uns die Heidenheimer einschenkten. Das musste erstmal verdaut werden. Zumal da noch sechs Minuten regulär zu spielen waren. Dazu kamen sieben Minuten Nachschlag.

Doch unsere Befürchtung, dass wir daran schwer würden zu kauen haben, bewahrheitete sich nicht. Im Gegenteil. Zum Ende hin konnten wir uns eher wieder in der Hälfte der Hausherren festbeißen, so dass es auch nicht mehr ins Gewicht fiel, dass Gendrey verpasste, die Kirsche auf die Tort…äh…ins Tor zu platzieren.

Das wäre ein willkommenes Leckerli als Abschluss gewesen. Aber ein Sieg mit zwei Toren Unterschied und vor allem drei Punkte mehr auf dem Punktekonto ist auch was Schönes.

Das Spiel war alles andere als eine Delikatesse, aber auch alles andere als ungenießbar. Dennoch bleibt der leicht bittere Beigeschmack, dass wir uns schwer tun, die vermeintlich kleinen Fische zu verspeisen. Aber selbst wenn der letzte Biss diesmal fehlte, es reichte – und es reicht, wenn der Biss gegen die Wölfe wieder da ist.

 

 

 

 

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